Ich las Peer Heger oft meine Geistesproducte vor, und er hatte eine große Meinung von ihnen, aber ich konnte die Art und Weise, in der er mich beherrschen wollte, nicht ertragen. Er war mir zu stolz, und im Gefühle seiner größeren Körperkraft zu gebieterisch. Diese Mißstimmung kam einmal eines Abends auf der Strandmühle zum Ausbruche, gerade als wir zusammen zu Bette gehen wollten. Wir kamen in einen Streit über Geschmackssachen, ein Wort gab das andere, Peer appellirte an seine Fäuste, und obgleich dies wohl nur eine Drohung war, wollte ich mich doch nicht noch öfter einer Citation vor ein solches Gericht aussetzen. So spät es war, beschloß ich, nach Kopenhagen zu gehen, um nicht mit ihm zusammen zu schlafen. Ich ging, und war bereits eine Viertelstunde von der Strandmühle entfernt, als die Kälte der Nacht und der Gedanke, was Frau Drewsen am nächsten Morgen sagen würde, daß ich so in der Nacht fortgegangen sei, mich bewog, wieder umzukehren, und mich, ohne ein Wort zu reden, neben Peer hinzulegen. Er verspottete mich; der Sohn Drewsen's, der in demselben Zimmer lag, lachte, ohne sich übrigens in die Sache zu mischen. Ich schwieg — nahm am nächsten Morgen Abschied und sah die Strandmühle erst — dreißig Jahre später wieder, als ich Christian Drewsen besuchte, der mich zuvorkommend einlud und freundschaftlich der verschwundenen Jugendzeiten gedachte.


Die Versöhnung dürfte wohl zu Stande gekommen sein, wenn Peer nicht kurz darauf nach Westindien gereist wäre. Die älteren Drewsen's zogen nach Kopenhagen, wo ich sie besuchte, als ich mit Christiane Heger verlobt war. Peer Heger starb kurz darauf in Westindien, ehe er erfahren konnte, daß ich mit seiner Schwester versprochen sei. Ich bin überzeugt, daß diese Nachricht den braven Seemann sehr erfreut haben würde, und daß wir wieder die besten Freunde geworden wären.


Strenge Disciplin.

Indessen war statt des Oberhofmarschalls der Generalmajor Waltersdorff erster Director geworden. Dieser wackere Mann hatte sich früher wenig oder gar nicht mit solch undiplomatischen Geschäften abgegeben. Er ließ Thaarup und Baggesen, und diese ließen wieder Schwarz und Rosing walten. Indessen hatte das Ganze doch einen Anstrich von militairischer Subordination, die die Schauspieler nicht vertragen konnten. Ich entsinne mich noch, wie der joviale Saabye, als der Generalmajor auf der Probe an ihm vorüberging, sich wie ein Landsoldat richtete, und zu seinem Nachbar in seeländischem Dialecte sprach: „Hör' mal Du! der Dienst ist heuer streng!“


Saabye war in seiner Jugend ein schöner Mann gewesen, und er war noch hübsch, mit seinen braunen Augen und dem blonden Haar. Er hatte auch eine schöne biegsame Rede- und Singstimme, aber nicht viel Verstand. In gefühlvollen Rollen wurde er leicht affectirt und übertrieben; in naiven, munteren Rollen war er vortrefflich, z. B. als Plumper in „Er mengt sich in Alles“, und als Liebhaber in den kleinen französischen Singstücken; dagegen war er entsetzlich als Wenzeslaus in „Herrmann von Uma“. Seine letzte Rolle war Hakon Herdebred in „Axel und Valborg“, die er gar nicht verstand.