Das Coliseum.

Eines Abends traten wir zusammen ins Coliseum. Es fing an dunkel zu werden; die Sterne funkelten am Himmel und die Johanniswürmchen in den Büschen. Der Mond warf sein bleiches Licht auf die ungeheure Ruine, wodurch das Ganze erst sein Relief erhielt. Frau Brun war entzückt, und das mit Recht. Das Bild war malerisch und groß. Aber ich war in diesem Augenblicke von einem Dämon des Uebermuths besessen, und es machte mir Spaß, ihrer Begeisterung mit Spott und Satyre zu begegnen, vielleicht auch nur, um die schöne Ida zum Lachen zu bringen, die oft hiergewesen war, heute nicht ernst gestimmt schien und zuweilen den Scherz den Alterthümern vorzog. „Oehlenschläger!“ sagte die Mutter, indem sie die hohen Mauern mit Epheu in den Oeffnungen, durch die der Mond schien, betrachtete, — „ist es nicht göttlich?“ — „„Ja!““ entgegnete ich; „„aber noch schöner muß es gewesen sein, als die 12,000 gefangenen Juden mit Schlägen dazu getrieben wurden, dieses Theater in größter Eile aufzubauen; als (fuhr ich ernster fort) die von wilden Thieren zerrissenen Gladiatoren mit eisernen Haken durch die Todespforte geschleppt wurden. Mir kommt das Ganze wie eine ungeheure Richterstätte vor.““ — Meine Freundin lächelte gutmüthig; sie sah bei einem Manne gern eine gewisse ironische Laune, wenn diese auch ihrem weiblichen Gefühl wiedersprach; und sie sagte nur später zu Ida: „Der Oehlenschläger ist doch ein wunderlicher Gesell; in dem ganzen, schönen, großen Coliseum sieht er Nichts, als eine Mördergrube.“ — „„Ach, Mama,““ antwortete Ida, „„das sagt er ja nur so; er fühlt es ebenso gut, wie wir.““


Der Kirchenstaat als französische Provinz.

Merkwürdig war es für mich, daß ich gerade nach Rom kam, als die große Staatsumwälzung stattfand, als Miollis Commandant war. Auf dem spanischen Platze hörte ich einen französischen Officier in einem Kreise von Soldaten verlesen, daß von nun an der Kirchenstaat eine französische Provinz sei. Die Römer standen eng im Kreise umher, und hörten es an, blaß wie die Leichen, mit glühenden Augen. — „A il scelerato! a il maledetto!“ hörte ich in der Nähe Mehrere ziemlich deutlich über Napoleon flüstern.

Pius VII. wurde in der Nacht vom 6. Juli durch die Franzosen aus dem Palast geholt und fortgebracht. Sie krochen durch die Fenster zu ihm hinein, und hoben ihn wieder zu den Fenstern heraus, um keinen Lärm zu machen, Christenblut zu schonen, und den Schweizern die Mühe zu ersparen, ihn zu vertheidigen. Ich bekam deshalb den Papst gar nicht zu sehen. Uebrigens war Alles ruhig in Rom; sogar ruhiger und sicherer, als gewöhnlich, weil die Franzosen eine bessere Polizei einführten. Sobald es am Abend dunkel wurde, mußte man mit einer Laterne gehen, sonst wurde man arretirt. Die papiernen Laternen waren billig; aber eines Abends, als ich spät nach Hause ging, fiel das Licht in meiner Laterne um, zündete das Papier an, und im Augenblicke war sie verbrannt. Glücklicherweise begegnete ich der Wache nicht, sonst hätte sie mich ins Gefängniß geführt.


Ein starker Schnupfen plagte mich sehr, und ein junger, deutscher Arzt rieth mir, ein kaltes Bad statt eines warmen zu gebrauchen. Dies nahm ich buchstäblich. Ein kaltes Marmorbecken in einer kalten Badestube füllte ich mit eiskaltem Wasser und sprang hinein. Die Folge davon war, daß mich beinahe der Schlag getroffen hätte, und daß ich gleich wieder heraus mußte. Ich war so matt, daß ich mich kaum ankleiden und nach Hause schleppen konnte. Ich blieb auf dem spanischen Platze in der Mittagssonne stehen, bis der Schweiß ausbrach, und der hat mich vermuthlich gerettet. Als ich nach Hause kam, warf ich mich aufs Bett und schlief mehrere Stunden fest. Nun erwachte ich und es war mir so leicht zu Muthe, wie einem Vogel in der Luft. Aber noch ein anderes kaltes Bad, unter dem der Tod lauerte, sollte ich versuchen, ehe ich Italien verließ.