So antwortete ich ihm, unter vielem Anderen, das ich hier weglasse, ernst und bescheiden auf eine Epistel, die eine seltsame Mischung von Selbstlob, Vorurtheil und Erkennen meines Talentes war. Diese Epistel würde mich doch mehr gerührt haben, als sie wirklich that, wenn ich nicht gewußt hätte, daß ich meinem Familienkreise in Kopenhagen den größten Theil des Weihrauchs verdankte, den Baggesen damals mir ausstreute, denn er ließ sich stets von seiner Umgebung und deren Meinung beherrschen. —
Belege zur Characteristik Baggesen's.
Aus dieser Zeit habe ich mehrere Briefe aus meinen nächsten Kreisen in Kopenhagen, wovon ich hier Bruchstücke mittheilen will. Zuerst von Christiane:
„Ich war zwei Abende mit Baggesen bei Rahbek zusammen und hörte ihn das Scheerenschleiferlied singen. An einem Abend begleitete er mich nach Hause und machte mich etwas verlegen, indem er sagte, daß das Stück „Corsoer“ in der Langelandsreise ihm nahe gegangen sei. Deine Schwester, erzählte er mir, sei eine Deiner würdige Schwester, voll von Geist und Witz, aber ganz unwissend. Er ist oft zu Oersted's gekommen, und Sophie war mit ihm in „Corsoer“ , was ihr gewiß sehr unangenehm gewesen ist. Du bist ein prächtiger Junge, das muß ich Dir sagen, weil Du mir so liebevoll das Mißverhältniß in Familien oder zwischen Freunden erklärtest. Ich will nur bemerken, daß Abwesenheit ein herrliches Ding ist, da urtheilt man oft milder, als wenn man anwesend ist.“
„Deinen Baldur habe ich mehrere Male mit immer größerer Freude gelesen. Ich war etwas krank, als ich das Manuscript erhielt; aber eine bessere Medicin hätte ich nicht bekommen können; der Enthusiasmus, in den ich versetzt wurde, brachte das Blut in eine Circulation, die mich curirte. Baggesen habe ich nur einmal über den Baldur sprechen hören; aber ich verstand seine Rede eben so schlecht, wie die Noureddin's zu Aladdin. Er ist einer der Menschen, deren man bald überdrüssig wird; mich langweilt sein Geschwätz vielfach.“
Von H. C. Oersted folgende Bruchstücke: