Das Feuerwerk war groß und brillant. Obgleich der schelmische Mond schon hinter den Bäumen stand und etwas von dem Eindruck schwächte, hielt er sich doch gutmüthig und romantisch hinter einer Wolke, bis das Feuerwerk vorüber war.
Unter Anderem wurde auch die Liebe feuerwerksmäßig dargestellt. Zwei brennende Figuren, ein Herr und eine Dame, standen in einem funkelnden Tempel; und während sie im besten Brennen waren, fingen sie an, sich zu bewegen und die Köpfe zu einander zu neigen, um sich zu küssen. Der Mann verlöschte zuerst. Ob dieses Feuerwerk Satyre oder Zufall war, will ich ungesagt lassen.
Den 28. Juli.
Ich hatte Christian, unserem dänischen Diener gesagt, daß er mir ein Bouquet zu morgen kaufen sollte. Als ich in's Zimmer kam, hatte er es vergessen. Ich schickte ihn wieder darnach fort. Einige Zeit darauf kam er mit einem ganz kleinen Blumenstrauß für ein paar Kreuzer zurück: „Aber Christian,“ rief ich, „ich will ein ordentliches, großes, schönes Bouquet zur Geburtstagsfeier meiner Frau.“ — „„Ja, ich kann schon so einen bekommen, aber der ist sehr theuer, der kostet vier bis fünf Gulden!““ — „Gleichviel, was er kostet! fort!“ — Nun ging er wieder fort und kam nach einer halben Stunde mit — einem Busch künstlicher Rosen von Leinwand oder Seide und überreichte ihn mir: „Nein, Christian, daß ist doch zu toll, hast Du mich denn noch nicht verstanden? Hast Du dein Dänisch oder all das Französich und Deutsch vergessen? Einen Blumenstrauß, einen schönen, großen, lebendigen Blumenstrauß will ich haben, um ihn dort auf der Kommode in's Wasser zu stecken!“ — Nun ging er wieder. Nach einer Viertelstunde kam er endlich mit einem großen Bouquet zurück. Aber die Blumen hatten keine langen Stiele. Es waren lauter kleine Sträußer, welche an einem hölzernen Stiel zusammengebunden waren, und zwar einen großen, aber hölzernen, steifen Strauß bildeten, gleich einem Federstutz auf einem Czako. Nun war nichts Anderes zu thun, als ihn wieder aufzumachen, und sich so gut als möglich damit zu behelfen. „Hol mir ein Glas!“ Er brachte mir eine kleine Medicinflasche. „Ein großes Glas!“ Er brachte ein Bierglas. „Taugt nichts, es muß ein Einmacheglas oder dergleichen sein.“ Er blieb etwas lange fort; ich machte mir alle möglichen Vorstellungen, was er nun bringen würde und staunte, als er mit einem großen, schwarzgeräucherten irdenen Gefäße ankam, noch darüber, daß es nicht schlimmer ausgefallen war. Nun lief ich verzweifelt auf den Vorsaal hinaus, und als ich daselbst einen Blumentopf mit Erde angefüllt fand, reinigte ich ihn, verklebte das Loch mit Sieglack, wickelte weißes Papier um den Topf, schrieb hübsch mit großen Buchstaben „den 28. Juli 1817“ darauf, setzte den Blumentopf auf den Tisch, — und hatte nun endlich nach vieler Mühe und Beschwerde einen kleinen Altar meiner Christiane zu Ehren zu Stande gebracht.
Ein Magnetiseur.
Capitain Wocher, ein herrlicher Mann, sprachkundig, Kunstkenner, Gelehrter, witzig, Satyriker, munter in Gesellschaft, treuer Freund, tapferer Soldat, veranstaltete daß wir einen Doctor Tschöppholz besuchen sollten, der sich viel mit dem sogenannten thierischen Magnetismus abgiebt. Wir besuchten deshalb erst den Doctor in Hitzing auf seinen Sommersitz. Als Landsitz betrachtet, war er etwas traurig. Er hatte ihn selbst, wie er sagte, nach seiner Idee bauen lassen. Das Haus war hoch und eng, die Treppe schmal, die Zimmer klein, es gab viele Winkel, und die Wände waren absonderlich gemalt. Um die Aussicht zu sehen, führte uns der Doctor an ein kleines Fenster, von wo aus man mühsam auf das Dach klettern mußte. Innerhalb auf dem Boden stand ein Automat, ein Gespenst mit einer Trommel. Ich hätte ihn gern seinen Triller schlagen hören, aber da der Doctor sich beklagte, daß er ihn nie aufziehen könne (es war ein Uhrwerk im Automat), ohne daß ihn die Kinder gleich austrommeln ließen, so durfte ich nicht darum bitten. Mitten in dem Wohnzimmer stand ein Spielzeug von gebranntem Thon mit einer Kugel, die man durch mehrere Schneckengänge fallen lassen kann, und die dann in numerirte Löcher fiel. In der Mitte war ein Herz: Das war die beste Nummer. Ich versuchte mein Glück und meine Kugel fiel heuresement mitten ins Herz. Der Doctor ist ein kleiner, melancholischer, ernster, sanfter, magerer Mann mit scharfen eingefallenen Augen und einer spitzen Nase. Er ist Leibarzt bei dem Fürsten Esterhazy. In seinem Garten hingen die Weinranken wie Bohnen an den Stangen; Geröll lag in den Gängen. All' dies gab mir eine vortheilhafte Meinung von dem Mann als Magnetiseur; denn es war deutlich, daß er ein Gelehrter sei, der nicht so auf das Aeußere achtete, und daraus schloß ich, daß er sich viel mit dem Innern beschäftigte, was denn auch der Fall sein soll. Seit Mesmer's Zeit beschäftigte er sich unablässig mit Magnetismus. Er soll ein sehr guter Mann sein, ein sehr tüchtiger Arzt, er ist fromm und religiös; Wocher und ich fanden, daß er etwas Stilldurchdringendes in seinem Gesicht habe. Wir nannten ihn zum Scherz unter uns den Zauberer, und betrachteten den melancholischen Lustsitz als eine Vorhalle zum Heiligthum. Wir sprachen aus Bescheidenheit diesmal nichts vom Magnetismus, als beim Abschied, wo ein alter Herr kam, der seine Tochter magnetisiren lassen wollte. Nun äußerten wir unsern Wunsch und Doctor Tschöppholz versprach, ihn in einigen Tagen zu befriedigen.
