Rahbek empfing mich sehr liebevoll, und mir war es eine große Freude, die liebenswürdige Karen Margrete wieder auf dem Hügelhause zu sehen; aber Rahbek's Freundlichkeit für mich fing doch bald an, sich aus folgenden Gründen abzukühlen. Zuerst hatte er die Absicht, eine neue Zeitschrift herauszugeben, an deren Herausgabe ich mich betheiligen sollte; aber ich hatte durchaus keine Lust dazu, theils weil es mich im Dichten gehindert haben würde, wenn ich zu gleicher Zeit eine Zeitschrift und die Vorlesungen hatte besorgen sollen, theils weil Rahbek gerade damals durch eine zu flüchtige Behandlung seiner Arbeiten und dadurch, daß er sich in Federkriege einließ, einen Theil seines literarischen Ansehens eingebüßt hatte. Diese abschlägige Antwort sagte ihm nicht zu, und als eine junge Schauspielerin, auf die er außerordentlich viel hielt und von der er geglaubt hatte, daß sie die Hauptrollen in meinen Tragödien spielen würde, mir nicht gefiel, so trug auch dies etwas dazu bei, die Freundschaft abzukühlen. Doch war er an dem Tage sehr liebevoll, wo er zum Ritter des Dannebrogordens ernannt wurde, welche Ehre ich erst mehrere Jahre später erlangte. Er bat mich an dem Tage, wo er Ritter geworden war, die Nacht über bei mir bleiben zu dürfen, da es zu spät sei, nach dem Hügelhause zu gehen. Dies war das einzige Mal, wo er mein Schlafkamerad und zwar in einem sehr engen Bette war, und ich dachte dabei an die Nacht in Paris, wo Baggesen auf ähnliche Weise mein Gast wurde.

Rahbek hatte viel Eigenthümlichkeiten, und einer von dieser verdankte ich meine gute Stellung im bürgerlichen Leben. Er war nämlich mehrere Jahre lang Professor der Aesthetik an der Universität gewesen, als es ihm plötzlich einfiel, seinen Abschied aus einem höchst sonderbaren Grunde zu nehmen: weil man ihm vorgeworfen hatte, daß er die Kant'sche Philosophie nicht studirt habe. Nun lebte er davon, daß er schrieb und übersetzte und Lehrer der Geschichte und des Lateinischen in einer Privatschule war. Wäre dies nicht geschehen, so würde ich wahrscheinlich nie Professor geworden sein, und Gott weiß, was ich dann geworden wäre. Vielleicht wäre ich dann nach Deutschland zurückgegangen (wo Correggio viel Glück gemacht hatte) und wäre ebenso wie Steffens nach und nach ein Deutscher geworden.

Vorlesungen über Ewald und Schiller.

Aber das war nun, Gott sei Dank, nicht der Wille der Vorsehung. Ich wurde hier Professor und wenn ich auch kein Kantianer war, so hatte ich doch ein volles Haus im Ehlers'schen Collegium. Im ersten Winter las ich über Ewald, im zweiten über Schiller. Ich wiederholte diese Vorlesungen im Local der harmonischen Gesellschaft vor Herren und Damen, hatte viele Zuhörer und zählte unter diesen Schimmelmann, Bernstorff, Admiral Bille, Geheimrath Moltke, Oersteds, Professor Mynster, Etatsrath Kirstein u. s. w.


Aufnahme meiner Tragödien in der Heimat.

