Grotta ferrata.

In der heißesten Jahreszeit zog ich mit Koës, den beiden Riepenhausen, Kestner und Schlosser nach Grotta ferrata hinaus, wo wir alle Bequemlichkeiten entbehrten; wir hatten nur ein großes, verfallenes Haus zu unserer Benutzung (eine frühere Villa), Kühle und frische Luft. Obgleich wir auf dem Lande waren, konnten wir doch weder Milch noch Sahne bekommen, sondern mußten Eier zum Morgenkaffee genießen. Die Wirthin, eine Bauerfrau, besorgte unsere Wäsche; aber als wir sie geglättet haben wollten, lächelte sie wie über Etwas, das sie nie gehört hatte, und wir mußten mit ungerolltem und ungeglättetem Leinenzeuge gehen. Ein altes Billard stand in der Halle mit einigen fünf- und sechseckigen Kugeln. Ueberall war es, die Kunstwerke ausgenommen, eine Seltenheit im Kirchenstaate, etwas Neuverfertigtes zu finden. Alles war da wenigstens ein paar hundert Jahre alt; es schien, als ob die Italiener seit der Zeit im Schlummer gelegen hätten, als ob sie nun Somnambülen wären. Ich war so wenig daran gewöhnt, neue Gegenstände in Italien zu sehen, daß es ordentlich mein Auge erquickte, als ich zum ersten Male in der Schweiz wieder ein hübsches, neues, weißangestrichnes Stacket vor einem gutgepflegten Garten erblickte. Aber wer hielte sich doch nicht gern in einer solch verzauberten Stadt wie Rom auf, wo schöne Feenschlösser mit herrlichen Kunstwerken und kühlen, wenn auch altmodischen Gärten und Hecken sich dem Wanderer öffneten; wo man stets schöne Frauen unter einem blauen Himmel findet; obgleich die Männer im Ganzen genommen etwas müßig und faul dahinschlendern, und das Gras in der Sonne fast überall verdorrt.

Mit der grünen Frische der nordischen Eichen- und Buchenwälder kann das Buschwerk in Italien sich nicht vergleichen. Wir unternahmen einmal eine Fahrt durch die Campagna, wo die Heuschrecken so dicht wie Schnee das Feld bedeckten. Sie spritzten wie Wasser zu beiden Seiten der Radspur in die Höhe, und das Geleise selbst war naß von zerquetschten Heuschrecken. Später wurde ein Priester hinausgesandt, der sie förmlich in die Hölle hinabbeschwören sollte; ob es half, will ich ungesagt sein lassen.

Römischer Sommer. — Der Maler Müller.

Den angenehmen Schatten der Bäume im Sommer, können die Italiener nicht genießen; sie fliehen die Bäume in der starken Hitze, weil sie durch ihre Dünste ungesund sind; die Damen können den Blumengeruch nicht vertragen; denn er ist ihnen zu stark; von den herrlichen Früchten darf man nur wenig, und sie nur immer mit Brot essen, um nicht das Fieber zu bekommen. Der Scirocco kommt häufig von den afrikanischen Wüsten herüber; das Mittelmeer war nicht im Stande gewesen, ihn abzukühlen, und er schlug mich mit Lähmung in allen meinen Gliedern, so lange er währte. Von der aria cattiva litt man in Rom sehr viel. Große, schöne Straßen stehen fast menschenleer, weil Niemand dort wohnen darf; und auf vielen Stellen brennen sie Stroh des Abends, um die ungesunde Luft zu reinigen.


Ich besuchte den berühmten Deutschen, Müller, der zum Dichter geboren war, aber durchaus Maler werden wollte. Ein kräftiger, feuriger Mann, von 60 Jahren, der nicht viel über 40 zu sein schien. Er schrieb eine heilige Genoveva lange vor Tieck. Er wohnte gut und zu sehr billigem Preise hier in Rom. Als ich mich darüber wunderte, sagte er: „Das kommt daher, weil in dieser Straße aria cattiva ist; aber darum kümmere ich mich nicht.“ Ich hatte die Freude, das Herz dieses kräftigen Mannes ganz zu gewinnen und er war ein eifriger Freund meiner Muse.