Hatte „Jesus in der Natur“ dem damaligen Bischof Seelands mißfallen, so fand er einen kräftigen Fürsprecher in dem zukünftigen Bischof J. P. Mynster. Dieser hatte mir versprochen, meine „poetischen Schriften“ zu recensiren; in einem Briefe von ihm, den 19. Juli 1805 schreibt er:

Habe Dank für Deine Gedichte, die mich sehr erfreuten. Daß Etwas darin nicht ganz nach meinem Sinne ist, wird Dich nicht wundern; wie mir aber sehr viel darin zusagt, wirst Du, so Gott will, erfahren, wenn ich darüber Etwas schreiben sollte. Das ist nicht so leicht und rasch gethan; denn die erste Begeisterung die ein Gedicht erweckt, ist nicht kritischer Natur, und es ist nicht so leicht zu sagen, warum das Gute gut ist. Besonders wird es mir schwer werden, gute und verständige Worte über das Gedicht „Jesus“ zu sagen, da ich hierzu nicht die Philosophie des Christenthums, ja kaum Fragmente derselben liefern kann. — Was Du über unsere Pflicht, nicht zu schweigen sagst, ist gerade dieselbe Stimme, die in meinem Innern spricht. Ich habe daher auch die Absicht, so Gott will, meinen Mund aufzuthun, und zwar auf verschiedene Arten, aber erst zu versuchen, welch' ein Echo meiner Stimme antworten wird; aber ganz vergebens soll es doch nicht sein; denn ich weiß, daß ich zu den Berufenen gehöre, und ich strebe Tag und Nacht unter Wachen und Gebet, auf daß ich auch einer der Auserwählten werde. Gott zum Gruß! — Aus dieser Recension wurde nun freilich nichts. Mein edler Freund fühlte sich später mehr gestimmt, das, was er von meinen Werken, namentlich von „Jesus in der Natur“ hielt, in einem Gedicht auszusprechen, worin sein Geist sich von dem Dichter zu dem Himmlischen emporschwingt.


Guter Humor meiner Umgebungen.

An der Munterkeit und Ausgelassenheit, mit der ich im Gespräch und in den Briefen mit meinen Lieben gern den ernsten Ton unterbrach, nahmen sie auch oft Theil. Frau Rahbek hatte einen natürlichen Hang zu Dergleichen und selbst unser lieber Prediger würzte das tägliche Gespräch mit satyrischer Schelmerei. In einem Briefe von Frau Rahbek, den ich in Halle bekam, schildert sie mir eine Reise, die sie und ihr Bruder zu Mynster nach Spiellrup vorhaben. Ihren Bruder Carl Heger nennt sie „Hufe“ nach Hufeland, dessen Buch über die Verlängerung des menschlichen Lebens, Carl Heger, der immer eingebildet krank war, sehr gründlich studirt hatte. Er fürchtete stets von all' den Krankheiten angesteckt zu werden, die ihm nahe kamen. Wir neckten ihn damit, daß er einmal geglaubt habe, er habe das Kindbettfieber, als es grassirte. Dr. Professor Mynster, der Bruder des Predigers, war der innige Freund dieses herrlichen Menschen und hatte sehr viel Nachsicht und Geduld mit Carl's Wunderlichkeiten, denen er doch selbst gewöhnlich einen so komischen Anstrich gab, daß sie durchaus nicht ermüdend waren. Einmal sagte er zum Professor Mynster: „Ich befinde mich wirklich nicht wohl; willst Du mir nicht Etwas aufschreiben.“ „„Ja““ — sagte Mynster und schrieb ihm ein Recept. Carl sah es an und sagte mit saurer Miene und etwas bedenklich: „Ja, ist das nun aber auch gut?“ — „„Ja““ — entgegnete Mynster, mit dem ihm eigenen süffisanten Humor — „„das ist das Beste; willst Du lieber das Nächstbeste haben, so kann ich Dir das auch aufschreiben.““

Briefe aus der Heimath.

Frau Rahbek schrieb mir im October nach Halle:

„Ich kann mir denken, wie angenehm Sie leben, und muß es daher um so liebenswürdiger von Ihnen finden, daß Sie trotzdem Heimweh fühlen, und besonders gefällt es mir, daß Sie uns das in so schönen Versen gesagt haben. Aber da wir gerade vom Reisen sprechen, kann ich Ihnen erzählen, daß Hufe und ich einen großen Reiseplan im Kopfe haben. Hier steht nämlich ein kleines Pferd und ein kleiner Wagen, die einem guten Freunde gehören, und da wir Erlaubniß haben, diese Equipage zu benutzen, so beabsichtigen wir, in 14 Tagen zu Job[2] hinauszureisen. Aber nun ist der kleine Umstand dabei, daß nur zwei Menschen auf dem Wagen sitzen können, und daß also einer von uns kutschiren muß. Das wird nun natürlich Hufe thun; aber er hat früher nie kutschirt, und obgleich er sich in diesen Tagen sehr darin übt, indem er an einem Bindfaden zieht, den er an ein Fenster gebunden hat, und der den Zügel vorstellen soll, so glaube ich doch, daß er ein kleines Schreckfieber bekommen wird, wenn es im Ernst ans Fahren geht. Wir wollen nicht weiter, als bis nach Kiöge fahren; dort werden wir Postpferde nehmen, und unser Rößlein stehen lassen, bis wir zurückkommen. Hier glaubt Keiner daran, daß wir zwei Cujone so Etwas unternehmen werden, und ich kann nicht leugnen, daß selbst ich es etwas gewagt finde; doch ist mir vor mir selbst nicht so bange, wie vor ihm. Wenn wir nach Spielderup kommen, so haben wir die Absicht, uns als zwei Schlächter zu melden, die von Kopenhagen gereist sind, um sich Rindvieh anzusehen. Könnte man so leicht nach Halle kommen, so sollte es gewiß nicht lange dauern, ehe ich da wäre.“


Von meinem Vater erhielt ich kurz bevor ich von Halle abreiste, als Antwort auf einen Brief, den ich ihm lange schuldig gewesen war, folgende Zeilen: