„Wir Söhne von dem fernen Norden
Sind hoher Lust gewürdigt worden,
Zu schaffen vor der Menschen Schaar,
Was lebend, dauernd, schön und wahr.
Gesellt durch gleichen Ruf und Meister,
Zieh'n gleichen Theils theilhafte Geister,
Wir, ob getrennt der Pfad auch scheint,
Zu gleichem Ziel, das uns vereint.“
Das schreibt mit redlichem Gemüthe der sich
Ihrer, als eines gleichgesinnten, mit schöner
Kraft ausgerüsteten Mitarbeiters erfreut,
zur Erinnerung und Befestigung
unseres Vereins. Quod Deus bene vertat!!!
Der Winter näherte sich, und Frau von Staël stellte mir vor, wie unklug es sein würde jetzt nach Italien zu reisen. Ich sollte den Winter über bei ihr bleiben, mir einen italienischen Sprachlehrer nehmen, und erst zum Frühjahre über die Alpen geben. — Ich blieb.
Ich übersetzte in diesem Winter Axel und Walborg, und Werner half mir brüderlich dabei, das Stück der Sprache wegen durchzusehen. Er lobte es sogar auf seine eigenen Kosten.
„Wenn ich nun so ein Stück geschrieben hätte,“ sagte er lächelnd, — „so würde ich einzelne Partieen brillanter ausgearbeitet haben, um die sogenannten schönen Stellen hervorzuheben. Der Erzbischof würde mehr zu sagen bekommen haben. Sie haben auf das Ganze gesehen, ohne Vorliebe für das Einzelne, und daran thaten Sie recht.“
Der Bildhauer Tieck.
Auch einen andern Mann von Talent lernte ich in Coppet kennen, den Bildhauer Tieck, den Bruder des Dichters, der uns Göthe's schöne Büste geschenkt hat. Während er in Coppet war, vollendete er auch die Büsten der Frau von Staël und Schlegel's.
Im strengsten Winter reisten wir alle nach Genf; und hier schaffte Frau von Staël Denen von uns Zimmer in der Stadt, welche in dem Hause, in dem sie wohnte, nicht Platz finden konnten.
Eines Abends überraschte es mich, Schulz's herrliche Musik zu den Gesängen in Racine's Athalia bei ihr zu hören. Ich begriff nicht, wie diese nordischen Herzenstöne so weit nach dem Süden hinabgekommen seien. Später hörte ich, daß meine Landsmännin, die Dichterin Friderike Brun, Schulz's große Freundin, die Musik einige Jahre vorher nach Genf gebracht hatte. Frau Brun war sehr beliebt hier, besonders von Bonstetten und Frau von Staël; ihr Aufenthalt in Genf mit der liebenswürdigen Ida stand noch in frischem Andenken.
Der Frau von Staël Haus in Genf.