Wessel's „Liebe ohne Strümpfe“ spielte man in jenen Tagen oft. Der Dialog fließt darin eben so leicht und natürlich, wie unnatürlich und schwerfällig in: „Harlekin, der Patriot.“ Das Stück wurde immer mit Beifall gegeben, wenn auch die Leute im Allgemeinen die Parodie nicht begriffen, und — was merkwürdig ist — obgleich der italienische Componist Scalabrini, der eine schöne Musik dazu geschrieben hatte, kein Wort dänisch verstand. Man hatte ihm nur flüchtig die einzelnen Musiknummern übersetzt und ihm den Inhalt des Stückes erzählt. Die schönen italienischen Melodieen, die unter naiver Einfalt schelmische Ironie verbergen, vereinigen sich recht gut mit der nordischen Satyre; sowie Oel und Essig, ohne zusammen zu rinnen, einem erfrischenden Salat doch einen guten Geschmack geben. Das Beste war noch, daß Wessel, in den Lehren der französischen Schule auferzogen, große Achtung vor den Meistern hegte, welche er, ohne es selbst zu merken, lächerlich gemacht hatte, indem er nur glaubte schlechte Nachahmungen zu parodiren. Eine so durchgreifende Ironie mußte natürlich eine große Wirkung hervorbringen. Jeder fand dort, was er suchte, und was eigentlich doch nicht darin war. Aber die Hauptsache war vorhanden: Spott über vornehme Gemeinheit, welche die Schneidernatur mit Purpurlappen behängt und sich mit hochtrabendem Unsinn brüstet.


Thaarup.

Zum Einzuge hatte Thaarup „das Erntefest“ geschrieben. In einem schönen Idyll schildert er das dänische Bauern- und Seemannsleben, die Freude über die Aufhebung der Leibeigenschaft, und die Begeisterung des Volkes bei der Vermählung des Kronprinzen. Das Stück hat dramatisches Leben, obgleich die Handlung unbedeutend ist; eine herrliche Musik von Schulz setzt Alles in ein klares und reizendes Licht. Er componirte kurz darauf auch Thaarup's „Peter's Hochzeit,“ eine würdige Fortsetzung des Erntefestes. Schulz tritt in Monsigny's und Gretry's Fußstapfen; mit reizenden originellen Melodieen rührt er das Herz, weckt Begeisterung und ergreift das nationale Gefühl. In seiner Kirchenmusik zeigt er einen hohen Geist, voll von Andacht und Gefühl; und obgleich er es noch nicht verstand, die Blaseinstrumente so zu gebrauchen, wie man es später von Haydn und Mozart gelernt hat, so hört man an seinen Compositionen doch den gründlichen Contrapunctisten aus der Bach'schen Schule.

Diese lieblichen, in einer schönen Sprache gedichteten Thaarup'schen Idyllen, voll herrlicher Melodieen, machten auf mich, den Jüngling, einen starken Eindruck; noch mehr aber die Schulz'schen Melodieen, welche viel zu meiner Bildung beitrugen.


Bühnen-Repertoire.

In dem Komischen und Launigen hatten sich in meiner ersten Jugendzeit mehrere vaterländische Dichter ausgezeichnet und erquickten meinen Geist: Der Virtuos, der Einzug, einige Scenen aus den Chinafahrern und aus die Herren Von's und die Herren Van's, von P. A. Heiberg, das Findelkind, von Falsen, die Golddose, von Olufsen gehörten zu den Lieblingsstücken, in denen Knudsen das Herrlichste und Wahrste, das ein komischer Schauspieler je dargestellt hat, leistete. Welcher Humor, welche Charakterzeichnungen, welche warme Gutmüthigkeit und Naivetät! — Selbst seine Uebertreibungen waren geistvoll, wenngleich die Kritik sie nicht billigen konnte. Ganz anderer Art war Gjelstrup, er war kalt, schelmisch und ironisch, — die echte witzige Satyre, aber er verstand es doch nicht immer so gut, Natur und Ironie zu verbinden, wie Frydendahl in dem herrlichen Künstlerleben seiner späteren Epoche.