Wie gern würde ich hier nun ein schönes Naturgemälde liefern, um den zarten Seelen zu gefallen, die solche humoristische Stallfütterung nicht leiden mögen und nur mit ihren Gefühlen auf schönen Wiesen zwischen Blumen und Blüthen grasen. Aber was kann ich dafür? Es regnet noch immer und der schlecht gebundene Wagen kriecht langsam wie eine Schnecke den Hügel hinauf.
Ein schönes Wirthshaus.
Den Abend, bevor wir nach Rom kamen, klärte sich der Himmel auf und ich konnte wieder in der Abendkühle spazieren gehen, während der Wagen erst langsam nachkam. Weithin auf dem Felde sah ich das Haus, wo wir cena halten sollten, und ich dachte: „Das ist wieder eins von den gewöhnlichen Hundelöchern.“ Aber — im Gegentheil — das Haus war groß und reinlich; und was noch besser war, auf der Treppe begegnete mir die Tochter des Wirthes mit einem Gesichte, das nicht idealisirt zu werden brauchte. Aber sie verschwand gleich wieder wie eine Sternschnuppe. Als ich ins Zimmer trat und darüber nachdachte, wie ich das schöne Mädchen wieder zu sehen bekommen könnte, hörte ich Jemand auf dem Gange gehen. Ich öffnete die Thür in der Hoffnung, daß sie es sei. Aber eine ganz kleine Haushälterin stand mit einem Schlüsselbunde vor der Thür und fragte, ob der Herr Etwas zu befehlen hätte? — Ich glaubte erst eine kleine Zwergin im Halbdunkel zu sehen, aber als sie näher trat, war es ein liebliches Mädchen von 7 Jahren, die Schwester der verschwundenen Schönen und eigentlich ein Miniaturbild von ihr. Die dunkeln Augen waren fast ebenso groß wie die des Originals; das kleine Mädchen war geputzt, denn es war Sonntag und sie hatte ein grünseidenes Tuch um den Kopf. — Ich nahm sie auf den Schooß, küßte sie und fragte: „Wie heißt Du?“ — „„Sancta!““ antwortete sie und hob die hübsche Hand auf, um mir den Silberring an ihrem Finger zu zeigen. Als ich sie wieder losgelassen hatte, verschwand sie wie eine Elfe; bald aber kam sie mit zwei großen Weinflaschen zurück, die sie auf den Boden setzte, weil sie den Tisch nicht erreichen konnte.
Die erwachsene Schwester kam nicht wieder. Später glaubte ich sie über den Gang mit der Kleinen in ein entfernteres Zimmer gehen zu hören. Ich machte mir ein Geschäft daselbst und öffnete die Thür, um Etwas zu verlangen; hier hatte ich ein schönes Bild:
Ein hübscher dreijähriger Knabe saß auf dem Schooße der Schönen und sie kleidete ihn aus, um ihn zu Bett zu bringen. Während sie ihm das Kleidchen auszog, sagte sie ihm stückweis ein Abendgebet vor, das das Kind nachsagen mußte, um es allmälig auswendig zu lernen. Er that es halb willig aus Gewohnheit, halb verdrießlich, weil er sehr schläfrig war, und half aus allen Kräften beim Auskleiden. Eine hübsche Gruppe, und schön anzuhören! Das Mädchen: „Heilige Mutter Gottes!“ Der Knabe: „„Mutter Gottes!““ Das Mädchen: „Ich bete —“ Der Knabe: „„bete —““ Das Mädchen: „Deine himmlische Macht und Herrlichkeit an.“ Der Knabe: „„und Herrlichkeit an!““ — „Ist das Ihr Bruder, Jungfrau?“ fragte ich. — „Nein, Herr!“ antwortete die Schöne, „es ist mein Brudersohn!“ Ich hätte das Gespräch gern fortgesetzt, nun aber kam die Mutter und sagte mir, daß das Mahl auf dem Tische sei.
Die Kuppel von St. Pietro.
„Das ist die Kuppel von St. Pietro!“ rief wie gewöhnlich der Vetturin, als wir uns endlich der großen Stadt näherten, von der man von Ferne nur sehr wenig sieht, da sie tief im Thale liegt. Roms Umgebung ist eine Wüste. Wir fuhren am Abend zur porta del populo hinein, an dem großen Obelisken vorbei über den Platz, in dem drei lange Straßen münden, deren mittelste der Corso ist. Die schöne Welt der Stadt ging gerade spazieren; es that mir leid, daß wir so bald in eine Seitengasse einlenkten, um nach einem Gasthofe hinzufahren. Von Rom ist bereits so viel erzählt worden, daß es thöricht sein würde, wollte man eine Lebensbeschreibung mit römischen Bildern anfüllen.