„Krippelmacher?...“
Der flehende, verschwimmende Blick sagte mehr als jedes Wort, mehr als die Hände, die sich glatt aneinander legten und sich mühsam bittend emporhoben bis zu dem Herzen des Nachbars.
„Alles, Alles will ich thun für die Kinder, wenn Sie einmal —“ er unterbrach sich, schlug die Hände zusammen und setzte sich erschöpft neben dem Bette nieder.
„Immer... kälter... finste-rer... Nachbar... den Pfar-rer... Kinder!!...“
„Nachbar!...“ Der Krippelmacher rannte zu der Thüre und rief mit erstickter Stimme: „Kinder, schnell in’s Pfarrhaus, die letzte Oelung ist nothwendig: Weib, komm herüber, Lichter! geschwind!“
Jählings wurde es ängstlich-lebendig in dem Hause; ein paar der Kinder liefen nach dem Pfarrer, andere brachten mehr Lichter, als jemals in der niederen Stube auf einmal gebrannt hatten, und alle die kleinen und großen Krippenmacher standen zagend, schluchzend im Flur und zwischen der Thüre, näher wagten sie sich noch nicht heran. Der Alte aber und sein Weib knieten neben dem Lager des Sterbenden und hielten seine starren Hände fest auf den Häuptern der schlaftrunknen Kinder, die nicht wußten, welch’ ein tapferes, liebevolles Herz schwächer und schwächer schlug. Der Weber lag langgestreckt da, seine Augen hingen an den jungen verwunderten Gesichtern, und das, was er ihnen oft gesagt hatte, sagte er ihnen auch jetzt, aber zum erstenmale fast drohend, befehlend:
„Brav sein!... fleißig arbeiten...“ und mit einmal rannen große Tropfen aus den weitgeöffneten Augen und er flüsterte dankbar zu ihm aufblickend und bittend: „Dem... Krip-pel-macher... fol-gen.“
Da klingelte es draußen in der Dunkelheit, aus der Ferne, ganz leise kam der feine Ton heran, jetzt war er näher und lauter, wieder lauter, immer näher und näher... Der Krippenmacher hob die Kinder mit einem Ruck vom Boden auf, gab sie dem Nächststehenden in die Hände, und so kamen sie von einem Nachbararm auf den anderen bis hinaus vor die Thüre, wo sie dann ein Mann in die Werkstatt des Krippenmachers trug. Jetzt klingelte es schon laut vor dem Hausthore, kam klingelnd über den Flur und der Knabe, der das Glöcklein schwang, trat klingelnd in das Sterbezimmer... Der Priester folgte mit dem Allerheiligsten, und wo er vorüberschritt fielen die Arbeiter erschüttert auf die Kniee und lagen da mit gesenkten Häuptern, nur der Weber richtete sich empor und saß harrend auf seinem Lager, das Antlitz hielt er dem Priester zugewendet und seine Hände hatte er mühselig gefaltet... Plötzlich flog ein Schatten über sein Haupt, die dunklen Augensterne wurden grau.
„Herr... Pfar-rer schnell...“
„Mein Sohn! Wenn Du Deine Seele —“