„Ich — seh’s!“

„Ich mein’, Herr Vater, ich hätt’ einen guten Willkomm’ verdient,“ murmelte der Leopold und behielt seinen Vater fest im Auge.

„Meinst’?“

Der Arbeiter ging hin und reichte seinem Sohne die Hand, doch als er sie schüttelte schaute er zum ersten Male scheu und mit gewaltsamer Anstrengung auf den leer herunterbaumelnden Aermel... Er schwieg, aber sein grauer Bart, der das Gesicht frei ließ, beinahe aus dem Hals wuchs und von einem Ohrläppchen bis zum andern ging, bewegte sich heftig. Der Bart rührte sich, weil der ganze Unterkiefer nicht zu halten war, weil er so selbstständig wackelte, als ob der trotzige Mann keine Gewalt mehr hätte über diesen widerspenstigen Theil seines Körpers... Der Bart zitterte noch immer verrätherisch, als der Alte in einem fort nach dem Aermel sah und voll bärbeißigen Mitleidens sagte:

„Schaust elend genug darein —“ Er langte nach der Medaille, die an der Brust seines Sohnes hing, und fragte: „Haben sie Dir das Blech da gegeben für Deinen verlorenen Arm? — Wirst damit die Alte erhalten, wenn ich nimmer weiter kann? —“

„Aber Vater!“ wehrte der Leopold erschüttert ab, „was bleibt denn, wenn auch das nichts gelten soll?“

„Was bleibt? —“ er schlug auffahrend mit der Faust auf den Tisch und schaute ingrimmig in das verstörte, erbleichte Gesicht des Andern: „Was bleibt?! Lüg’ Dir nicht selbst was vor, so wie die Euch was vorlügen, die den Firlefanz erfunden haben — Dein Armstumpf bleibt, gar nichts sonst! —“

„Zock-Zock!“ rief der Kreuzschnabel drüben auf dem Hausdach, dann steckte er sein Köpfchen unter die nassen Flügel und machte keinen Versuch mehr heimzukehren.

„Jetzt werd’ ich übermorgen zweiundsiebzig Jahre alt; seit meinem zwölften Jahr hab’ ich alleweil meinen Hammer auf einen fremden Ambos fallen lassen, war alleweil Gesell’, hab’ alleweil redlich gearbeitet für mich und meine Leut’ — für Dich auch mit! — Und jetzt? — Wenn ich fragen thät: „Was bleibt?“ — He?! — Du! — Du — der mir so heimkommt.“

Durch die Thürspalte zog sich der Rauch wieder viel stärker in die Stube und schwamm dem Fenster zu, draußen blies und pustete das Weib noch immer in das glühende Holz, daß ihr die Augen übergingen. Ein- über das anderemal schlich sie zu der Stubenthüre und horchte ängstlich, denn sie kannte den zornigen ungleichen Schritt ihres Mannes, der drinnen auf- und niederging, sie kannte die fieberisch-bewegte Stimme ihres Kindes und wußte, daß der Alte noch weit weg von seiner guten Stunde war.