Leistungen in der Decorationsmalerei.
Ich habe zu erzählen vergessen, daß ich, als ich noch in die Schule ging, bei einem von Winckler's Schulkameraden, Böttcher, dessen Vater Verwalter des Laurvig'schen Eisenmagazins war, ein Privattheater eingerichtet hatte. In der Abwesenheit des Vaters erlaubte die Mutter uns gern, in dem großen geräumigen Zimmer zu spielen. Ich bildete eine kleine Truppe aus Böttcher, seiner Schwester, Winckler und einigen Anderen, und nun spielten wir vor einigen unserer Schulkameraden. Hier zeigte sich nun recht mein Eifer für das Dramatische. Zuerst mußte ich an Decorationen denken. Ich kaufte mir ein Buch Packpapier und einige Düten voll gelber, rother und schwarzer Farbe, sowie einige Pinsel. Neun Bogen Packpapier nähte ich zum Hintergrunde zusammen, der eine Stubenwand mit einem Fenster in der Mitte vorstellte, unter das ein Tisch gesetzt wurde. Je drei Bogen bildeten eine Coulisse, an jeder Seite mit Thüren. Nun band ich Besenstiele und Stangen an Stuhllehnen an und daran befestigte ich die Coulissen. So war mein Zimmer fertig. In diesem Zimmer mußten wir nun Alles spielen. Das Erste war der politische Kannengießer, worin ich Hermann von Bremen, das Nächste Jeppe vom Berge, oder der verwandelte Bauer, wo ich Jeppe spielte. Wenn die Maschinerie nicht Stich hielt, so mußte die Phantasie zu Hülfe kommen. Da ich zum Beispiel keinen Galgen hatte, an dem ich als Jeppe aufgehängt werden konnte, hing ich mich mit den Armen an die Thür nach dem Zimmer der Zuschauer; da diese geöffnet wurde und ich des Hängens müde war, sprang ich herunter, ohne in der Scene oder im Spiele zu stocken, als wenn gar nichts Wunderliches passirt wäre; und hierdurch rettete ich auch die Illusion für die Zuschauer. Winckler gab den Henrik und Jacob Schuhmacher; aber ich konnte ihn nie dazu bewegen, ordentlich zu sein; er spielte stets mit dem Spiele.
Das that er nun auch, wenn wir auf Friedrichsberg mit Eline Bech spielten, und es war reizend zu sehen, wenn das junge, schöne Mädchen ihn ausschalt, weil er „unartig“ sei — das heißt: weil er sich nicht, wie wir, in die Rolle versetzte und ernsthaft mitspielte.
Endlich wurde der Ernst bei Eline Bech so groß, daß sie wirklich Schauspielerin wurde. Sie debütirte in Hermann von Unna als Ida, erwarb sich außerordentlichen Beifall, und dies trug nicht wenig zu meinem darauf folgenden Entschlusse bei.
Studien bei Herrn Höisgaard.
So bereitete ich mich also ein Jahr lang bei Herrn Höisgaard zum examen artium vor, und ich sah voraus, daß, wenn ich auf diese Weise fortfahren würde (was sicher der Fall war, wenn ich fortfuhr) ich in einem Jahre nicht weiter kommen würde, als ich in diesem Jahre gekommen war. — Winckler hatte das Examen vor einem Jahre brillant bestanden und war öffentlich ausgezeichnet worden. Wenn ich die Schule für Bürgertugend hätte besuchen können, so hätte ich das Examen zu gleicher Zeit mit ihm gemacht. Aber mein Vater hatte, wie gesagt, nicht die Mittel dazu, weil ich nicht — wie Winckler — ein Haus in der Stadt fand, wo ich frei wohnen konnte. So hängt das Schicksal eines Menschen oft von Kleinigkeiten ab. Ich war im Grunde sehr betrübt darüber, daß das Ganze diese Wendung mit mir genommen hatte; aber ich ließ es mir nicht merken, nicht ein Mal vor Winckler. Ich schrieb vielmehr ein scherzendes Heldengedicht: „Otto,“ auf Veranlassung seines Examens, und das Einzige, woran ein Menschenkenner vielleicht die Verstimmtheit (doch fern von aller Mißgunst) hätte merken können, war die gezwungene Heiterkeit, die sich darin aussprach. — Das Gedicht war in verrückten Hexametern geschrieben, die alle auf fünf Füßen einherhinkten, und fing so an:
„Ich bin ein Wurm, und darf doch den Wallfisch besingen.
Keck und gefaßt verlacht zu werden, verhöhnet.
Lachet mein' immer, verhöhnt mich, ich werd's nicht beachten,
Wandre voll Zutrauen auf dieser so schlüpfrigen Laufbahn.
Muse! begeistre mich, Kraft gieb mir, feurigen Willen,
Daß mein Gesang empor zu den Wolken kann steigen.
Nicht bin ich Ewald, und nicht bin ich Klopstock, nicht Pope,
Dennoch will ich es wagen, ihn zu besingen.
Nennt es Verwegenheit, Frechheit, was Ihr auch wollet,
Nichts doch bekümmert mich, freudig beginn' ich zu singen.“