Feldmanoeuvres.

Die Nachmittags-Manoeuvres auf dem Felde waren amüsant, wenn das Wetter schön war. Dann zogen wir mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen durch die Straßen, während die jungen Mädchen in den Fenstern standen, um ihre Geliebten oder Brüder vorübergehen zu sehen. Wir gaben uns dann alle Mühe, um in geraden Gliedern zu marschiren. Und der Marschall ritt voran, mit seinem Stern auf der Brust, und bei feierlichen Gelegenheiten mit dem Ordensbande über der blauen Uniformjacke.

Doch Horaz und Baggesen sagen:

Naturam furca pellas ex,
Sie kommt doch wieder, die arge Hex'.“

Es war nicht so leicht, die lebhaften Jünglinge Alle in Ordnung zu halten. So hatten wir einmal den Verdruß, daß einige Kameraden, in den letzten Gliedern, mitten auf der Straße stehen blieben, um Aepfel von einer Fruchthändlerin zu kaufen. Noch größeren Aerger hatte man mit halbgebildeten Soldaten, welche verlangten, daß der Offizier ihnen den Grund zu alle Dem sagen solle, was commandirt wurde, und die noch nicht begreifen konnten, daß zur Kriegszucht der augenblickliche Gehorsam gehört.

Eines Nachmittags übten wir uns auf dem Felde im Schießen. Ein junges Blut hatte sein Gewehr geladen, aber es vergessen, den Ladestock wieder aus dem Lauf zu ziehen, und stand nun, mit der freundlichsten Miene von der Welt, und zielt auf den Marschall. Glücklicherweise bemerkte dieser es bei Zeiten, schlug das Gewehr bei Seite und rief: „Mein Herr! Wenn Sie Ihr Gewehr geladen haben, sollen Sie den Ladestock herausziehen. Ich will Ihnen den Grund sagen: Weil Sie sonst den Anführer durch den Leib schießen!“

Diese geniale Gedankenlosigkeit, die sich, wie man behauptet, besonders der Künstler und Gelehrten bemächtigt, und zu deren Ehre Baggesen eine Ode geschrieben hat, hatte sich auch einige Mal meiner bemächtigt. Wir sollten Carré formiren; der Anführer ruft dann: „Bataillon“; der Fahnenjunker läuft acht Schritte vor, und nach ihm bildet sich die Colonne. Der Marschall rief also: „Bataillon“! Aber ich stand in Betrachtungen vertieft, und rührte mich nicht von der Stelle. Plötzlich hörte ich ihn rufen: „Oehlenschläger!“ Erschreckt erwache ich, laufe zwölf, vierzehn Schritte vor, um das Versäumte wieder gut zu machen, und das ganze Bataillon hinter mir her.

Ein andres Mal hatte ich den Fahnengurt umzuhängen vergessen; ich mußte die Fahne die ganze Zeit hindurch nur mit den Händen tragen; gerade deßhalb, glaube ich, blies ein heimtückischer Sturm den ganzen Nachmittag, und der noch schwächliche Fahnenjunker wäre fast umgeworfen worden.

Zu unseren Märschen und Uebungen hörten wir immer schöne Musik. Die Mitglieder der königlichen Kapelle hatten sich selbst angeboten, unsere Hautboisten für das erste Bataillon zu sein. Das zweite Bataillon bekam die Hautboisten der Leibgarde. Komisch war es im Anfange, wie die Virtuosen der Kapelle es diesen nicht gleich machen konnten, weil sie nicht darin geübt waren, unter freiem Himmel im Gehen zu blasen; vielleicht auch, weil Einige, die gewöhnt waren, Violine und Baß zu spielen, sich auf Blaseinstrumenten versuchten. Aber es währte nicht lange, so hatten sie den Handgriff weg.