„Ja, siehst Du, Laternanzünder, den Italiener, den hab’ ich nur so angeschaut,“ er maß den Mann mit einem spöttisch-mitleidigen Blick von oben bis unten, „dann hab’ ich ihn so um die Mitt’ genommen,“ er nahm dabei einen halbwüchsigen Burschen, der in der Nähe stand, wie ein Bündel unter seinen Arm und hob ihn auf, „und dann hab’ ich gesagt: Wällischer! halt’ Dich zusamm’, jetzt geht’s los!... Der kleinbeinige Italiener hat gezappelt und die Zähn’ zusammengebissen, daß sie gekracht haben, und wie ich ihn so hinüberwerfen will — na ja, so was fangt ja kein ordentlicher Deutscher — zu seinem Vorposten, so ein Stücken durch die Luft... da ist die Kugel geflogen kommen und hat mir den Italiener weggenommen... zufällig war halt mein rechter Arm dabei...“
„O Du mein armer Bub! mein Poldl! Jesus, was wird Dein Vater sagen?“ schluchzte Frau Weiß jetzt laut und gab damit das Zeichen, daß die anderen Weiber ihre Schürzen nicht mehr verstohlen an die Augen zu drücken brauchten.
Die Schramme auf dem Gesicht des Laternanzünders war dunkelroth geworden; er räusperte sich, als ob ihm etwas in der Kehle steckte, und fragte dann gepreßt:
„Lang’ im Spital gelegen?“
„Grad’ lang’ genug für ein frisches Blut... sechs Monat!“ „Und was jetzt anfangen?“
„Essen!“ rief der Leopold lachend, und schaute seiner kleinen Mutter gutmüthig-verweisend von unten hinauf in die Augen.
„Freilich — richtig! — jetzt bist schon fast zwei Stunden in Dein’ Vaterhaus und hast nicht einmal einen Bissen Brod kriegt. Wart’, gleich wird der Kaffee fertig sein, hast gewiß schon lang’ keinen mehr getrunken, mein armer Bub’!“
Mit ängstlicher Behendigkeit lief die alte Frau hinaus in die Küche, und wie sie die Thüre öffnete, schoben sich die zwei Kinder von der Trockenwiese herein und drängten sich zu dem Heimgekehrten.
„Da schau her! Die Lenerl, mein unmündiger Schatz! Na komm her, Goldfuchs! aber Du bist gewachsen!“
So redete Leopold das größere Mädchen an. Die Lene ließ sich widerstandslos zwischen seine Kniee ziehen, schaute erst forschend in sein bleiches Gesicht, dann nahm sie den leeren Aermel in beide Hände, schüttelte ihn neugierig und sagte nach einer Weile befriedigt: