Ein älterer Bruder desselben Namens, wie ich, der ein Jahr früher geboren war, wurde nur 24 Stunden alt. Ein Jahr nach meiner Geburt erhielt mein Vater die Stelle als Bevollmächtigter auf dem Schloß Friedrichsberg bei dem Generalinspector Schmidt, einem sehr tüchtigen Manne und gutem Kopfe. Mein Vater hatte Hoffnung, nach ihm Schloßverwalter zu werden, wenn Schmidt seinen Abschied nahm und nach Jütland zog, denn er war ein vermögender Mann. Aber als ein Verwandter von Schmidt, ein junger Mann, Voigt, der die neue Gärtnerkunst in England gelernt hatte, nach Hause kam, erhielt er das Amt. Erst viele Jahre später wurde mein bei weitem älterer Vater, nach dem Tode des Jüngern, Schloßverwalter. Voigt gestaltete den in der Zeit Friedrich's V. angelegten Park „Söndermarken“ (das Südfeld) nach neuestem Geschmack um. Er war Gärtner mit Leib und Seele, zog bei den Gutsbesitzern in Seeland umher, half ihnen Gärten anlegen, und überließ meinem Vater das Schloß. Er erwies ihm all' die Achtung, die der Jüngere dem Aelteren erweisen kann, obgleich er über ihm stand. Er hatte ein freundliches Gesicht; wenn er mir in meinen Kinderjahren begegnete, so nannte er mich stets „Master Adam!“ Ich konnte nicht begreifen, wie ich schon Meister geworden sei; erst viele Jahre später begriff ich, daß dies eine Redensart war, die er von England mitgebracht hatte.


Schmidt wurde sehr alt, ich glaube gegen 90 Jahre. Ich besitze einen Brief von ihm, den er in hohem Alter an meinen Vater mit kräftiger Hand geschrieben hat, — in welchem er ihm zu seinen Kindern Glück wünscht, und aus dem ich sehe, daß dieser Greis Sinn für Poesie hatte.


Meine Geburt.

Bei meiner Geburt war ein berühmter Arzt Culpin, ein Deutscher, meiner Mutter behülflich. Kaum war ich zur Welt gebracht, als Culpin, ein flinker lustiger Mann, um meine Mutter, die ein Jahr vorher ein Kind verloren hatte, zu trösten und zu erfreuen, mich bei den Beinen nahm, ihr entgegenhielt und ausrief: „Meiner Seel' ein großer Junge!“ —


Man hatte damals die üble Gewohnheit, welche vielen Menschen an Gliedern und Gesundheit geschadet hat, die Kinder mit den Armen einzuwickeln. Ein kleiner Junge, der uns gegenüber am Eingange zur Allee wohnte, kam einmal herüber, um mich in der Wiege zu sehen, lief aber gleich wieder erschreckt nach Hause, und rief seiner Mutter zu, die ihn fragte, warum er so schnell zurückkomme: „Mutter! das Kind hat keine Arme.“ Dies war der jetzige Herr Justizrath Hvalsöe. Ich hatte viel vornehme Pathen in der Friedrichsberger Kirche; die Gräfin Moltke hielt mich über die Taufe. Als sie meine Mutter fragte: „Wie soll das Kind heißen,“ und meine Mutter geantwortet hatte: „Adam Gottlob,“ sagte sie: „Das will ich hoffen.“

Der Sohn, den meine Eltern ein Jahr vorher gehabt hatten, hieß auch Adam Gottlob. Er wurde, wie gesagt, nur 24 Stunden alt. Mein Vater, ein munterer, launiger Mann, pflegte oft, wenn er von seinen Kindern sprach, zu sagen: „Ja, mein ältester Sohn, der war ein ganz anderer Kerl, als dieser Poet.“