An einem schönen Sommertage, als das Vaterland wieder Frieden hatte, wurden wir Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen vorgestellt. Er war mit unseren Fortschritten zufrieden, und lobte uns. Wir wurden auf dem Felde mit Wein und Backwerk tractirt. Junge Damen aus der Stadt kamen heraus und tanzten auf dem Felde mit den Studenten. Die Alten standen in großen Kreisen als frohe Zuschauer umher. Alles war nun Lust und Freude!
Friedliche Beschäftigungen.
Nun kehrten wir zu unseren friedlichen Beschäftigungen zurück. Ich kam jeden Tag zu meinem Freunde und Leiter A. S. Oersted; das dänische Recht hatte ich repetirt, das Naturrecht ebenso, aber das römische Recht war noch durchzumachen. Collegien besuchte ich nicht mehr viel, doch hörte ich einige Mal Schlegel. Mit Oersted's aß ich Mittags bei ihrer Tante, Madame Möller; dort saßen die jungen Gelehrten und Schöngeister von einem Haufen Bürgersleuten umringt, die uns oft lebhaft an die Personen in Holberg's Comödien erinnerten. Oft las — oder richtiger gesagt — spielte ich fast ein ganzes Stück von Holberg mit veränderter Stimme zur Unterhaltung vor dieser gemischten Gesellschaft. Besonders amüsirte mich in diesem Kreise der alte pedantische Schullehrer, der Erste, der mich davon überzeugte, daß eingewurzelte Lächerlichkeit nicht durch Comödien geheilt werden könne. Wir führten nämlich einmal wirklich den Erasmus Montanus auf; ich gab den Küster Peer und copirte den Schulmeister so gut, daß die ganze Gesellschaft ihn wieder erkannte. Er war auch gegenwärtig, erkannte aber meine Copie nicht, da er sein eignes Original nicht kannte. Er war sehr zufrieden mit meinem Spiel, als das Stück beendet war, und lobte Holberg, der so gut unwissende, bornirte Pedanten geschildert habe.
Privat-Theater.
Ein norwegischer Student Bull, später Justitiarius in Norwegen, sollte im Hause mit mir zusammen wohnen; wir vereinigten uns, und Madame Möller überließ uns noch den Saal neben meiner Kammer. Sie fand sich gern darein, daß wir zuweilen Comödie spielten, und gab mir selbst die Bettlaken, die ich dann mit kleinen Nägeln an den Fenstern festmachte, um gegen das Frühjahr hin ein künstliches Dunkel aus dem Theater hervorzubringen. Nur ein Mal, als wir „Liebe ohne Strümpfe“ spielten und das Stück etwas stockte, weil Jesper seine Rolle nicht konnte, und ich, als Mads, in der Verzweiflung, um die Pause auszufüllen, das neue Psalmenbuch hervornahm und in meinem jugendlichen Uebermuthe zu singen anfing: „Wenn uns die höchste Trübsal naht!“ tadelte sie uns auf eine gutmüthige, mütterliche Weise, indem sie zu den Anderen sagte: „Sie lachen selbst darüber!“
Während einer der Proben zu diesen Vorstellungen wurde ein Glasarm von einem Kronleuchter abgeschlagen. Eine alte Frau, die im Hause wohnte, bezahlte einen Thaler, um einen neuen anzuschaffen, wollte aber, daß ich als Director ihr dieses Geld wiedergeben solle. Da ich nun nicht das Unglück angerichtet und niemals einen Schilling übrig hatte, ließ ich sie mich vergebens mahnen; und es amüsirte uns Alle, wenn sie täglich über Tisch auf mich wegen des Thalers stichelte, den sie gut zu haben glaubte. Die arme Frau hatte viele Jahre darauf ein trauriges Schicksal; denn sie fiel eines Tages vom Stuhl, als sie ihr Mittagsschläfchen halten wollte, und dies wurde ihr Tod.
Oersted's assistirten auch, wenn wir Comödie spielten, aber das ist nicht ihr Fach; besonders hatte A. Oersted kein Geschick dazu, selbst zu kleinen Rollen konnte ich ihn nicht gebrauchen; und als ich ihm einmal den Mathias in den Jägern einstudirt und gesagt hatte: „Nun kommst Du, die Hände nachlässig auf dem Rücken, herein“, hatte er sie so in einander verschlungen, daß er sie beinahe nicht wieder auseinander gebracht hätte.
In Madame Möller's Hause wohnte eine alte taube Frau, die ihre ganze Liebe auf einen Schooshund geworfen hatte. An einem warmen Sommertage sperrte ich den Hund in den kühlen Ofen ein. Sie konnte ihn nicht bellen hören, ging umher und suchte vergebens. Endlich befreite ich den Hund in ihrer Gegenwart aus seinem Gefängnisse. Die alte Frau wurde sehr böse, obgleich wir sonst die besten Freunde waren, und sagte: „Das rathe ich Ihnen, daß Sie mir nicht wieder den Hund zum Narren halten!“
Man sieht, daß die Lust, Comödie zu spielen, bei mir von Neuem erwachte, als ich mein eigner Herr geworden war und ich es zu meinem Vergnügen thun konnte; ich trat auch in Borup's Gesellschaft ein, spielte aber nicht oft dort, sondern größtentheils nur in häuslichen Kreisen, wo ich selbst der Geist des Ganzen sein konnte.