Unter den Gelehrten Wiens habe ich noch die Bekanntschaft des Baron Hormayr gemacht, der das Beste geschrieben hat, was über österreichische Geschichte existirt. Es ist ein lebhafter Mann, der die Poesie liebt.
Abreise von Wien.
Der Abschied ist ein Anspannen des Lebensfadens nach zwei entgegengesetzten Seiten, wodurch der Knoten der Liebe fester geschürzt wird. Wenn es auf unsere Kleider regnet, so weckt der Regen wieder jenen schlummernden Duft des aromatischen Parfüms, den wir früher darauf gegossen haben. So auch die Abschiedszähre auf dem Gewande des Lebens. Ich kann also auch Jeanpaulisiren.
Sowie man Wien verläßt und nach Böhmen hineinkommt wird die Aussicht weniger schön. Es ist gut, daß wir die Sonne im Rücken haben. Auf dem Wege stehen oft schöne Eubischbaum-Alleen. Vorgestern Abend kam ich an einen Teich, wo das braunrothe Rindvieh darin umherwadete und trank, während die Abendsonne auf ihr rothes Fell schien. Dies ließ mich an die schönen niederländischen Bilder denken. Es ist herrlich, eine solche ehrbare Kuh in Abendroth stehen zu sehen, besonders wenn sie hoch steht, daß der blaue Himmel den Hintergrund bildet. Die Frauen schneiden das Korn hier mit Sicheln; wenn solch ein großes schönes Mädchen an mir vorüberging, glaubte ich Ceres in eigener Person zu erblicken. Gestern früh ging ich ein hübsches Stück in der Sonne, ich kam in die Nähe eines Waldes und gerade vor mir murmelt eine Quelle. Ich setzte mich an einen Tannenbaum hin und erwartete den Wagen. „Schöne Natur,“ dachte ich, „wie erfreut es den Dichter, dich zu sehen.“ Und mir schien es, als ob die Natur antwortete: „Und mich freut es oft von einem Dichter gesehen zu werden.“
Dresden. Weber. Böttiger.
Dresden kannte ich kaum wieder, obwohl ich elf Jahr vorher mich drei Monate dort aufgehalten hatte. Es lagen so unzählige Vorstellungen zwischen der damaligen und jetzigen Zeit, daß sie einen großen Theil der Erinnerungen verwischt haben. Das heißt in Bezug auf Straßen, Märkte u. s. w., denn auf der Gemäldegalerie war ich gleich wieder heimisch. Und kaum war ich ein paar Tage hier gewesen, so fiel es wie ein Nebel von meinen Augen, und ich wunderte mich, daß ich nicht besser Bescheid gewußt habe.