Die elendesten und dümmsten Gerüchte haben sich später über die Ursache des Todes dieses edeln Weibes verbreitet, als ob es Gewissensbisse gewesen wären. Ich, der ich ihr Freund war, und sie kannte, weiß, daß sie das edelste, reinste Herz war, dessen ganzes Unglück darin bestand, daß es sich einer allzu überspannten Sentimentalität hingab. Soviel ich weiß, ist diese Geisteskrankheit auch erblich gewesen, und sie war nicht die Einzige in ihrer Familie, die daran litt.
Vorbereitungen zur Königskrönung.
Im Sommer 1815 fand die Krönung auf Friedrichsberg statt. Ich schrieb ein Gedicht und ein Lied zu diesem vaterländischen Feste. In einer Audienz beim Könige bat ich ihn um die Erlaubniß, ihm das Gedicht vorlesen zu dürfen. Er gestattete es mir, stellte sich gerade vor mich hin, stützte sich auf seinen Säbel und blickte mich wie ein General an, der einen Rapport von seinem Adjutanten erwartet. Ich las, und merkte, daß es ihn rührte. Als ich an die Stelle kam:
„Wer hielt mit Vaterhand
Die grünen Inseln fest an Jotaland
Als rund Europa bebt'? Wer hat's gethan?
Er that es, Friederich, der echte Sohn von Dan!“
rollte eine Thräne aus seinem Auge herab, aber er verzog keine Miene, blieb in seiner militärischen Position und schlug mit der Hand nach der Thräne, als ob es eine Fliege gewesen sei, die sich auf seine Wange setzen wollte.
Als ich an die Stelle vom wunderbaren Glückswechsel des Geschickes kam, wie:
Margaretha's Vater
Ward der, der kurz zuvor nur Christophs Sohn gewesen,
schlug er das Auge nachdenkend empor, als ob er im Buche seines Gedächtnisses nachblättern wollte, wen ich damit meinte. Als ich fertig war, sagte er in einem fast barschen Tone: „Ich will Ihnen Nichts sagen; Sie haben selbst gesehen, welchen Eindruck Ihr Gedicht auf mich gemacht hat.“ Ich dankte ihm, erzählte, daß ich noch ein Lied zur Krönung geschrieben habe, und daß ich den Studenten vorschlagen würde, es auf Friedrichsburg im Schloßgarten zu singen, wenn er es erlaubte. Er erlaubte es, ich verbeugte mich und ging.