Schreibe mit ein Paar Zeilen nach Amsterdam, adressirt: An Herrn Brockhaus, Warmoesstraat Nr. 1–2.
Ewig Dein
Baggesen.“
Auszug aus einem Reimbrief von Baggesen.
Einen Auszug aus dem Reimbriefe theile ich hier mit:
„Du fand'st sie Adam, sie, nach der ich strebte
Im tiefen Ernste grübelnd alle Zeit,
Mit ruhelosem Fleiß in Einsamkeit,
Vom Sonnenaufgang bis die Sonne schwand,
Wo ich in blut'ger Spur nur Dornen fand,
In Schweißes Strömen bei der Stirne Brand,
Indeß das Hinderniß den Fleiß belebte.
Du fandest sie, nach der ich strebte
Vom Abendschimmer bis zur Tagesnähe,
Im Schooß des Abgrunds, auf des Felsens Höhe,
Mit eis'gem Hirne u. s. w.
Was ich gesucht, ja, ja! Du hast's gefunden, —
Indessen mir, dem Armen, war gebunden
Die Hand.
Mit Freuden hab' ich Deinen Fund erkannt;
Zwar sucht'st Du nicht, doch fand'st Du dennoch Vieles —
Das Aug' des Glückes deckt ein blendend Band —;
Dich lockt, indeß ich grub, der Reiz des Spieles,
Du stehst, ein Kind noch, wo ich erst Dich fand,
Bei unterird'schen, diamantnen Bäumen,
Dem Untergange nah, der Dich umwand, —
Die mächt'ge Himmelslampe in der Hand,
Doch deren Geist Du nicht gleich mir erkannt; —
Noch bist Du von dem bunten Rausch umhüllt,
Du letzest Dich an Tieck'schen Blumenträumen,
Und an der Schlegelbirnen reichen Saaten.
Du hast Dir alle Taschen voll gefüllt
Mit Göthe's unterirdischen Granaten,
Indessen Calderon's Theaterpracht
Den runden Hut zum Viereck Dir gemacht; —
Allein — Du hast sie — hast den Geist gebannt,
Dein ist sie, Adam; und Dein Freund, der lebte
Vergebens, sie zu suchen; als Du spieltest, strebte,
Reicht Dir mit Wollust seine Hand — u. s. w.
Steig' auf, steig' auf,
Hoch auf den Berg im raschen Lauf,
Da setz' Dich, Glücklicher, an meine Seite.
Und ich — der nicht die Lampe hat, doch weiß
Den Geist zu bannen durch ein streng Geheiß,
Ich bin Dir nah', daß ich die Hand Dir leite.
Du hört'st mich nicht tief in der Höhle Mitt';
Du gingst, belastet durch die schweren Steine,
In Tausend Einer Nacht den Gang alleine.
Doch wuchs mein Hoffen schon bei jedem Schritt,
Als Du Dich hobst. Und — Wunder über Wunder —
Nicht mehr der Knabe, weiß und roth, mit glattem Kinn,
Der nach den Früchten griff, mit kind'schem Sinn,
Ich sah als bärt'gen Mann Dich im Vaulunder;
Und hoch und herrlich stand'st, mit einem Satz,
Als Hakon Jarl Du auf dem höchsten Platz. —
Empfang' mit diesem Bruderkuß die Hand!
Vergiß die Stöße, die wir uns gegeben,
Dieweil wir unsern Geist verkannt,
Vom Teufel kurze Zeit gebannt,
Der Zwistigkeiten liebt für's Leben,
Und gern sie sä't, wo Witz und Witz sich heben.
Wir lieben uns, trotz ihm und seiner Brut,
Und sind uns, Castor gleich und Pollux, gut.
Ich wechselweis im Himmel erst mit Dir,
Du wechselweis dann in der Höll' mit mir.
Ich froh des Jünglings, Du des Mannes froh.
Und all' die Irrwisch', die so tief im Sumpf
Da hüpfen, und sich drücken, Rumpf an Rumpf,
Seh'n hoch hinauf, und spitzen ihre Ohren,
Seh'n hier des Friedens herrlichen Triumph,
Daß sich Aladdin und Noureddin fanden,
Daß alle früher'n Uebel rasch verschwanden,
Und Mancher hat d'rob den Verstand verloren!“
Antwort auf Baggesen's Reimbrief.
Hierauf antwortete ich auch mit einem Gedichte, in welchem Folgendes stand:
Was also Aladdin betrifft, so denk' ich nun,
Wir lassen seine Wunderlampe brennen still,
Und putzen nicht den Docht gar all' zu nah; denn leicht
Könnt' sie auf diese Weis' erlöschen gar. Auch ist
Der Lamp' Gedicht kein Kinderwerk, im Schlaf gemacht,
Mit offnem Auge blickt es in der Welt umher.
Vaulunder wurde vor der Lampe schon gedichtet; Illusion
Ist also, was Du glaubtest von dem ältern Mann.
Der Wilde tritt als Aladdin rasirt hervor,
So steht es. Das hat sicher Dich verwirrt gemacht!
Im Schweiße mag der Bürger gehen seinen Weg!
Wohl heilig ist sein Streben; doch der Musen Sohn
Kennt nicht den Schweiß. Vulkan auf seinem Ambos hat
Geschmiedet Deine Lieder nicht! Ein Silberbach,
So rannen sie melodisch durch das Thal dahin,
Und eigne Quellen trieben sie.
Was Du gesagt
Von meinem Schlaf, sei Dir verzieh'n; der Dichter doch
Hat eines Vogels Schlaf; er lauschet munter stets
Den schönen Melodien der Welt auf seinem Zweig;
Und selbst sein Schlummer ist ein Traum, ein Mährchen ihm.
Was ihm die Muse eingiebt, singt getreulich er,
Ob farbig bunt, ob tief in Trauerschleier eingehüllt;
So that ich stets, so will ich thun auch bis zum Tod.
Gefällt allein die Hälfte meines Wesens Dir,
So nimm', was Dir gefällt, allein verschone mich
Mit Deinem Warnungslied! Zu Freundessympathie
Bedarf es, daß der Freund den Freund durchschaue ganz. u. s. w.
Nun zürn' mir nicht, daß ich mit Ernst und strenger Ruh'
Dem muntern Scherz begegnet. Mich betraf Dein Wort.
Gereiftheit, Männlichkeit zu zeigen in dem Werk
Der Dichter hoffte. Also singt kein schläfrig Kind!
Doch fest, auf beiden Füßen sicher, ganz wie Du
Und Einer, meinem Ziel zu nahen, ist mein Trost,
Mein Stolz und was allein mir anzurechnen ist.
Und damit Gott befohlen, Hand an's Werk gelegt.