Es wurden außer der meinigen noch zwei Abhandlungen eingeliefert, die eine von Stoud Platou, späterm Professor in Christiania, die andere von Jens Möller, der als Professor der Theologie in Kopenhagen starb. Stoud Platou führte die Sache der griechischen Mythologie. Das Urtheil des Professors Jakob Baden, das in dem Universitätsjournale abgedruckt wurde, lautete also:
„Ueber die ausgesetzte Preisfrage sind drei Abhandlungen eingegangen, welche alle sich durch Fleiß in der Untersuchung, durch Eifer und Wärme für die schöne Literatur im Allgemeinen, wie für die nordische ins Besondere, durch gründliche Einsicht in die Bedürfnisse dieser Literatur und Kenntniß der besten Schriften im mythologischen Fach, endlich durch einen klaren Vortrag und einen leichten und angenehmen Styl empfehlen. So viel Freude diese Gleichheit in den Verdiensten mir als Leser verursachte, so muß ich doch bekennen, daß sie mir die Lust als Richter benommen hat, irgend ein entscheidendes Urtheil über eins der eingereichten Stücke zu fällen, um so mehr, als ich nicht allein ein Urtheil fällen soll. Ich lasse es daher dabei bewenden, meine private Meinung zu sagen, die ich auf keine Weise für maßgebend und inapellabel betrachtet wissen will, da sie nur die Ansicht eines privaten Mannes ist.“ Darauf erkannte er Stoud Platou's Abhandlung, als der ausführlichsten und — nach seiner Ansicht — wahrsten, den Preis zu. Doch erklärte er selbst den Theil der Abhandlung, der ungeachtet der Vorliebe des Verfassers für die griechische Mythologie, die geschmackvolle Anwendung der nordischen Mythologie bespricht und billigt, für das Beste und Wichtigste; und den ersten Theil, in dem der Verfasser von uns abweicht, tadelt er als zu weitläufig und die aufgegebene Frage zum großen Theile unberührend. Ueber meine Abhandlung mit dem Motto:
Nil intentatum nostri liquere poetae,
Nec minimum meruere decus, vestigia graeca
Ausi deserere, et celebrare domestica facta.
sagt Baden: sie ist weniger weitläufig, scheint aber mehr die Frage Berührendes zu enthalten; ein Theil der Preisschrift ist mit Neuheit und Interesse ausgeführt, und würde den Verfasser, meiner Ansicht nach, würdig machen, den Preis mit dem Ersten zu theilen, wenn derselbe sich theilen ließe. Aber da der Preis nicht wohl der erstern Abhandlung vorenthalten werden kann, so verdient diese doch das erste Accessit. — Das zweite Accessit kann meiner Ansicht nach der dritten Preisabhandlung nicht verweigert werden. Auch dieser Verfasser zeichnet sich durch eine wohldurchdachte Vertheidigung der nordischen Mythologie aus.
Später bekam Professor Kjerulf den Auftrag, in Verbindung mit Baden zu urtheilen und er unterschrieb dessen Ausspruch.
All' das war nun recht gut; aber ich kam doch um die schöne Goldmedaille, die ich so gern meinem Vater nach Hause gebracht hätte, der sich noch mehr darüber gefreut haben würde als ich. — Ich ahnte damals nicht, daß diese Abhandlung mir mit der Zeit bessere Früchte, als eine Medaille tragen würde. Ihr hatte ich es ohne Zweifel zu danken, daß ich nach meiner Reise ins Ausland als Professor der Aesthetik bei der Universität angestellt wurde, da ich durch die Abhandlung, die einer Prämie würdig erklärt worden war, als akademischer Bürger das Recht erhalten hatte, ein Amt zu suchen, von dem mich sonst vielleicht die Form ausgeschlossen haben würde.
Baggesen's Abreise.
Baggesen wollte abreisen, um, wie man glaubte, für immer fortzubleiben. Ich hatte oft mit großer Freude seine „komischen Erzählungen,“ seine „Jugendarbeiten,“ sein „Labyrinth“ gelesen. Die wunderbare Mischung von Witz und Gefühl, von Begeisterung und Spott, von Vielseitigkeit und stark hervortretender Persönlichkeit bei ihm hatte etwas Aehnlichkeit mit Jean Paul, obgleich ich in Baggesen's graciösen Witzen bald das Herz und die Geistestiefe jenes unsterblichen Dichters vermißte. Aber dann konnte Baggesen wieder diese allerliebsten, leicht fließenden Verse schreiben! Daß er als ein armer Junge so Viel in der lateinischen Schule in Slagelse hatte ausstehen müssen, rührte mich auch. Trotz Armuth und Krankheit war er stets lustig geblieben; nur die Sehnsucht der Liebe konnte ihn wehmüthig und niedergeschlagen machen.