Eine Woche darauf lud er uns eines Vormittags ein, ihn in seiner Wohnung in Wien zu besuchen. Wir traten in ein Zimmer voller Bücher, christlicher Bilder an den Wänden, und in einem Winkel stand ein großer brauner Lederstuhl mit Eisenketten und eisernen Spitzen. Wir fanden einen vierschrötigen, rothwangigen, starken Mann bei ihm, der geradezu und, wie es schien, ganz gesund war. Er war ein Chirurg, der die Gabe besaß, in hohem Grade und mit solcher Leichtigkeit magnetisch clairvoyant zu werden, daß der Doctor ihn über 4000 Mal gebraucht hatte, um von dem Zustande der Kranken zu sprechen, und Rath zu ertheilen, wenn sie zugegen waren. — Ich hatte kurz zuvor die von Eschenmeyer herausgegebene Zeitschrift gelesen, in der documentirt wird, daß der Magnetismus keine Einbildung sei. Zwei Menschen haben in Württemberg, der Eine vier Jahre, der Andere neun Monate, den Tod des Königs vorausgesagt, und viele hatten ihren innern Krankheitszustand vorherbestimmt, hatten vorhergesagt, wie lange die Krankheit währen würde, hatten im Dunkeln Worte mit der Herzgrube gelesen u. s. w. — Als wir etwas zusammengesprochen hatten, setzte sich der Chirurg in einen Stuhl, und während eines gleichgültigen Gesprächs mit uns, magnetisirte ihn der Doctor mit einer Eisenstange, die er theils nach seiner Stirn hin bewegte, theils in Zirkelbogen um ihn gehen ließ; zuweilen berührte er ihm die Herzgrube mit den Fingerspitzen. Es dauerte nicht lange, so fing der Chirurg an zu gähnen, sich im Kopfe zu kratzen, sich zu strecken, zu zittern, gähnte dann wieder, und verfiel darauf in Schlaf, der unverkennbar ein wirklicher war. — „Nun ist er fort,“ sagte der Doctor, „nun können wir die größten Geheimnisse zusammen sprechen, er hört nichts, außer was ich mit ihm spreche.“ — Ich bat den Doctor den Kranken um Gotteswillen nichts über mein Schicksal sagen zu lassen. — „Beruhigen Sie sich,“ sagte der Doctor, „er kennt nun die Gefühle ihres Herzens, und sagt Ihnen nichts Unangenehmes.“ — Als er dies äußerte, streckte der Somnambule seine Hand gegen mich aus, und der Doctor, der bisher gleichgültig mit mir gesprochen hatte, fing an mich mit freundlichen Augen zu betrachten und sagte: „Sie gefallen ihm; er wünscht in Verbindung mit Ihnen zu stehen, reichen Sie ihm Ihre Hand!“ — Ich reichte sie ihm nicht, ohne etwas zu zittern. — „Wie finden Sie jetzt die Gemüthsstimmung dieses Herrn?“ fragte er. „„Weich,““ antwortete der Somnambule. Bei diesen Worten rollte eine Zähre von seinen Wangen herab, die der Doctor abwischte und sagte: „Er weint, Ihre Gegenwart ist ihm angenehm!“ darauf fragte er wieder: „Ist dieser Herr aus Eifer für die Wissenschaft, und um den Magnetismus zu studiren hergekommen?“ — Der Somnambule: „Nein, bloße Neugierde!“ — Der Doctor: „Wie finden Sie den Gesundheitszustand dieses Herrn?“ — Der Somnambule: „Vollkommene Gesundheit. Er muß sich nur vor dem Zorn hüten.“ Während ich nun an diese eigenthümliche Sache denke, erröthete ich plötzlich. Da sagte der Somnambule: „In diesem Augenblick schlägt sein Puls zehn Mal schneller, als gewöhnlich.“ Der Arzt fühlte an den Puls, und dieser ging noch sehr stark. — „Ist das Krankheit?“ fragte der Doctor. Der Somnambule: „Nein, es ist nur die Einbildungskraft, die ihn erhitzt.“
Als der Doctor ihn fragte, ob Wocher auch käme, um zu sehen, was es für eine Bewandtniß mit dem Magnetismus habe, lächelte er und sagte: „Er hat es ja schon einmal gesehen.“ Wocher stutzte, es war richtig, obgleich es nicht hier geschehen war. — Ich bat den Doctor, den Mann wieder in seinen gesunden Zustand zu versetzen; er strich nun wieder nach der entgegengesetzten Seite hin, hauchte nun wieder die magnetische Materie von seiner Stirn fort, und es währte nicht lange, so gähnte er, streckte sich, öffnete die Augen, lächelte und erhob sich, ohne zu wissen, was vorgegangen war. Diesen Auftritt habe ich gesehen und glaube nicht, daß man Komödie mit mir gespielt hat.