Ich habe die Bekanntschaft des Buchhändlers Perthes, eines sehr gebildeten und begabten Mannes, gemacht. Im Anfange stritten wir etwas über den Correggio; er kam mit den Tieck'schen Einwendungen; schien mir aber in meiner Vertheidigung Recht zu geben. Seine Frau ist eine Tochter von Claudius, und aus ihren Augen strahlt die ganze gutmüthige Begeisterung und der originelle Humor des Wandsbecker Boten. Bei dem Herrn Poël, dem Herausgeber des Altonaer Merkurs, war ich auch. Hier traf ich den Legationsrath Bockelmann und Baron Voigt, dessen Bekanntschaft ich vor neun Jahren bei Frau Staël-Holstein gemacht hatte.

Der zeitig entdeckte Irrthum.

Heute Mittag fuhr ich mit Bertouch nach Altona, wo wir zu Poëls eingeladen waren. Ein junger norwegischer Kaufmann, Herr Flood, dessen Bekanntschaft wir gemacht hatten, fuhr mit, da er von Herrn Donner eingeladen war. Wir wollten ihn dorthin fahren; aber er gestattete auf keine Weise, daß wir seinetwegen einen Umweg machten, und der Kutscher bekam Befehl, uns direct zu Poël's zu fahren. Als wir abstiegen, fragte ich den Diener an der Thüre: „Ist es hier?“ und er antwortete: „„Ja, ganz richtig!““ — Flood war gerade bereit, mit dem Wagen fortzufahren, als mir glücklicherweise einfiel zu fragen: „Hier wohnt doch Herr Poël?“ — „„Nein,““ antwortete der Diener, „„hier wohnt Herr Donner.““ Wir riefen also unsern Norweger zurück, und nun mußte er aus dem Wagen ins Haus, wir dagegen setzten uns wieder in den Wagen und fuhren weiter. Es wäre sehr unangenehm für uns Alle gewesen, wenn wir in fremde Gesellschaft gekommen wären und erst später unsern Irrthum entdeckt hätten, obgleich es vielleicht Veranlassung zu einem recht interessanten, kleinen Lustspiele für die Zuschauer geworden wäre.


Es freute mich sehr, meine Freundin Louise Reichardt hier wiederzusehen. Wir gedachten der verschwundenen Jahre, vor zehn Jahren in Giebichenstein; der angenehmen Sommerabende, wo Reichardt am Kamine saß und die Töchter sangen. Jetzt liegt Reichardt in finstrer Erde; der Garten in Giebichenstein gehört Anderen; Steffens wohnt in Breslau; Schleiermacher in Berlin, Louise in Hamburg, ich in Kopenhagen. So werden alte Verhältnisse wie die Spreu vor dem Winde zerstreut.


Kleine Reiseleiden.

Wir hatten viel Mühe, von Hamburg nach Haarburg zu kommen, so kurz der Weg auch ist. Wir mußten den Wagen zur See einen Tag vorausschicken. Nun bekamen wir einen Brief von dem Diener Christian, der mit dem Wagen gefahren war, worin er berichtete, daß Verschiednes am Wagen gebrochen sei, einige Riemen, einige Schrauben; daß er das Ganze für fünf Species habe in Stand setzen lassen, und nun hoffe, daß der Wagen vorläufig halten würde. Hierüber wurden wir sehr bestürzt und ließen gleich Herrn Lazarus holen, der uns den Wagen verkauft und mit seiner eignen Unterschrift für denselben von Hamburg bis Paris eingestanden hatte. Ich hörte ihn zu Bertouch sagen: „Können Sie beweisen, daß ich für die Riemen und Schrauben garantirt habe? ich habe nur für die Federn garantirt“. Nun wurde es mir zu arg; ich fing an, ihn zu bombardiren und drohte mit der Polizei. Das half; er bezahlte die fünf Species, und diese kamen einem armen Lohndiener zu gut, der uns kurz vorher seine Noth geklagt hatte.