Der dritte im Kleeblatt war mein lieber Foersom. Er hatte sehr viel mehr, als was er auf dem Theater gebrauchte, aber Etwas, was er dort nothwendig haben mußte, fehlte ihm: ein starker Körper und ein deutliches Organ. Dies mußte er durch Anstrengung zu ersetzen suchen und die sichtbare Anstrengung in der Kunst schwächt stets den Eindruck. Aber Foersom war ein Mann von Genie. Er hätte ein vortrefflicher Philologe werden können, und er war Dichter; Dichter mehr als Schauspieler. Einige seiner lyrischen Stücke tragen unverkennbar das Gepräge der Originalität; als Shakspeare's Uebersetzer machte er Epoche. Seine Uebersetzungen bedürfen vielleicht der Berichtigung und es fehlt ihnen zuweilen die Feile; aber Shakspeare hat auch keine Feile gebraucht, und in Foersom's feuriger Uebertragung tritt der eigentliche Shakspeare oft stärker, als in A. W. Schlegel's oft allzu correcter und glatter Bearbeitung hervor, so gut diese auch übrigens ist.
Der Shakspeare'sche Humor war Foersom's eigentliches Element, und deshalb war auch der tiefsinnige, mit seiner Schwäche kämpfende Hamlet seine beste Rolle. — Friede sei mit Deinem Staube, guter Foersom! Ich bewahre noch das Exemplar Deines Lear's und Romeo's, in das Du geschrieben hast: „Dem Zwillingsbruder William Shakspeare's.“ Ich bin stolz darauf, daß Du mir das gesagt hast. — Geist und Gefühl des kräftigen Helden vermochte er darzustellen; aber das Erotische schien nicht gerade das zu sein, womit der tiefsinnige, launige Foersom am meisten sympathisirte.
Madame Schirmer als Thora.
Axel und Valborg machte Glück; doch entging es nicht dem Tadel der Mitglieder der ältern Schule. Der verstorbene Professor Kierulf fand es unnatürlich, daß Axel ein Schwanenlied sang, ehe er starb. Ich hatte nämlich „Schwanengesang“ über Axel's letzten Monolog geschrieben, worunter ich nichts Anderes, als seinen Herzensseufzer im Tode meinte. Es wäre vielleicht besser gewesen, jene Ueberschrift auszulassen. Als man Thaarup einmal während der Aufführung fragte: „Woran stirbt Valborg?“ antwortete er: „An einem Liede!“ Valborg's Tod mag etwas Auffallendes und für Viele etwas Unnatürliches haben; aber ich glaube doch nicht, daß es unmöglich ist, und das ist für den Dichter genug. Ich habe später einmal in Dresden eine Madame Schirmer gesehen, welche den Tod der Valborg dadurch motiviren wollte, daß sie vom 3. Acte an ein gewisses schmachtendes Dahinschwinden andeutete, welches Valborg zu verbergen sucht; aber dies verdirbt das Ganze, ohne die Einzelnheiten zu retten. Valborg's Herz muß plötzlich durch einen Nervenschlag brechen, den ihr überspannter Zustand herbeiführt. Sie stirbt also stark bewegt und entschlummert nicht elegisch. Es würde leicht sein, ihren Tod ohne Nachtheil für das Stück zu verändern; aber davor werde ich mich wohl in der Ausgabe der Tragödien selbst hüten. Die Leser sind nun einmal an die alte Form gewöhnt und mit ihr zufrieden, und würden eine solche Veränderung für einen Eingriff in das öffentliche Eigenthum ansehen. Wenn indessen Etwas an der sogenannten Künstlerunsterblichkeit ist, so muß sie doch wenigstens einige Menschengeschlechter überleben. Es wird also eine Zeit kommen, wo man sich auch von Jugend auf an die Veränderungen in einem Dichterwerke ohne Verlust persönlicher Gefühle und Erinnerungen gewöhnen kann. Für diese — und für die Leser der Jetztzeit, die sich, wenigstens in einer Biographie für die verschiedenen Ideen eines Verfassers interessiren dürften, will ich hier einen Monolog anführen, den ich in späteren Jahren gedichtet habe, und mit dem Valborg das Stück beendigen könnte, wenn Wilhelm seine letzte Replik gesagt hat, und sie todt glaubt.
Neue Schlußscene zu Axel und Valborg.
Valborg
(erhebt sich von Axel's Leiche und nähert sich Wilhelm):
Nein Herr! Ihr habt nicht recht gesprochen!
Hoch Euer Lied ich preise,
Doch Valborg's Herz ist nicht gebrochen.
Durch Aage's und Else's Weise.
Der Tod wird langsam mich bezwingen
Bis dann in's Grab ich steige.
Doch kann ich leicht dies Opfer bringen,
Daß meine Treu' ich zeige!
Kommt nun, Herr Bischof! zu Gottes Ruhm
Woll't mir den Segen ertheilen!
In jenem dunkeln Heiligthum
Will bis zum Tod ich weilen.
Kommt Jungfrau'n nun, und Ritter werth,
Es schaff't Euch keinen Harm!
Kommt, weih't mich, und werfet die dunkle Erd'
Ueber jung Valborgs Arm.
Nun gehet Valborg mit Nonnen daher
Und betet die frommen Messen.
Versäumen wird sie's nimmermehr
Und Axel nie vergessen.
Besser doch nimmer geboren sein,
Als nur sich in Leid zu versenken;
Wenn die Sonne taucht in das Meer hinein
Verlor'ner Freuden zu denken.
Gott denen verzeihe, die Ursach' sind
Daß die nicht zusammen geblieben,
Die einander so treu von Herzen geminnt
Und in Zucht und Ehren sich lieben!
So würde die Tragödie sich fromm und recht an das alte Lied anschließen, von dem sie ausging, und Valborg's Tod, wenngleich im Grund derselbe, würde natürlicher erscheinen.