Ein Engel bietet auf diesem Bilde dem kleinen Jesus Kirschen in einer Schale dar; auf dem Schooße seiner Mutter ißt er davon. Die Schönheit, Liebenswürdigkeit und Unschuld, besonders in den Gesichtern des Engels und der Maria, können nicht herrlicher ausgedrückt sein. Noch sieht man auf dem Bilde Joseph und einen andern Mann. Joseph hält ein Spielzeug in der Hand, eine Stadt (vermuthlich Jerusalem), ähnlich den jetzigen nürnberger Spielsachen. Zwei Kaninchen spielen zu den Füßen des Engels. Junges Myrthenlaub wächst im Hintergrunde. Kann man sich etwas Anmuthigeres, Naiveres denken? — Man hat eine Legende von Jesus, wie er als Kind kleine Vögel aus Ton machte, die zu fliegen begannen, als er vor Freude über sie in die Hände klatschte. Das Gemälde hier ist ganz in demselben Geiste, und hätte Correggio auch nichts Anderes der Art gemalt, so wäre das schon genug, um seinem Verhältnisse zu Weib und Kind in meinem Trauerspiele historische Wahrheit zu geben.
Bologna.
In Bologna haben die Häuser ebenso wie in Bern Bogengänge längs der Straßen, nur viel schöner. — Ich sah hier das alte französische Lustspiel, Advocat Patelin, von französischen Schauspielern sehr gut aufführen. — Die herrlichen Kirchen erhoben und freuten mich durch ihre großartigen Verhältnisse und ihren schönen bunten Marmor. Neptun, von Giovanni, steht auf dem Markt mit dem Fuße auf einem Delphin, mit seiner Quos ego-Miene und dem mächtigen Dreizack in der Hand. Ueppige Najaden sitzen zu seinen Füßen und drücken mit hübschen Händen das Wasser aus der vollen Brust. Knaben spielen mit Delphinen, überall sprudelt das Wasser reichlich.
Kunstwerke, Naturschönheiten.
In der Kirche St. Petronio stellte ich meine Uhr nach einer seltsamen Sonnenuhr. Durch ein Loch in dem Kirchengewölbe fällt der Lichtstrahl, gerade wenn die Uhr zwölf schlägt, auf ein Marmorkreuz auf dem Fußboden der Kirche, genau in die Mitte des Kreuzes. Ich sah in Bologna die anatomischen Wachsfiguren. Obgleich diese wohl für einen Anatomen ex professo bei Weitem nicht so nützlich sind, als der wirkliche Menschenkörper, so eignen sie sich doch sehr, einem gebildeten Menschen, der nicht Anatomie studirt hat, Kenntniß von seinem eigenen Körper zu verschaffen. Das Widerliche verschwindet ganz, indem man Fett, Fleisch und Knochen hübsch gefärbt und im reinen Wachse sieht. Man bewundert das Kunstwerk des Schöpfers, ohne von dem Gedanken an die eigne Vernichtung niedergebeugt zu werden. Doch können selbst wirkliche Theile des menschlichen Körpers durch die Reinlichkeit des Präparats und eine hinzugesetzte hübsche Farbe das Unangenehme verlieren. So sah ich einmal bei einem Arzte gut zubereitete Menschenknochen, in Kalk ausgekocht, die wie die schönste Drechslerarbeit aussahen, und ich wurde recht an Benvenuto Cellini erinnert, welcher will, daß Kinder die Zeichnenkunst damit beginnen sollen, daß sie das schöne Menschengerippe, wie er's nennt, nachbilden. Ja wahrlich! Nur die Todesfurcht, der Gedanke an unsere eigne Auflösung macht uns den zergliederten menschlichen Körper zuwider; sonst würden wir hierin mehr als in einem andern Gegenstande die Weisheit des Schöpfers bewundern. — Ich sah in Bologna viele Gemälde und ein herrliches Kunstwerk in Silber von Benvenuto Cellini, die Abnahme Christi vom Kreuze.
Wenn man über die Alpen kommt, fühlt man sich geneigt, die Apenninen mit Remusaugen zu betrachten, als ob sie nur eine Romulusmauer wären; doch war es in diesen Bergen kälter als ich geglaubt hatte; und als wir höher hinaufkamen und der Berg uns seine nackte Stirn zeigte, bekamen wir Ehrfurcht vor ihm.
In dem schattigen Felsenrisse schlummerte noch eine nordische blonde Riesin; das Gebüsch verbarg nur halb ihren weißen Schneekörper. Sie war gleich einem Zugvogel von Thule nach Italien geflogen und hatte sich hier verspätet. Wir sahen ihr Schicksal voraus. Bald würde Phöbus Apollo sie mit seinem brennenden Pfeile treffen und ihr klares durchsichtiges Blut würde in den Arnostrom dahinfließen. Wild und übermüthig haben die Cyclopen in ihren Freistunden hier mit den Felsen Kegel gespielt. Vulkan muß sie plötzlich wieder zur Arbeit zurückgerufen haben; denn Kegel und Kugel liegen in größter Unordnung neben einander. Ich glaube, daß es hier noch zuweilen spukt; man versicherte mir, daß ein kleiner Kobold noch zuweilen seine rothe Flammenzunge, wenn es regne, aus dem Schooße der Erde stecke, um seinen Durst zu löschen.
Florenz: Kunstwerke.
Die Statuen von Caligula und Nero.