Ich war fünftehalb Jahre fortgewesen und hatte die Eitelkeit keines Menschen durch meine Anwesenheit verletzt; man hatte meine heimgesandten Schriften nur gelesen, wie man die hinterlassenen Werke eines todten Mannes liest, und so kam es denn mit mir, wie es oft viel Schlechteren begegnet, daß ich zur Mode geworden war. Hakon Jarl hatte außerordentliches Glück gemacht. Es war dies die erste auf die Geschichte begründete poetische Schilderung aus dem Heldenleben des heidnischen Alterthums, welche auf der Bühne dargestellt wurde. Dies allein hätte doch nicht soviel Wirkung auf das größere Publikum ausüben können, wenn nicht auch Hakon's Verhältniß zur Thora, oder richtiger gesagt: ihres zu ihm, die Herzen der Weiber gerührt hätte. Beim Palnatoke war dies nicht der Fall; da war gar keine Liebe und deshalb war das Schauspielhaus bei den ersten Vorstellungen auch ziemlich leer; aber Axel und Valborg machte Alles wieder gut; da gab's Liebe von Anfang bis zu Ende. Obgleich das Stück noch nicht gedruckt war, so war es doch überall bekannt, man hatte gewußt sich Abschriften davon zu verschaffen; diese wurden zu theuren Preisen verkauft, und so hatte man das Vergnügen, sich in die Mönchzeit vor Erfindung der Buchdruckerkunst zurückzuversetzen, wo ein schön abgeschriebenes Exemplar den Genuß erhöhte, weil es seltener war, und weil man etwas genoß, das Andern nicht zu Gebote stand. Reiche Engländer amüsiren sich ja noch oft damit, einige wenige prächtige Exemplare als Manuscript drucken zu lassen. — Correggio wirkte nun wieder auf eine andere Weise, während darin doch zugleich wieder Stoff genug für fühlende Herzen war. Sowie Hakon Jarl den Sinn für das Altnordische geweckt hatte, weckte Correggio den Sinn für die Kunst, und war vielleicht eine der ersten Triebfedern zu ihrem fleißigen Studium in Dänemark, das später reiche Früchte trug. Was die damalige Aufführung dieser Stücke betraf, so läßt dieselbe sich auf keine Weise mit der Aufführung späterer Zeiten vergleichen. — Meine Hauptstütze war gefallen; der Künstler, auf den ich am meisten gerechnet hatte, der herrliche Rosing war lebend todt. Seitdem habe ich selten an einen bestimmten Schauspieler gedacht, wenn ich meine Dramen schrieb, was ihnen oft geschadet hat. Denn man kommt hauptsächlich ins Schauspielhaus, um die Schauspieler zu sehen; sie können ein mittelmäßiges Stück interessant machen, und ein gutes Stück, das im Ganzen schlecht gespielt wird, wird langweilig. Aber es war mir unmöglich, die idealen und neuen Charactere, die ich darzustellen suchte, nach gewissen bekannten Menschen zu formen. Mit Rosing als Hakon Jarl war es doch etwas Anderes! Alles in dieser Rolle paßte für ihn. Er war voller Feuer und pathetisch, konnte kalt und klug sein, war ein Bewunderer des weiblichen Geschlechts und ein kräftiger Norweger von Nidaros. — So war er, als ich ihn kannte; jetzt bei meiner Heimkehr saß er, von einer schrecklichen Gicht darniedergebeugt und konnte weder Hand noch Fuß rühren. — Schwarz, früher in komischen Rollen vortrefflich, war später als würdiger Vater in bürgerlichen Dramen ausgezeichnet; Frydendahl, Thalia's auserwählter Liebling, konnte in mißglückten Versuchen unter Melpomene's Fahne Rosing nicht ersetzen.

Deren Darstellung auf der Bühne.

Aber ein ehrenwerthes Künstlerkleeblatt, ohne dessen Hülfe es mir unmöglich gewesen wäre, durch die Bühne zu wirken, darf ich nicht vergessen. Ich hatte die Freude, Diejenige, die mich vor 16 Jahren als Dyveke und Kathinka entzückt hatte, Heger's Gattin, früher Marie Smith, als eine edle Thora, als Valborg, als Marie im Correggio zu sehen. — Stephan Heger, der in der letzten Zeit ganz die Lust zu spielen verloren hatte, lebte durch meine Stücke gleichsam wieder für die Kunst auf. Der hübsche, gebildete, geistreiche Mann mit dem schönen Organ erfreute Alle als Einar Tambeskjälver, als Thorwald und als Giulio Romano.

Mein Freund der Schauspieler Foersom.