Das Ungewitter fing an, sich auf dem nordischen Himmel zusammenzuziehen; und während wir in Paris Zeugen des Friedensfestes in Notredame waren, und Napoleon, wie Heinrich IV. gekleidet, unter einem Thronhimmel sahen, von allen seinen Staatsräthen und hohen Beamten begleitet; während das versammelte Volk am Abend in dem Tuileriengarten, wo er auf dem Balkon saß, sang: „Ou peut on être mieux, qu'au sein de sa famille“ und die ganze Stadt illuminirt war, schlugen unsere dänischen Herzen in banger Erwartung und der Ahnung einer schlimmern Illumination in Kopenhagen.


Ich hatte zuerst eine der ersten Etagen im Hôtel de Quinze-Vingt bewohnt; als ich aber keinen Brief mehr von Kopenhagen erhielt und das Geld ausblieb, wollte ich in einen gewöhnlichen Gasthof ziehen, wo ich billig wohnen konnte. Aber meine wackere Wirthin, Madame Gautier (eine Predigerwitwe, ich glaube von Genf), wollte es nicht erlauben. „Monsieur Oehsleng!“ sagte sie — denn weder sie noch irgend ein anderer Franzose konnte meinen Namen richtig aussprechen, — „wenn Sie auch zwei Jahre bei mir bleiben und ich keinen Sou von Ihnen bekomme, so lasse ich Sie doch nicht ziehen. Ich bin überzeugt, daß Sie mich nicht betrügen wollen; bleiben Sie hier! aber wollen Sie mir eine Gefälligkeit erweisen, so ziehen Sie in meine oberste Etage hinauf! Da sollen Sie Alles bekommen: Mittag, Frühstück und Aufwartung, Alles gut und den vierten Theil billiger.“

Dieses edelmüthige Anerbieten kam mir wie vom Himmel. Ich zog in das siebente Stockwerk, gegenüber dem Carousselplatz, den Tuilerieen und der Ehrenpforte, wo die metallnen Pferde standen, die von Berlin nach Paris gewandert, und nun wieder auf dem Brandenburger Thor stehen. Auf dem Carousselplatze sah ich Napoleon oft mit seinen Garden beschäftigt, während ich da oben den Hakon Jarl übersetzte.


Nachricht vom Bombardement Kopenhagens.

Eines Tages, als ich ganz munter mit Bröndsted plauderte, tritt Koës blaß wie eine Leiche ins Zimmer und sagt: „Kopenhagen ist von den Engländern genommen!“ Wir wurden wie vom Blitze getroffen. Es circulirten mehrere falsche Gerüchte: daß das Friedrichsberger Schloß abgebrannt sei, daß alle Studenten bei einem Ausfall aus Kopenhagen umgekommen wären.

Es war, Gott sei Dank, nicht so schlimm hergegangen! All' meine Lieben lebten noch und Friedrichsberg hatte nichts gelitten; aber Kopenhagen war bombardirt und unter der Menge von Gebäuden, die in Asche gelegt waren, befand sich auch das große, schöne Haus meines zukünftigen Schwiegervaters auf der Norderstraße.

Brief an Christiane Heger.