Der tolle Busch.
Nun besuchten wir auch Bech's in Kopenhagen und lernten die Mutter, eine Frau mit Verstand und satyrischem Witz kennen. Sie war die Schwester des vor Kurzem gestorbenen sogenannten tollen Busch; eines Malers mit Talent und mit einem eingewurzelten Haß gegen den vornehmen Hochmuth, der sich in jenen Tagen nicht wenig breit machte. Wo er konnte, suchte er ihn zu demüthigen, oder zu verletzen; und ich zweifle nicht, daß Eifer und seine eigne Eitelkeit ihn oft mitten in seinen Bestrebungen zu weit geführt haben. Ich hörte verschiedene lustige Einfälle von ihm. Ein Mal begegnete er einem jungen Offizier auf der Straße; Busch hatte, nach den bekannten Gewohnheitsgesetzen der Trottoirbenutzung in Kopenhagen, das Vorrecht; aber der Andere glaubte doch, daß er ihm Platz machen würde. Dies geschah nicht, Busch blieb stehen. „Nun,“ rief der Offizier heftig, „wie lange will Er da stehen bleiben?“ — Busch nahm ganz phlegmatisch seine Uhr heraus und sagte: „Ich habe bis drei Uhr Zeit.“ Ein Mal stand Busch im Reithause am Schlosse Christiansburg, wo Pferdeauction war. Ein Junker war zugegen, den Busch nicht leiden konnte. Er maß ihn häufig mit seinen beredten Augen. Der Andere wurde zuletzt böse und fragte auffahrend: „Warum glotzt Er mich immer an, will Er mich kaufen?“ — „Warte Er nur,“ antwortete Busch ruhig, „seine Nummer ist ja noch nicht aufgerufen.“
Man erzählte von diesem Eulenspiegel, seine Schelmerei wäre so weit gegangen, daß er ein Mal einen Kopf von einem Schafe mit ins Parterre genommen und ihn aus der Scheidewand zwischen Parterre und Parquet mit dem Maule nach einem Kavalier zu aufgestellt hatte, den bereits Ewald in seinen „brutalen Klatschern“ gegeißelt, weil dieser Herr, nach Busch's Ansicht, die Nase zu hoch gegen das Parterre trug.
Aber es ging nicht allein über den Adel, sondern auch über die Geistlichkeit her, wenn Busch die schuldige Höflichkeit bei Seite gesetzt glaubte. Auf dem Lande bei einem Gutsbesitzer malte er ein Mal ein Thürstück, das eine Bauernstube vorstellte. Als er eben auf der Leiter stand, kam der Gutsbesitzer mit dem Pastor des Orts herein, der die Arbeit des Künstlers beurtheilen sollte. „Guten Tag, mein guter Musjö Maler,“ sagte der Pastor. — Darein schickte sich Busch noch und sagte trocken wieder: „Guten Tag!“ — Nun betrachtete der Pastor die Arbeit mit einem Kennerblick und sagte: „Ja, es ist ganz gut; aber weiß Er was, mein lieber Musjö Maler! Die Lade, die da steht, sollte roth sein, versteht Er mich, Musjö Maler, roth sollte sie sein!“ — Nun wandte Busch sich ganz phlegmatisch auf der Leiter um und antwortete: „Und weiß Er was, mein lieber Musjö Pastor, die Lade, die da steht, soll, hol' mich der Teufel, grün bleiben, versteht Er mich, Musjö Pastor, grün soll sie bleiben!“ —
Bech's theatralische Versuche.
Zwischen Bech und Busch war kein gutes Vernehmen. Bech war ein mittelmäßiger Schauspieler; seine beste Rolle war Kilian in Ulysses von Ithacien. Es war lange eine Spannung zwischen den zukünftigen Schwagern gewesen; aber als Bech nun seine Schwester geheirathet hatte, wollte Busch doch einen Tag nach der Hochzeit hinaufgehen und ihm gratuliren. Bech empfing ihn gravitätisch im Schlafrock, worüber Busch gleich ungeheuer lachen mußte, „Kilian im Schlafrocke“ zu sehen! — Und damit war gleich Visite und Liebe zu Ende. —
Eigentlich besuchte ich nur die Damen dort im Hause. Der Mann war nicht nach meinem Geschmacke. Er war ein nicht viel größerer Dramendichter, als Schauspieler. Unter Anderem hatte er eine Komödie, „die Quarterne,“ geschrieben. Darüber schrieb ein junger norwegischer Poet Weyer, der in seinem zwanzigsten Jahre starb und auf den Rahbek große Hoffnungen gebaut hatte, folgendes Epigramm:
Daß nied're Stücke stets auf nied'ren Schuhen gehn
Das glaub' ich gerne.
Drum halt' ich wenig, nach dem Maas, ich muß's gestehn,
Von der Quarterne.
Doch, lieber frommer Bech, Du mußt's erlauben
Mit guten Mienen,
Daß wir, trotz allen Schustern, dennoch glauben,
Du trägst Pantinen.
Und geh' in Gottes Namen immer so, doch laß'
Dich nicht verlocken,
Daß unter'm Schutz der Direction Du kommst fürbaß
In bloßen Socken.
Auch bei Rosenstand-Goiske, der damals das „dramatische Journal“ herausgab, hatte Bech nicht viel Trost gefunden. — „Wissen Sie, was man von Hansen (einem anderen Schauspieler) sagt?“ fragte Bech einmal Rosenstand. — „„Nun?““ — „Man sagt, wenn man ihn einmal kämmen würde, so fiele seine ganze Action fort.“ — „„Und wissen Sie, was man von Bech sagt?““ — „Nun?“ — „„Man sagt, daß wenn man ihm ein reines Hemde anzöge, so fiele seine ganze Action fort.““ Hansen hatte nämlich die Gewohnheit, sich hinterm Ohre zu kratzen, aber Bech schuppte sich unablässig, wenn er spielte.
Bech zeigte mir seine Manuscripte und ich bewunderte das Voluminöse der Hefte. Ich schrieb damals auch Komödien aller Art, Iffland'sche, Kotzebue'sche, Ewald'sche, Wessel'sche, ließ mir aber nicht die Zeit, so viele Bogen auf ein Mal voll zu schreiben. Ein Stück im Wessel'schen Geschmacke, Gertrude, war für mein Alter gar nicht so schlecht, und ich habe es viele Jahre darauf als eine Curiosität in meiner Monatsschrift, Prometheus, abdrucken lassen.