Man fragte mich immer, ob ich nicht nach Neapel hinunter wolle; aber ich war nun 4½ Jahr von Braut, Familie und Vaterland entfernt gewesen; ich sehnte mich nach Hause und hatte keine Lust, weiter zu reisen. Hätte der Vesuv Feuer ausgeworfen, so wäre ich doch hinuntergegangen. Aber einen beschwerlichen Weg in der heißesten Jahreszeit zweimal durch die pontinischen Sümpfe zu machen, blos um mich einige Tage in Neapel aufzuhalten, — und dann direct nach Kopenhagen zu jagen, dazu hatte ich keine Lust. Auf der Rückreise wünschte ich nur noch einige Besuche zu machen, und ich mußte mich so einrichten, daß ich nicht zur späten Winterszeit in Dänemark ankam. Auch wollte ich gern der ersten Vorstellung von Axel und Walborg beiwohnen.

Gedenkblatt von Christel Riepenhausen.

Hierüber mußte ich nun viele Neckereien, halb im Scherz, halb im Ernst anhören, daß ein nordischer Barbar keinen Sinn für südliche Naturschönheiten habe; besonders von Christel Riepenhausen, der ein sehr witziges und hübsches Stück in mein Stammbuch zeichnete, wo ich zwischen all' den Schrecken stehe, die er in einer Parodie von Göthe's: „Kennst Du das Land“, folgendermaßen in dem Verse anbrachte, der mit dem Bilde folgte:

„Wo Schlangen dräuen, wo gift'ge Blumen blüh'n,
Aus Erd und Himmel schlagend, Flammen glüh'n,
Scirocco heiß vom bleichen Himmel weht,
Und im Gebüsch der gier'ge Mörder steht, —
Kennst Du das Land?“
Wenn Sie in einem schöneren Lande glücklich sind,
denken Sie neben allen diesen Gefahren an Ihre
Freunde, die Sie herzlich lieben.


Ultramontane in Rom.

In dem ersten Monate, den ich in Rom verlebte, machte es mir Freude, täglich mit jungen, deutschen Künstlern umzugehen; aber ich rathe einem jeden Reisenden, lieber die Bekanntschaft der Eingebornen des Landes aufzusuchen. Dadurch lernt man besser das nationale Element kennen, und deßhalb reis't man doch eigentlich. Die Ultramontanen bringen ihre Sitten und Gewohnheiten mit; da muß man in der Mittagshitze mit ihnen laufen, und in die Nacht hinein wachen, was kein Römer thut. Mit jugendlicher Unwissenheit und Einseitigkeit beloben sie das Halbbekannte mit einem außerordentlichen wenn auch nicht erquickenden Enthusiasmus, und setzen das Vaterländische, das sie oft noch weniger kennen, herab. Auch herrscht gewöhnlich ein roher Ton unter ihnen. In unserm Zirkel, der aus talentvollen, älteren und mehr Gebildeteren bestand, wo Thorwaldsen präsidirte, war es natürlich viel besser. Ich habe manche schönen Abende in diesem Kreise zugebracht, wo wir uns den Acciuto, unsern Orvietto und den Speckschinken selbst mitgebracht hatten, oder uns für ein paar Bajocchi's in einer oder der andern Osterie zu gute thaten.

Auch kam ich zuweilen in brillante Abendgesellschaften, wo man schöne Musik hörte, schöne Damen sah und dann kaltes Wasser und Eis bekam, um sich wieder abzukühlen. Einen herrlichen Abend brachte ich mit Brun bei dem Prinzen Colonna in seiner schönen Villa zu, wo die Marmorüberreste der ältesten Zeit von Myrthen und Lorbeer bewachsen im Grase liegen.