„Ich weiß nicht, mir ist der Weber heut’ recht übel vorgekommen, Weib, meinst nicht?“ fragte der Krippelmacher verdüstert, „ich möcht’ einmal hinüber schau’n, vielleicht braucht er etwas.“
„Ja, ja, schau nach, Alter!“ drängte die gutmüthige dicke Frau, und der Mann ging und klopfte sachte an die Thüre seines Nachbars.
„Bin munter,“ flüsterte es drinnen mühsam.
Der Krippenmacher trat zögernd ein und sah im ungewissen Mondlicht den Mann in seinem Feiertagsgewande daliegen.
„Oho, Weber, ganz sauber angethan, wollen doch nicht fortgehen heut’ noch?“
Da langte die hagere Hand nach der des Krippenmachers, und es wisperte beschwörend:
„Nicht die Kinder wecken, Nachbar... es wird Ernst... ich wart’ von Viertelstund’ zu Viertelstund’ auf den Tod... Nachbar!... Kinder... Krippelmacher ... bitt’...“
Die gewaltsam ruhige Stimme zitterte, und der Nachbar schwenkte rathlos sein Taschentuch mit der einen Hand, während er mit der andern die feuchtkalte des Webers drückte.
„Aber, Nachbar Weber!“
Er räusperte sich, der Trost wollte nicht aus der Kehle, denn jetzt fiel das Mondlicht voll in das sanfte Gesicht des Kranken, und da sah er, wie die graugesprenkelten Haare festklebten an der feuchten Stirn, wie die Augen groß und erloschen in der Höhle lagen und wie nach dem Ohre zu die Haut gelb und abgestorben war.