Ich war letzthin in der Tapetenweberei, wo man Bilder in Teppiche webt. Blumen eignen sich am meisten durch ihre gefleckten stark getrennten Farben für diese Kunst. Es ist amüsant, die Leute arbeiten zu sehen. Sie sitzen unsichtbar hinter Rahmen oder Harfen, in denen die Kette die Saiten bildet, und den Einschlag weben sie ganz mechanisch nach kleinen abgemessenen Quadraten in die Kette, und bringen so die Bilder hervor. Steht man nun eine Zeitlang und sieht diesen fleißigen, klugen Arbeitern zu, so sieht man allmälig hier ein grünes Blatt, dort eine kleine rothe Knospe entstehen. Uebrigens geht die Arbeit sehr langsam trotz allen Fleißes und ist also außerordentlich kostbar.
Das Treiben im Palais royal.
Die arbeitende Klasse in Paris ist schnell, tüchtig in ihrem Fach, mäßig und unternehmend. Es ist hübsch, einen Graveur oder Uhrmacher im Palais royal in seinem kleinen Glaskasten zu sehen; denn so kann man seine Werkstatt nennen, in der der größte Theil der Wände Fenster sind. Fleißig sitzt er da, sieht durch seine Vergrößerungsgläser, und arbeitet, während die müßige Menge vor seinem Fenster vorübergeht. Er sieht selten hinaus, sondern blickt auf seine Arbeit, gebraucht Meißel, Feile und Zange, und ist gewohnt, den Menschenstrom draußen wie einen andern Fluß zu betrachten, der ihn nur durch seine Beweglichkeit interessirt, und weil er ihm ab und zu den Goldstaub zuführt, den er zur Unterhaltung für sich und seine Familie gebraucht.
Ueber den Werkstätten dieser fleißigen Arbeiter ist das Spielhaus, wo die ungeheuersten Summen ebenso rasch durch Leichtsinn vergeudet, wie unten die kleinen Summen langsam durch Fleiß verdient werden. Man hört jeden zweiten Tag von jungen Leuten, die sich ertränkt, aufgeknüpft und erschossen haben. Vor einiger Zeit saß Bertouch des Abends in einem Kaffee des Palais royal und hörte einen Schuß draußen im Dunkeln in einem kleinen Garten. Es war ein junger Engländer, der sich eine Kugel durch den Kopf geschossen hatte. Er war vor ein paar Tagen nach Paris mit 20,000 Fr. gekommen; diese hatte er in zwei Tagen verloren, und noch 40,000 Fr. auf sein Ehrenwort verspielt.
Die gesprengte Bank.
Man hat übrigens im vorigen Jahre die Bank, in der strengsten Bedeutung des Wortes, gesprengt. Das heißt nämlich mit Pulver. Einige Glücksritter wußten eine kleine Dose unter den Tisch gerade unter die Geldhaufen zu praktiziren, und Feuer so anzulegen, daß es nicht gleich zündete. Während des Spieles springt nun die Dose in die Luft. Das Zimmer wird voller Rauch. Die Spieler, welche sonst nicht fürchteten, von dem ungeheuren Glücksrade zermalmt zu werden, springen entsetzt von ihren Sitzen auf, weil ihnen hier der Untergang auf eine andere ungewöhnliche Weise droht. In diesem Augenblick springen die Spitzbuben herbei, raffen das Geld zusammen und schleichen sich in der allgemeinen Verwirrung davon. — Jetzt ist es verboten, mit dem Hute herein zu kommen. Er muß im Vorzimmer gegen eine Marke zurückgelassen werden.
Unser Diener Christian hat einige Anfälle vom kalten Fieber gehabt, er ist aber wieder dadurch genesen, daß er wie toll durch die Boulevards rannte. Es war gut, daß er nicht als verdächtig aufgegriffen wurde; denn da er weiter nichts Französisches sprechen kann, als: „Donnez moi um sangdael (chandelle)!“ etc.; so wäre er nicht im Stande gewesen, Rechenschaft zu geben, wenn man ihn ergriffen hätte. Wir übergaben ihm die ersten Tage einem Doctor, der ihn einen halben Eimer lauwarmes Wasser mit Citronen trinken ließ; aber als er mich später flehentlich bat, es nicht mehr trinken zu müssen, erlaubte ich es ihm unter der Bedingung, daß er in zwei Tagen gesund sein müsse. Darauf gab er mir sein Ehrenwort und hat es auch wie ein ehrlicher Kerl gehalten. Das Fieber verließ ihn, und er starb doch nicht. Uebrigens wird er von den Leuten hier im Hause wie ein Taubstummer behandelt, da er nichts verstehen und nichts reden kann. Aber er versteht sich prächtig auf Pantomimen, und hier kommt das angeborene theatralische Talent den Leuten im Hause zu Statten.