„Aber Mann! Mann! ich bitt’ Dich um Gotteswillen!“ wimmerte das Weib, hob die gerungenen Hände zu dem Schlosser auf und zeigte mit dem Kopfe nach der Stubenthüre.
„Der Erste als Soldat im Krieg liegen geblieben — und verreckt wie ein armes Stück Vieh in einem Straßengraben; das Mädel, die Zweite, ausgelöscht wie eine Groschenkerzen — jetzt der Dritte, der Letzte! — Himmelherrgott! —“
Zitternd und weinend hob die Alte wieder die Hände auf bis zu dem wetterleuchtenden Gesicht ihres Eheherrn. Er hatte die großen Fäuste in den Brustlatz seines rußigen Schurzfelles gesteckt und drückte sie nun gegen die breite Brust, daß es krachte und knackte; er suchte nach milderen Worten, um sein Weib zu beruhigen, stieß aber nur voll schmerzlichem Ingrimm heraus:
„Jetzt fünf Kreuzer — alle Tag — he? — für unsern Buben — der ein ehrliches Handwerk gelernt hat! — oder einen Leierkasten? — Was gefällt Dir besser, Alte?! —“ „Ja... ja...“ flüsterte die Frau überzeugt, trocknete sich die Augen und fachte dann wieder mit der Schürze das Feuer an, das immer noch nicht brennen wollte.
Bei dem ersten Laut der rauhen Männerstimme steckte der Leopold den Kopf vor und horchte mit einem Ausdruck der Freude, allmählig jedoch wurde sein bleiches Gesicht röther und röther, die Adern auf der Stirne wurden sichtbar stärker und sein Oberkörper bewegte sich unruhig hin und her. Als aber nun sein Vater von der Zukunft sprach, krampfte sich die Hand des Soldaten zusammen und er ließ das Kind aus seinem Arme auf den Boden gleiten.
Die Lene stand mit verschlafenen Augen und verdrießlich-verzogenem Munde da, blinzelte den Leopold von der Seite an, rieb sich die Arme vom Ellenbogen ab mit beiden Händen und gähnte. Der Heimgekehrte schob sie trotz des schlafsüchtigen Gehabens beiseite, stand jählings auf und wollte hinaus... da flog die Thüre weit auf, bis zurück an die Wand, und die breite ungeschlachte Gestalt des Alten stand auf der Schwelle.
Lautlos schauten sich Vater und Sohn in die Augen, und es hätte sich Keiner so schnell gerührt, wenn nicht hinter dem Schlosser das vergrämte Gesicht der alten Frau aufgetaucht wäre, durch seinen Arm hindurch nickte und winkte sie bittend ihrem Sohne zu. Als der Leopold die verweinten Augen seiner Mutter sah, wich das heiße Blut langsam aus seinen Wangen zurück und mit gepreßter Stimme sagte er:
„Grüß’ Gott, Herr Vater!“
„Grüß’ auch Gott!“
„Da bin ich halt wieder.“