Pisa und Livorno. — Das Meer.

Als wir ein paar Tage in Florenz gewesen waren, reiste ich mit Koës durch Pisa nach Livorno. In dem Augenblicke, wo ich hier das Meer zum ersten Male wiedersah, brach ich in Thränen aus und fühlte ganz, was der Schweizer empfindet, wenn er seine Berge wiedersieht. In Montenero feierten wir den Geburtstag der Baronesse Schubart; dieser hatte das Merkwürdige für mich, daß er auf den 10. September, also gleichzeitig mit dem meiner Mutter fiel. Meine dadurch veranlaßten Gefühle theilte ich der Baronin in einem kleinen Gedicht mit. Baron Schubart begleitete uns nach Pisa, wo er den Winter wohnte. Hier bewirthete er uns zum Abschiede in seinem eigenen Hause. In Pisa sah ich den schiefen Thurm und das Campo santo. Die vornehmsten Aristokraten des Mittelalters liegen hier in heiliger Erde, die auf Schiffen von Jerusalem geholt ist; und nun sind sie Würmer, gleich den Bauern, die in einfacher, italienischer Erde zu Staub werden. In den Straßen wächst hohes Gras zwischen den breiten Fließen vor den verlassenen Palästen, und die ungeheure eiserne Kette, die früher ihren Hafen sperren sollte, wurde von den Florentinern gesprengt und rostet nun beim Battisterio in Florenz. Dagegen blühen noch an den Wänden des Campo santo die Bilder der ältesten italienischen Maler in jugendlicher Frische. — Die geistige That hat doch auch Etwas zu bedeuten und überlebt die That menschlicher Gewalt, wenn sie auch für den Augenblick dieser dienen muß, und Fichte sagte wohl mit Recht von dem geistig Wirkenden: „Wir sind auch eine Macht und zwar keine geringe.“


In Florenz: Arndt, Bröndsted, Koës.

Als wir nach Florenz zurück kamen, trafen Koës und ich unvermuthet unsern lieben Bröndsted. Wir wußten wohl, daß er nach Italien kommen wollte; aber er überraschte uns hier, und das verdoppelte unsere Freude. Nachdem wir zusammen Mittag gegessen hatten, gingen wir in dem schönen Wetter Arm in Arm durch die Stadt spazieren. An einer Straßenecke stand ein schlecht gekleideter, kleiner Mann mit angeschwellten Taschen und streckte den Kopf mit der spitzen Nase (wie ein Huhn, wenn es trinkt) in die Höhe, um ein Placat zu lesen, das ziemlich hoch angeschlagen war. — „Da steht Arndt!“ flüsterte ich leise zu den Andern, indem wir dicht an ihm vorüber gingen. — Er bemerkte uns nicht, wir eilten von dannen und sahen ihn nie mehr wieder. Er lebte noch einige Jahre, ging oft noch von Süd nach Nord, von Nord nach Süd, und zuletzt fand man ihn in einem Graben, — ich weiß nicht, ob es in der Nähe von Torneå, Marseille, Moskau oder Venedig war, — vom Schlage getroffen, todt, die Taschen voll von Manuscripten, die man zu Nichts gebrauchen konnte.

Ebenso froh wie ich geworden war, Bröndsted in Florenz zu treffen, ebenso betrübt war ich, als ich mich kurze Zeit darauf von ihm und meinem treuen Koës trennen mußte, den ich erst bei Gott wiedersehe, im Leben aber nie vergesse. Der wackere Mensch, dessen Geist nach Wahrheit und Schönheit strebte, starb in Griechenland. Wilder Lorbeer und Myrthe bedecken sein Grab. Er war nicht Zeuge des Jammers und der Zerstörungen des Landes, das er so innig liebte; aber er ahnte die bessere Zukunft, für die die Hellenen so wacker gestritten haben, und die ihnen alle dankbaren Musensöhne von Herzen wünschen.


In Mailand. — Peter Saabye.

Ganz allein stand ich wieder in der weiten Welt, doch mit jugendlicher Munterkeit und mit Muth, und eilte so rasch dem Norden zu, wie die Vetturinräder mich fortschaffen konnten und kam endlich nach Mailand, ging in die große Oper, wo sie eine langweilige Seria ausführten, gähnte — und schlief ein.