„Baggesen ist hier. Er kommt viel in das Haus meines Bruders. Er hält viel von Deinen Gedichten, besonders von dem St. Hans Abendspiel und Aladdin. Vom Altnordischen ist er kein Freund. Er kann die vielen alten Worte nicht leiden, die Du aufnimmst, und will noch weniger etwas von den alten Formen wissen; kurz man kann über Vieles mit ihm streiten, aber der Wille scheint gut zu sein. Er will Die eine poetische Epistel schreiben; Deine Schwester arbeitet nicht ganz ohne Glück daran, ihn zu Göthe zu bekehren. Er fühlt bereits, daß Vieles in seinem Urtheil über den großen Dichter aus persönlichen Verhältnissen entsprungen sei. Jedenfalls muß man gestehen, daß Baggesen im Umgange sehr interessant ist, wenn man ihn nur nicht dahin bringt, über die neuere Philosophie und Poesie zu urtheilen. In dieser Hinsicht ist er wirklich schwach, so daß er oft gegen Etwas eifert, nur weil es von ihm verhaßten Personen herrührt; obgleich er bei andern Gelegenheiten ganz Demselben seinen Beifall zollt, wenn es nicht von einem solchen Namen begleitet ist.“


„Dein Brief an Baggesen hat sich so ungetheilten Beifall erworben, wie wohl selten ein literarisches Produkt der Art. Deine Freunde haben sich außerordentlich darüber gefreut; selbst diejenigen, welche Deine Gegner, oder nicht ganz freundlich gegen Dich gesonnen waren, legen großen Werth darauf. Soldin hatte bereits Besuche des kaufenden Publikums, ehe der Brief zum Verkauf angezeigt war. Die Leute konnten ihn nicht rasch genug bekommen; man ging ganz geduldig nach der Pistolsgasse, zu Soldin's Buchbinder, um den Brief zu holen, ehe Soldin Exemplare desselben erhielt. In Dreyer's Club hat Bornemann ihn mit vielem Pathos vorgelesen und Alle lobten ihn. Was nun Baggesen betrifft, so las ich ihn ihm gleich im Manuscripte vor. Im Anfange fand er ihn voller Bitterkeit, aber als er ihn ein paar Mal gelesen, und ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, daß nicht Alles, was Du in Deinem Glaubensbekenntnisse aussprichst, auf ihn zu beziehen sei, begnügte er sich, auszusprechen, daß Du ihn mißverstanden hättest, und nicht wüßtest, wie er jetzt sei. Meine Ansicht von Baggesen ist, daß er ein schwacher eitler Mensch sei, der nicht meinte, was er schrieb. Ich habe viele Debatten mit ihm, und kann es nicht unterlassen, ihm Blößen zu geben, wenn er prahlt, schmeichelt und täglich seine Meinung verändert. Baldur hat mit unendlich gefallen. Ich hörte Baggesen ihn erst bei meinem Bruder vorlesen; aber er las ihn mit einer so künstlichen Schläfrigkeit, daß er im günstigsten Falle keinen Genuß bereiten konnte. Ich habe ihn später selbst vor Andern und stets mit Beifall gelesen.“


In einem schärferen Tone wird Baggesen in einem Briefe von einem andern meiner Freunde besprochen.

„Ich habe den ersten Theil seiner Reimbriefe gelesen, und leugne nicht, daß mir Eins und das Andere gefallen hat; aber ich habe mich über sein ewiges Reden von sich selbst geärgert, das sich durch das ganze Buch zieht, dessen Inhalt ist, daß er ein schwacher Mensch sei, der nirgends hinpaßt, der nirgens nützt. Der Brief an Adam scheint mir Pavels' alte Recension, in einer Cantate umgesetzt zu sein. Kopenhagens Einwohner werden sich allerdings über die Gutmüthigkeit wundern, daß er einen Vergleich anbietet; ich bewundere sie durchaus nicht; denn da bei ihm Alles zufällig ist, so beruht seine ganze Gutmüthigkeit auf dem Zufalle, daß er zu Oersteds kam; wäre er zu K***s gekommen, so würde das Gegentheil geschehen sein.

Ich wundere mich, daß dieser Herr vom Klappern zu sprechen wagt, da er doch in der letzten Zeit kein anderes Instrument hantirt, als die Klapper.“


Auch H. C. Oersted sprach strenger über Baggesen, je länger er mit ihm umging. In den letzten Briefen, die ich von Oersted über Baggesen erhielt, heißt es:

„Mit Baggesen stehe ich beständig auf gespanntem Fuße, obgleich ich äußerlich mit ihm in Frieden lebe. Es schmerzt mich oft in meinem Innern, daß es einem Manne, der mit so vielen Talenten geboren ist, so vollständig an Character und Zusammenhang fehlt, wie ihm. Kaum ein Tag vergeht, wo er nicht Ansichten und Gesinnung änderte. Diese Fluidität macht, daß er sich leicht in alle Formen schmiegt; daß er aber nie durch eine lange Arbeit hindurch eine feste und klare Form beibehalten kann. Steffens war einige Tage hier. Man wollte ihn anstellen, da man aber forderte, daß er keine Vorlesungen halten dürfe, so gab er die übrigens nicht unvortheilhaften Bedingungen, die ihm gestellt waren, auf. Baggesen hat ihn erwischt und gesagt, er fürchte, Du hättest Steffens gegen ihn eingenommen; aber Steffens antwortete ganz aufrichtig, daß gerade das Gegentheil der Fall sei. Baggesen fuhr fort, Steffens Complimente zu machen; er will sich mit aller Gewalt zur neuern Poesie bekehren, und hat auch bereits in seinem „Gespenst“ verschiedentliche neue Götter vorgeschlagen.“