Bekanntschaft mit Friedrich Schlegel.

War ich nun zu altmodisch, zu fromm, zu frei, zu deutsch für Malthe Bruun und Consorten, so gab es wieder Andere, denen ich nicht deutsch, nicht frei, fromm und altmodisch genug war. In einer Restauration bei Grignon lernte ich Friedrich Schlegel kennen. Er sah gar nicht so aus, wie ich ihn mir vorgestellt hatte; ich erwartete einen magern Kritikus, und es glänzte mir ein ironisch fettes Gesicht sanguinisch entgegen. Wir mochten uns recht gern; aber Schlegel war es nicht recht, daß ich nicht mehr zu seiner Schule gehörte. Doch sagte er mir nie ein beißendes Wort; im Gegentheil er scherzte mit mir, wie mit einem jungen Tollkopf, aus dem Etwas werden könnte, oder aus dem wenigstens Etwas hätte werden können, wenn er den rechten Weg gewählt: d. h., wenn er blind zur Fahne der neuen Schule geschworen hätte. Zu einem Doctor Klinger aus Wien sagte er einmal, als er etwas ärgerlich über mich gewesen war: „Grüßen Sie Oehlenschläger und bitten Sie ihn, nicht böse zu sein, wenn ich mich gestern vielleicht zu sehr des traurigen Vorrechtes des Alters bedient habe.“ Schlegel war ein Mann von großen Talenten. Viele Abhandlungen in der Zeitschrift Europa, in den Characteristiken in seinem „Geist aus Lessing's Schriften“ zeigen den starken Kopf, den tiefen Denker, und er hatte viel mehr Gemüth als sein Bruder. In seinem Athenäum beweisen viele, wenn auch übertriebene Paradoxen Originalität, Keckheit und Humor. Aber seine Lucinde war mir doch stets zuwider; und ebenso der Geist, der im Alarcos herrscht, obwohl ich den kräftigen Ton des Stückes wohl gern hatte.

Deutsche Epigramme auf beide Schlegel.

Ich hatte ein paar deutsche Epigramme auf beide Schlegel's in der Zeit meines Abfalles geschrieben. Sie sind nie gedruckt worden; ich theile sie hier als characteristische Züge mit, die zu jener Zeit meines Lebens gehören. Schlegel's haben sie niemals weder gelesen noch gehört.


1.
Alte und neue Zeit.

Verschied'ne Zeit, verschied'ne Richtung,
So Alles, so die deutsche Dichtung.
Lessing's Aesthethik wollte Wahrheit,
Natur in kräft'ger schöner Klarheit.
Die beiden Schlegel wollen Wehmuth
In mönchischer und stolzer Demuth.
Man liebte alles Schöne weiland,
Jetzt ruft man affectirt den Heiland.
Aus Wildniß stieg ein edles Bildniß;
Das Bild verfliegt, wird wieder Wildniß.
Ach hätten wir statt Schlegeln Lessing!
Nur ein Stück Gold für zwei Stück Messing.


2.
Unterschied zwischen den beiden Schlegels.