Ich führe dieses einzelne Beispiel an, das auf viele andere, selbst auf Iffland's Stücke, angewendet werden könnte.

Dieser Dichter galt in meiner Jugend dafür, solider, natürlicher und wahrheitsliebender, als Kotzebue zu sein; und in einigen der Dramen, die ihm besonders bei echten Kunstrichtern einen Namen verschafft haben, ist er es auch. Die „Jäger“ sind und bleiben zu allen Zeiten ein vortreffliches dramatisches Idyll; eben so die zwei letzten Acte der „Hagestolzen“, die eines Goethe würdig sind. In dem Charakter des alten Studenten Waller im „Herbsttag“ und an vielen anderen Stellen zeigt Iffland sich als sehr guter Genremaler. Aber er war zu wenig Poet, um viel Werke zu schreiben. Es waren dies nicht frische Wellen, die aus einer reichen Castalia zu geistiger Erquickung strömten; es waren matte Wiederholungen Eines und Desselben. Dazu kam, daß Iffland bald ein Philister wurde: der Geist in den meisten seiner Stücke war eine kleinliche Ehrerbietung vor dem Geschäftsfleiß und ein ewiges Losziehen auf all' das Blühende und Kühne, das sich über den gewöhnlichen Schlendrian hinauswagt. Einige seiner Stücke sehen aus, als ob ein Comptoirchef oder ein Steuereinnehmer, der gegen die Poesie polemisirt, sie geschrieben hätte. Auch die Liebe greift er gewöhnlich an, und kann sie nie zahm und vernünftig genug bekommen. — Er konnte mir also in jener Periode bei Weitem nicht so, wie Kotzebue, gefallen.


Lafontaine.

Aber ein Mann, der Liebe von Anfang bis zu Ende war, der in Liebe schwamm und sie gerade so darstellte, wie ich sie damals fühlte, nämlich die kindliche, sanfte, wenn ich so sagen darf, milchbärtige Liebe — dieser Mann, Lafontaine, war mein Abgott. Von ihm lernte ich auch zuerst ordentlich deutsch lesen. Er war der erste Verfasser außerhalb Dänemark, den ich auf eigene Hand rasch in der Ursprache las. Es ging so leicht, daß es eine Lust war! — und auch dies schmeichelte und erfreute.


Schreckens-Geschichte.

Zu dieser Zeit schrieb Spieß seine Gespenstergeschichten, seine Reisen durch die Höhlen des Unglücks und Gemächer des Jammers. Ich verschlang seine Schriften mit unersättlicher Gier, und Nichts entzückte mich in jener Periode mehr, als ein belle horreur, bei dem die Haare sich auf dem Haupte sträubten. Auch mochte ich zuweilen eine Kanne Wein mit Veit Weber leeren; aber Spieß war doch der rechte Mann, zu dem ich stets wieder zurückkehrte.


Auch in dem wirklichen Leben suchte ich dieses Gefühl zu entwickeln und auszubilden. Es bot sich bald eine Gelegenheit, wie gerufen, dar. Zwischen Kopenhagen und Friedrichsberg stand damals auf dem Westfelde, gerade gegenüber dem Wirthshause zum Goldenen Löwen, die Richtstätte. Pfahl, Rad und einen gemauerten Galgen sah man, an welchem letzteren, wie man sagte, nur kopenhagener Bürger gehängt werden durften; die Anderen müßten sich mit einem hölzernen Galgen begnügen.