Ein ehrwürdiger Frater führte uns nach der Mahlzeit auf sein Zimmer, und zeigte uns seine kostbare Kupferstichsammlung, auf welche er im Laufe von 30 Jahren all sein Geld verwendet hatte. Er zeichnete auch selbst und in seinem Schlafzimmer hingen mehrere Portraits in Pastel; unter diesen ein gräßliches Bild von einem bis an den Gürtel nackten Sterbenden, der ein Krucifix in der Hand hält. Dies war ein Mensch, den der Canonicus einmal zum Tode vorbereitet, und gleich gemalt hatte, nachdem er verschieden war. Während mir der Augustiner seine Kupferstiche zeigte, wandte ich immer die Augen nach jenem Schreckbilde hin. Er wunderte sich darüber, daß dieses Skelett meine Aufmerksamkeit von den Meisterwerken Raphaël's und Leonardo da Vinci's ablenken könne. Ich sagte ihm: „Wenn es mein Bild wäre, so würde ich es verbrennen, ehe ich zu Bett ginge, aber ich kann nicht umhin, es anzublicken. Das Entsetzen hat einen eigenen Reiz.“


Castelli als Schuster.

Letzthin waren wir zu dem jüngeren Herrn Gaimüller mit Breuß nach Hitzing hinaus geladen, um eine Komödie zu sehen, die an seinem Namenstag aufgeführt werden sollte.

Das Hauptstück war: Der Schuster, eine Posse von Schickaneder. Dieses Stück zeichnet sich nicht durch einen sehr witzigen Dialog, sondern durch das Nationaldrollige in der Situation aus. Castelli spielte einen besoffenen Schuhflicker, der auf seine junge Frau eifersüchtig ist, in dem höchsten Grade der Vollkommenheit, Frau G. spielte das junge Weib, die uns durch ihre österreichische Volksnaivetät alle Fehler vergessen macht, mit derselben Vollkommenheit.

Viele begreifen nicht, wie vernünftige Leute Vergnügen daran finden können, das Benehmen und die Reden trunkner Leute nachgeahmt zu sehen und zu hören. Es ist wahr, Weisheit reden sie nicht, wenigstens keine zusammenhängende Weisheit; aber jeden Menschen mit Phantasie müssen diese Aphorismen, diese Ideenassociationen, Einfälle, verschiedenen Leidenschaften, dieser Wechsel zwischen Aufbrausen und Schlaffheit, Haß und Liebe, Aufrichtigkeit und List, unterhalten.


Der Sct. Annentag.

Vergangenen Sonntag war der Sct. Annentag. Im Prater ward Feuerwerk abgebrannt, und der Entrepreneur lud die Nannerls (alle die Damen, welche Anna heißen) unter der Ueberschrift: Verehrungswürdigste Nannetten! ein, mit zur Unterstützung des Festes beizutragen. Auf einem anderen Plakate stand: „Erstens: wird eine mechanische Figur ein verehrungswürdiges Publikum mit seinen Bewegungen zu unterhalten suchen.“ —