Aber oben, wenn man das Auge emporhebt, sieht man das bleiche Kreidehaus mit den hohläugigen Fenstern und den Eisengittern.

Entstehung von Paris.

Und doch war dieser weiße Stein (den man in Menge unter einem Berge an einem großen Flusse mit ein paar kleinen Inseln gefunden) die Ursache zu dem ungeheuren Paris. Er ist leicht zu schlagen und hat die gute Eigenschaft, daß er sich mit der Zeit härtet. So haben die Pariser, ein uraltes celtisches Volk, ihn gefunden und eine Stadt auf der größten Insel gebaut, die nun la Cité heißt.


Erinnerung an Passy.

Ich kam jüngst auf einem Spaziergange in eine Stadt. Ich mochte nicht mitten im Orte nach dem Namen fragen; mir erschien dies so lächerlich, und ich dachte: es muß entweder St. Cloud oder Passy sein. Ich sah eine Menge Placate an den Häusern angeschlagen, und fing an, sie zu studiren. Aber — es half Nichts! — Ich fand nichts Anderes, als: maisons à vendre — etc. Die Beschreibungen der Häuser und Zimmer waren sehr genau. Aber der Name der Stadt, in der ich mich befand, kam nirgends vor. Das setzte man als Jedem bekannt voraus. Ich ging weiter und ärgerte mich über die häufigen großen Ueberschriften auf hochrothem Grunde mit schwarzen, römischen Buchstaben, die mich von dem Nahrungszweige eines jeden Bürgers unterrichteten, und mich aufforderten, mir alle möglichen Bedürfnisse anzuschaffen, nur nicht das Eine, welches ich empfand.

Als ich die Hauptstraße, welche sehr lang ist, durchgangen war, wußte ich ganz genau, wo ich Kleider, Schuhe, Zimmer, Essen, Trinken und Diener finden könne; aber wo ich war, wußte ich nicht. Es schien mit zuletzt eine verhexte Stadt ohne Namen, nur von meiner müßigen Phantasie erfunden. Ich betrachtete die Bürger auf der Straße wie Schatten, die sich nur den unschuldigen, prosaischen, ja zuweilen einfältigen Anstrich gaben, mich zu foppen; und ich athmete erst wieder leicht, als ich jenseits auf dem Felde stand.

Aber als ich nun hier in der jungen hervorkeimenden Märznatur meine Augen erhob, hefteten sie sich an eine niedrige Mauer, hinter der ich in einem großen Garten lange Lindenalleen sah. — „O, das ist ja Passy!“ rief ich; „hier ist ja der Sommersitz des alten Dreyer, wohin ich vor zehn Jahren so oft kam, und mit ihm und Guilleaumeau, Bröndsted und Koës frohe Stunden verlebte! wo wir nach der Mahlzeit im Grünen Ball spielten!“ — Die großen Bäume bewegten ihre noch nackten Zweige, als ob sie mich grüßen wollten; und die weißen Steinurnen auf der Gartenmauer lächelten bleich in der Sonne, als ob sie sagen wollten: Dreyer, Guilleaumeau und Koës liegen bereits in den Grabesurnen. Gehe fort von hier, Wanderer, es ist dies kein Ort der Freude mehr für dich! Da dachte ich: so will ich denn doch in der Nähe des Ortes, wo die Gastfreiheit ihren Sitz hatte, auf das Andenken der Freunde trinken. Und darauf ging ich zu einem Traiteur nicht weit von Dreyer's Garten, außerhalb der (nun nicht mehr) verhexten Stadt; ließ mir ein Zimmer mit Sonnenschein, einen Eierkuchen und eine halbe Flasche Wein geben; stieß darauf mit dem Glase an der Flasche an, und rief: Gott erfreue ihre Seelen!

Als ich durch Passy zurückging, konnte ich mich nicht genug über meine frühere Blindheit wundern. Nun konnte ich es recht deutlich sehen, daß es Passy war, und wußte den Rückweg sehr gut zu finden.

Ich sah eine große vergoldete Kirchenkuppel sich hoch in die Wolken erheben. Die vergoldete Kirche führte mich allmälig zu dem großen Invalidenhause. Hier begegnete mir eine Anzahl junger Krieger, die auf Stühlen umhergerollt wurden, Andere hinkten auf Stelzbeinen im Sonnenschein umher. Es waren auch einige ältere darunter. Mit ehrerbietiger Wehmuth trat ich in die melancholischen Hallen, wo die stolzen Ueberwinder der Welt nun ihre letzten Tage wie alte Spittelweiber zubrachten. Es schien übrigens gut für sie gesorgt zu werden. Ich trat in die große Küche; drei bis vierhundert kleine Würste wurden gerade aus den Töpfen geholt und dampfend auf den reingescheuerten Eichentisch gelegt. In einem ungeheuren Kupferkessel stand das gekochte Erbsenmus. Die Helden von Austerlitz und Jena sollten heute Wurst mit Erbsen essen.