Die Haupttheater von Paris.

Ich gehe gern ins Théâtre des Variétés und sehe Brunet und Potier. „Le ci-devant jeune homme“ dieses Letzteren ist meisterhaft. Brunet's „Jocrisse“ ist eine Stereotypausgabe komischer Dummheit.

Im Théâtre de la Gaiété bin ich nur einmal gewesen. Vor zehn Jahren, als ich das letzte Mal hier war, spielten sie ein Stück: Le pied de mouton, einhundertundsiebenzigmal hinter einander. Während ich fort war, hat es geruht. Nun hat man es wieder hervorgeholt.

In diesem Theater, das übrigens hübsch gebaut ist, trinkt man im Parterre Bier. Es ging auch ein Verkäufer umher, der die wunderbarste Fertigkeit besitzt, seine Waare Demjenigen zuzuwerfen, der sie verlangt. Ich war eines Abends da, als das Haus überfüllt war; er stand auf einer Bank mitten im Parterre und rief seine Waaren aus. Wenn nun Einer oben auf der dritten Galerie Etwas verlangte, so warf er es hinauf, so daß Dieser es fangen konnte. Auf diese Weise that er es nach allen Seiten hin, ohne daß es ihm ein einziges Mal mißglückte. Später ging er die Treppe hinauf, öffnete die Logenthüren und cassirte sein Geld ein.

Zur Ambigu comique und im Théâtre porte St. Martin spielt man nichts Anderes, als zusammengewürfelte Melodramen. Und mit diesen Pfuscherarbeiten vergleicht man hier die Meisterwerke fremder Nationen. Deshalb nennt man Shakespeare's und Schiller's Tragödien nur Melodramen. Das kommt mir so vor, als wollte man ein schönes Mädchen einen Hund nennen, weil sie Beide ein Halsband tragen.


Das Examen auf den Boulevards.

Auf den Boulevards sind eine Menge kleiner Buden und Zelte, in denen alle Tage, wie bei uns während der Thiergartenzeit, gespielt wird. Zuweilen giebt es vor dem Altane ein Vorspiel, um die Zuschauer anzulocken. Jüngst als ich an einer dieser Buden vorüberging, hörte ich folgendes Bruchstück eines Intermezzo für den Pöbel: Ein junger Mensch mit rother Zopfperücke und rothem Rocke examinirt einen närrischen Greis in der Geschichte folgendermaßen: Er: Monsieur, pouvez vous me définir l'histoire? Qu'est ce que c'est que l'histoire? Der Greis: Permettez moi premièrement de vous définir une poire. Der junge Lehrer: Bien! Der Greis: Une poire est un fruit allongé avec une peau et une tige. Der Junge mit Zufriedenheit: Bien! C'est une poire! Et l'histoire? Der Greis: C'est un — l'histoire française? Der Junge: Oui! Qu'est ce que c'est que ça: „l'histoire française?“ Der Greis: C'est un récit de tous les évènements passés, du temps de Pharamond, jusqu'à nos jours. Der Junge: Bien! Ah c'est bien répondu. — Hier wurde die Darstellung zu meinem großen Verdruß unterbrochen; das wahre Bild eines Examens.