Als man nun Dyveke aufführen sollte und ein guter Freund Rahbek fragte: „Wie glaubst Du, daß Rosing den Knud Gyldenstjerne spielen wird,“ — antwortete er in übler Laune: „„Wie ein rasender Jakobiner, den Christian der Zweite gleich hätte köpfen lassen, wenn er so vor ihm hingetreten wäre!““ Diese Antwort hinterbrachte der gute Freund dem Rosing, der gar nicht verletzt wurde, gute Miene machte, und Rahbek, als sie sich wiedersahen, fragte, ob er Lust habe, der Probe zu Dyveke beizuwohnen, und ob er ihm dann seine Meinung sagen wolle, wenn er Eins oder das Andere geändert wünsche. — Rahbek folgte mit Freuden dieser Aufforderung. Die Probe ging vortrefflich und Rahbek war durchaus zufrieden. Als sie von der Probe zusammen nach Hause gingen, sagte Rosing lächelnd: „Gefiel Dir nun auch mein Knud Gyldenstjerne?“ — „„Vorzüglich!““ — „Ich habe also doch nicht wie ein rasender Jakobiner gespielt?“ — „„Wenn Du““, entgegnete Rahbek ohne verlegen zu werden, „„nur einen Fingerzeig bekommst, so hast Du Alles, was Du brauchst!““

Billardübungen.

Ehe ich noch recht bekannt mit Rosings wurde, und als täglicher Umgangsfreund in ihr Haus kam, ging ich viel mit einigen jungen Leuten vom Theater um. Der rohe Ton, der unter ihnen herrschte, mißfiel mir sehr. Indessen konnte ein Jüngling leicht nach und nach verdorben werden, wenn mein guter Engel nicht über mich gewacht hätte. Was mich im Laufe des Jahres, das ich auf diese Weise verbrachte, besonders beschäftigte, war Billardspiel. Winckler und ich hatten uns selbst dieses Spiel auf eine eigenthümliche Weise gelehrt. Auf dem Friedrichsberger Schloß stand in unserer Kindheit ein Billard in der schönen Gemäldegalerie, neben dem Speisesaal. Hier spielten wir, so gut es eben ging, ohne daß uns Jemand die geringste Anweisung gab. Wir wußten nun — und das ist ja auch die Quintessenz des Spieles — daß man den einen Ball durch den andern in ein Loch stoßen müsse. — Nun nahmen wir Jeder unser Queue, und stießen dann auf die Bälle, — natürlich mit dem dicken Ende — so gut wir konnten. Auf diese Weise gewöhnten wir uns, zur Verwunderung unserer Mitspieler, als wir zur Stadt kamen, daran, alle Bälle par tournée zu machen. Winckler, mit seinem scharfen Blick und seiner sichern Hand, wurde bald ein ebenso ausgezeichneter Billardspieler, wie er in seiner Jugend ausgezeichnet im Steinwerfen nach Wallnüssen, Vögeln — und zuweilen nach mir war. Er wurde der beste Billardspieler in der Stadt; später kam ihm seine Gewandtheit sehr als Anatom und Chirurg zu gute. Ich selbst brachte es nicht weit im Billardspiele mit meinem kurzen Gesicht und meiner noch kürzeren Geduld.

Als eine Merkwürdigkeit muß ich anführen, daß Winckler's Rival im Billardspiel damals in Kopenhagen — der aber nie um Geld spielte — der später so berühmte Norweger Christie war, welcher das Grundgesetz für Norwegens freie Verfassung entwarf.


Umgang mit Schauspielern.

Ich war zurückhaltend und blöde; daher machten die Schauspieler sich, ehe sie mich kannten, einen falschen Begriff von meinem Charakter, und glaubten, ich sei eine stille, furchtsame Natur. Es gelang mir bald, ihnen diesen Irrthum zu benehmen, ja sogar mir durch humoristische Scherze Freunde unter ihnen zu gewinnen. Eines Abends z. B. hatten Mehrere vom Theaterpersonal sich bei einem Wirthe versammelt, wo man für einen bestimmten Preis gut essen sollte. Unter Anderen war uns ein köstlicher Hasenbraten versprochen. Es dauerte lange, ehe der Tisch gedeckt war, die Gerichte wurden noch langsamer aufgetragen; — nach Mitternacht wurde ein trockener Rinderbraten statt des Hasenbratens hereingebracht; und man entschuldigte sich damit, daß der Bäcker den ihm gesandten Hasen nicht gebraten hätte. Alle, die eben noch lustig gewesen waren, schwiegen nun verstimmt, und glaubten nicht an die Entschuldigung. Ich, der früher geschwiegen und die Aelteren hatte reden lassen, brach nun plötzlich aus: Ei, so soll doch der Teufel den nachlässigen Bäcker holen. „Wo wohnt denn der Pfuscher?“ — „„Ach!““ — entgegnete der Wirth — „„er wohnt sehr weit von hier! Außerdem ist es auch spät, kalt und ganz finster; jetzt kann er den Hasen doch nicht braten.““ — „Er hat uns zum Besten gehabt“, sagte ich. „Ich wecke ihn aus seinem Schlafe! Er soll mir den Hasen geben.“ — Ohne weiter zu hören, lief ich in die Stadt zum Bäcker und holte ihn aus dem Bette. Er wußte von nichts, und hatte keinen Hasen bekommen. — Mit dieser Nachricht kam ich vergnügt zurück. Alle schlugen ein lautes Gelächter auf; der Wirth mußte beichten und um Verzeihung bitten; aber ich hatte bei dieser Gelegenheit einen Stein im Brett bei den Schauspielern gewonnen, und der Rinderbraten schmeckte ihnen nun, da sie lustig waren, eben so gut, als ob es ein Hasenbraten gewesen wäre.