Die letzte Zeile begleitete ich wirklich mit einem tüchtigen Schlage auf den Tisch, um sie von dem Firmament wieder in's Zimmer herabzuziehen; aber sie grollte mir sehr anmuthig wegen dieses burschikosen Wesens, das sie aus dem schönen Traume geweckt hatte.
Eine Vorlesung am Hofe.
Ich laß nun bald Correggio, bald Axel und Valborg so oft in diesen Gesellschaften vor, daß ich ihrer zuletzt ganz müde wurde; und Christian Colbiörnsen hatte gewiß vollständig Recht, daß er ein Mal bei Prinz Christian nach der Vorlesung von Axel und Valborg, sein Compliment über das Stück mit der Bemerkung begleitete, daß er meine, es müsse etwas wärmer vorgetragen werden. Variatio delectat. Ich hatte so oft meinen Vortrag loben gehört, daß es mir nun gefiel, von einem Manne kritisirt zu werden, der, wie man sagt, selbst Beredsamkeit besaß. Es war das erste und letzte Mal, daß wir zusammen sprachen; ich konnte ihm den wahren Grund des Mangels an Wärme nicht angeben, und begnügte mich damit, ihm höflich für seine richtige Bemerkung zu danken, indem ich die Hoffnung aussprach, daß ich es ein anderes Mal besser lesen werde.
Dieses andere Mal strengte ich mich auch wirklich an; denn da fand die Vorlesung bei dem König und der Königin selbst statt, welche auch den Correggio hören wollten und deshalb eine Assemblée in dem großen Palaissaale veranstalten ließen. Hier hatte ich einen kleinen amüsanten Prolog mit dem Oberceremonienmeister Charles Louis Bouz de la Calmette, der, um mir das Vorlesen leichter zu machen, mir vorschlug, ein Pult zu besorgen, an dem ich stehen könne, um mir die Brust nicht zu drücken. Aber da ich diesen alten französisch-holländischen Cavalier, der mit seinen gepuderten Locken und dem Haarbeutel im Nacken durchaus der vieux bon-temps angehörte, in Verdacht hatte, daß er mich wie einen andern Virtuosen behandeln wolle, der im Stehen spielte, während die Herrschaften saßen, so versicherte ich ihm, daß das Sitzen meiner Gesundheit durchaus nicht schaden, daß es mich vielmehr ermüden würde, fünf lange Acte hindurch zu stehen, und daß ich mir daher einen Stuhl ausbäte. Einige Jahre später dachte ich an diese Scene, als ich die Väringer schrieb, in der Scene mit Harald Haarderaade, wo der Kaiser dem Harald befiehlt zu knieen, dieser aber stehen bleiben will.
Das Brun'sche Haus.
Man hatte befürchtet, daß die Lectüre des langen Stückes seine Majestät ermüden würde; aber er hörte sehr aufmerksam vom Anfang bis zum Ende zu und schien zufrieden zu sein.
Das angenehmste große Haus in Kopenhagen war damals das Brun'sche. Hier war ein Sammelplatz für den Hof, für die beau monde und für die Künstler. Die anmuthige Ida sang vortrefflich, und die Musik war der Genius, welcher hier das Ganze verband und verschmolz.
Meine Heimat hatte ich außer bei mir selbst noch an vier Orten: bei meinem Vater, meinem Schwiegervater, bei Oersteds und Rahbeks. Bei dem Alten speisten wir gewöhnlich jeden Sonntag, wenn wir nicht auf dem Lande waren, und er ein Mal die Woche bei uns.