Alexander von Humboldt.

Mein höchster Genuß in Berlin waren Mozart's Meisterwerke, Figaro und Don Juan, die ich jetzt erst kennen lernte. Indem ich diese unvergleichliche Musik hörte, öffnete sich mir eine neue und doch so bekannte Welt. Ich hörte Sophokles, Shakespeare und Göthe in Tönen, wie ich sie später bei Raphael in Farben sah.

Steffens kam auch nach Berlin, und ich sah ihn oft bei Alberti's. Ich sprach zuweilen mit Alexander von Humboldt und hörte ihn oft in Gesellschaften von seinen Reisen erzählen. In der Akademie der Wissenschaften las er ein Mal, als ich zugegen war, eine Abhandlung über die üppigen Vegetationen der Natur vor. Er schloß mit der Bemerkung, daß dasselbe mannigfache Leben, das physisch in den wärmeren Himmelsgegenden blüht, sich moralisch und psychisch im Norden in der Phantasie und in den Werken der Dichter wiederhole.

Johannes Müller.

Den berühmten Historiker Johannes Müller sah ich auch mehrere Male. Reichardt sagte: „er gleiche einer Nachteule.“ Die Eule ist der Vogel der Minerva; in den Gesprächen mit dem großen Manne vergaß ich den Vogel ganz über die Minerva. Er schlug mir vor, eine Tragödie über einen gewissen historischen Gegenstand zu schreiben, den ich leider vergessen habe.


Abreise nach Weimar.

Beim Anbruch des Frühjahrs sehnte ich mich sehr darnach, nach Weimar zu reisen, um Göthe zu besuchen. Ich fuhr mit Steffens und Schleiermacher von Berlin nach Halle, wo ich drei Tage bei diesen Freunden blieb.

Ich befand mich nun wieder ganz allein in der weiten Welt auf einem Post- oder eigentlich Frachtwagen, auf dem ich in der Nacht in dem feuchten, kalten Aprilwetter auf einem Brett ohne Rückenlehne fahren mußte. Der Schlaf auf einer Bank in einer Bauernschenke stärkte mich für ein paar Stunden, und so kam ich nach Naumburg, wo ich bis zum nächsten Tage bleiben mußte.

Es war ein trauriger Frühlingstag und ich selbst war betrübt. Alle guten Freunde in Halle, Giebichenstein und Berlin hatte ich — vielleicht auf ewig — verlassen. Nun sollte ich neue Bekanntschaften schließen, um das Band bald wieder zu zerreißen, wenn es geknüpft war. Der Frankenau'sche Vers fiel mir ein: