Dannecker. — Schelling.

Bei Dannecker sah ich Schiller's colossale Büste. Er hat Schiller nicht idealisirt, sondern ihm nur wieder verliehen, was dieser zufällig durch Kränklichkeit verloren hatte. Als der König von Württemberg diese Büste sah (es war derselbe, vor dem Schiller in seiner Jugend geflohen war), sagte er: „Aber mein lieber Dannecker, warum so groß?“ „„Ew. Majestät,““ antwortete Dannecker, „„große Leute muß man groß machen!““

Das beste Werk dieses Künstlers ist seine Ariadne. Ein schönes, junges nacktes Weib auf einem Tiger; der herrlichste Gegensatz von weiblicher Schönheit und wilder thierischer Kraft. Man fürchtet nur, daß der Tiger gehen werde; denn dann würde die arme Ariadne, mit dem einen Beine auf dem Rücken des Thieres und dem andern Fuß nach hinten ausgestreckt, ohne Zweifel herunterfallen.


Schelling.

Ueber Augsburg kamen wir nach München. Hier machte ich gleich Schelling's Bekanntschaft. Schelling ist nicht sehr groß, aber kräftig und gesund. Sein geniales, sanftes Auge versöhnt durch schwäbische Milde den nordphilosophischen Trotz der Nase. Die Lippen bewegen sich zu freundlicher Mittheilung und nur ungern, mit einem Anstrich von Schmerz, zur Verachtung. Man sieht gleich, daß er ein Mann mit treuem Herzen ist. Daß er ein großer Philosoph ist, weiß ganz Deutschland und der Norden. Er lebt still im Schooße seiner Familie und hat gleich mir drei Kinder. Den kleinen Knaben von zwei Jahren fragte ich, ob er ein Schellingianer sei? Und er antwortete: Ja. Die Mutter ist eine sehr artige, gebildete Frau; Schelling ging gleich mit mir aus, um mir die Münchner Naturschönheiten zu zeigen, aber ich war so beschäftigt mit ihm, daß ich nichts Anderes sah, obwohl ich bemerkte, daß wir an einem Fluß und einigen Bäumen vorüberkamen. Er liebt die Poesie und ist mit ihren besten Producten in allen Sprachen bekannt.

Als wir nach Hause kamen, setzten wir die Unterhaltung mit seiner Frau beim Theetische fort, vermischten aber das Gespräch mit mehr Heiterkeit. Zuweilen gebrauchte er die Worte anders als in der allgemeinen Bedeutung, und dergleichen giebt leicht Veranlassung, daß man über Ausdrücke statt über Gedanken disputirt. So verstand er unter Ewigkeit das vollendete Zukünftige, und nicht das Ganze ohne Anfang und Ende. Ich sagte scherzend: „Nehmen wir an, die Ewigkeit verhalte sich zur Zeit wie ein Scheffel Erbsen zu den einzelnen Erbsen im Scheffel. Alle Erbsen machen den Scheffel aus, der Scheffel muß also überall vom Anfang bis zum Ende sein. Das ist die Ewigkeit. Die Erbsen dagegen repräsentiren die Zeit.“ — „„Nun,““ sagte er, „„das würde sich gut in einer aristophanischen Komödie ausnehmen.““ — Schelling's gewöhnliche Unterhaltungslectüre ist nämlich Aristophanes, dessen Werke er so vielfach studirt und gelesen hat, daß er sie fast auswendig kann.

Gestern hatte er einige gute Freunde bei sich. Er bat mich, ihnen etwas von meinen Arbeiten vorzulesen; da sie nun meine Mährchen und Erzählungen, die vor Kurzem bei Cotta herausgekommen sind, nicht kannten, so las ich ihnen die Glücksritter vor. Schelling ergötzte sich daran; er sagte, diese Novelle erinnerte ihn an Cervantes und Boccaccio und versicherte nach der Lectüre, daß es ihn sehr unterhalten hätte zu hören, wie Xaver zu Ehren gekommen sei.