Hammer-Purgstall.
Bei dem Bankdirector Weinach, der einen schönen Landsitz in Hitzing hat, traf ich einen magern, lebhaften Mann mit einem ehrlichen, ernsthaften Gesicht, der, als er mich sah, mir mit offenen Armen entgegenkam und rief: „Guten Tag, Oehlenschläger! Schönen Dank für Aladdin!“ Dies war Hofrath Hammer, einer von Europa's gelehrtesten Orientalisten, der Tausend und Eine Nacht übersetzt hat. Er erzählte mir, wie er sich lange vergebens bemüht habe ein Exemplar dieses Werkes zu erlangen, weil die Erzähler, die ihr Brod durch die mündliche Mittheilung finden, sich stets bemühen, die abgeschriebenen Märchen gleich zu vernichten. Als er es in der Türkei und in Arabien nicht erhalten konnte, schrieb er einem jungen Engländer, der übrigens kein Wort Arabisch verstand, den arabischen Titel des Buches für den Fall auf, daß er in Aegypten, wohin er reiste, glücklicher sein sollte, als Hammer es in Arabien gewesen war. Als der junge Engländer nach Cairo kam und auf dem Markte stand, rief er den Titel ganz laut aus. Gleich kam Jemand mit dem Buche zu ihm, und fragte ob er es kaufen wollte? Auf diese Weise bekam Hammer ein Exemplar.
Ueber Tische erzählte er uns, daß er in einer Klosterkirche der Umgegend Basreliefs gefunden habe, welche seine Vermuthungen über die Ausschweifungen der Tempelherren im Mittelalter zur Gewißheit erheben. Er glaubte aus diesen Bildern vollständig den Beweis führen zu können, daß sie Gnostiker gewesen seien und ihre Freidenkerei im Orient gelernt haben. Im Aeußeren zeigten sie eine gewisse Frömmigkeit und Mäßigkeit, unter sich aber erlaubten sie sich Alles, spotteten jeden Glaubens und hatten einen Becher mit einem Antlitz das in der Entfernung wie Christus aussah aber in der Nähe zum Bilde des Teufels wurde. Kurz Alles, was ihnen unter Philipp dem Schönen in Frankreich vorgeworfen und weßhalb achtundsechzig Tempelherren mit ihrem Großmeister Molai verbrannt wurden, glaubte Hammer aus diesen Basreliefs beweisen zu können. Doch, fügte er hinzu, sei es nicht abgemacht, daß alle Tempelherren gleich schuldig waren. Die Ausschweifungen, welche die Ritter trieben, waren darum noch nicht der Hauptzweck des Ordens; dieser war politisch, mit Rücksicht auf die Macht des Papstes, sowie später bei dem Orden der Jesuiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der derbe, ehrliche Molai gar keinen Theil daran gehabt.
Der Hund als Schauspieler.
In Hitzing werden auch Comödien aufgeführt. Letzthin sahen wir einen Hund die Hauptrolle spielen. — Ein Trunkenbold soll sein Kind wiegen. Während er in Gedanken dasitzt, kommt der Hund, springt an die Wiege hinauf, nimmt das Kind heraus, und spielt mit ihm auf dem Fußboden. Der Vater sitzt ruhig und wiegt. Nun kommen Mutter und Tanten. Sie wollen das Kind sehen, es ist kein Kind da. Wo ist es geblieben? Sie suchen darnach, der Hund spielt mit ihm und zerrt es unter den Tisch. Das Kind, es ist natürlich eine Puppe, wird glücklich gerettet, und damit endet der erste Act. Mehr sah' ich nicht, denn ich meinte, die Handlung sei vorüber und das Interesse habe aufgehört. Man hat pro und contra disputirt, ob Hunde zum Comödienspiele zugelassen werden sollen; Pferde hat man auf den meisten großen Hoftheatern. Meine Ansicht ist, daß es jedem Talent unverwehrt sein müsse, sich in einer freien Kunst zu zeigen.[4] Der Hund ist in diesem Stücke nur ein deus ex machina, der die menschlichen Verhältnisse in Bewegung setzt. Hätte hier z. B. der Vater besser auf sein Kind in der Wiege geachtet, so würde der Hund es nicht gefaßt und unter den Tisch geschleppt haben. Das ist doch eine äußerst moralische Allegorie.
Vermählungsfest im Augarten.