Skandinavischer Umgang in Paris.

Ich ging viel mit zwei jungen Malern, Olivier aus Dessau, guten, freundlichen Menschen um; der eine malte mich. Dasselbe that auch ein norwegischer Maler, Lieutenant Munk, der damals in Paris war. Der geniale Musiker Kienlen gehörte auch zu meinem täglichen Umgange; er schrieb schöne Melodien zu Aladdin, und soll später in Berlin eine sehr hübsche Musik zu Göthe's Claudine von Villa bella geschrieben haben.

Besonders erfreute es uns Dänen, mit der norwegischen, liebenswürdigen Familie Knudtzon, die nach Paris gekommen war, zusammen zu leben. Bröndsted, Koës und ich aßen oft bei ihnen, und wenn wir so zusammen saßen, bildeten wir uns ein, in Dänemark oder Norwegen zu sein. Ich werde diese lieben Menschen nie vergessen; den braven Johansen und seine treue Sara; die liebenswürdige Frau Labouchère und ihre Schwester, die holde Benedicte. Mein Umgang mit ihnen trug viel dazu bei „Axel und Valborg,“ das ich damals gerade schrieb, das frische, nordische Colorit zu verleihen, das sonst durch den langen Aufenthalt im Auslande leicht hätte geschwächt werden können.

Die Alterthumsforscher Arndt und Millin.

Der wunderliche Alterthumsforscher Arndt, von dem ich bereits früher gesprochen, und den ich viele Jahre darauf als Strauß in meinem Drama: „Die italienischen Räuber“ auftreten ließ, kam auch nach Paris. Die Franzosen wunderten sich über diesen Menschen, der fast wie ein Bettler gekleidet war, aber die Taschen voll gelehrter Manuscripte hatte. Er wäre früher gekommen, aber gerade als er an der Barrière von Paris angekommen, fiel es ihm ein, daß er ein Manuscript in einem Steinhaufen, eine Viertelmeile von Lübeck vergessen habe. Er wanderte deßhalb zurück, um es zu holen, und dies raubte ihm einige Zeit. Millin, Professor der Archäologie und Vorsteher des Antiken- und Medaillencabinets, war sehr höflich gegen ihn und er sehr grob gegen Millin. Er warf ihm Unwissenheit vor. Man kann sich nicht zwei größere Contraste denken! Jener reich, vornehm, Bewohner eines schönen Hotels, in dem alle Gelehrten gewisse Stunden der Woche Zutritt hatten, und in prächtigen Zimmern alle neuen Bücher und Journale lesen konnten; — und Arndt in einem groben blauen Flaus, die langen Haare unter dem Kragen, und alle Taschen dick voll Papiere. —

Zuletzt wurde ich des Herrn Arndt doch überdrüssig. Als ich ihm eines Morgens einen alten Frack, etwas Linnen und ein Paar Stiefeln geschenkt und mein Frühstück mit ihm getheilt hatte, fing er an, indem er den Milchtopf mit einer Brotrinde auswischte, unverschämt von dem dänischen Könige zu reden. Ich bat ihn, sich zu recommandiren, wenn ich ihn nicht die Treppen hinunterwerfen sollte. Er ging, und seit dieser Zeit habe ich nie wieder mit ihm gesprochen.

Im siebenten Stockwerk.

Freilich wäre er tief gefallen; denn ich wohnte im Hôtel de Quinze-Vingt im siebenten Stockwerk.