Dresden. Theater.
Der bekannte Dichter, Herr Kind, hat ein Stück geschrieben: Van Dyk; worin viel Schönes und Anmuthiges vorkommt, obgleich dass Ganze etwas lose und weitläufig[5] und die Katastrophe unmotivirt ist.
In diesem Stücke hat der Dichter Gelegenheit gegeben, viele Bilder von Rubens, Ostade und Tenniers auf dem Theater darzustellen, was eine gute Wirkung hervorbringt und die Dresdner amüsirt, die ihre liebe Gemäldegalerie wiedererkennen.
Ich habe Ludlam's Höhle bei Böttigers vor Mehreren vorgelesen; sie machte auf meine Zuhörer Eindruck, und der Regisseur, Herr Helbig, hat die Absicht, das Stück auf die Bühne zu bringen.
Heute Abend spielt man mir zu Ehren Axel und Valborg mit einigen nothwendigen Abänderungen. Ich war auch bei der Schauspielerin Madame Schirmer, welche mir einmal die Ehre erwies, auf einem Declamatorium mein Bild zugleich mit dem Göthe's zu bekränzen. Sie wird die Valborg spielen.
Dresden. Axel und Valborg.
Es waren dieselben Veränderungen vorgenommen wie in Wien. Das Stück wurde gut gegeben, und die Vorstellung gefiel; aber ich erkannte auch die Ursache, weshalb Madame Schirmer früher wenig Eindruck in dieser Rolle gemacht hatte, als man vermuthete. Sie glaubte das ganze Stück hindurch Valborg's Tod vorbereiten und motiviren zu müssen; als ob ein Wurm heimlich an ihr nagte von dem Augenblick an, wo der Ring in Harald Gille's Grab fällt. Das ist richtig; nur darf man sich nicht durch Valborg's Worte, die sie an Axel richtet, irre leiten lassen, und glauben, sie sei ruhig oder resignirt, und dies selbst in der Trennungsscene im dritten Acte. Zeigt Valborg sich äußerlich zu ruhig, so bleiben die Zuschauer kalt, denn auf dem Theater kann man das Innere nur durch das Aeußere sehen. Die Hauptsache ist außerdem nicht Valborg's Tod — sondern das Poetische besteht in der schönen Schwärmerei der jungen Leute und ihrem rührenden Unglück. Damit dies zum Herzen gehen soll, muß Valborg kräftig, voller Feuer und Gefühl sein; sie will Axel durch ihre Worte beruhigen, und merkt nicht, daß sie ebenso sehr des Trostes bedarf, wie Er und daß sie sein Schicksal theilt. Ohne dieses Feuer könnte Valborg auch nicht zuletzt so in der Kirche träumen. Es ist auch unnatürlich, sich Valborg's Tod in der kurzen Zeit motivirt zu denken. Valborg stirbt vom Schlage getroffen. Die Zeit kann sie nicht hinzehren, abgesehen davon, daß dieses Zehren, wie kurz man es auch darstellen mag, etwas Unschönes hat, das womöglich vermieden werden muß. Und das habe ich auch immer gethan. Es ist ganz unrichtig, wenn man sich Correggio als einen Siechen denkt, der die ersten vier Acte hindurch ächzt und im letzten unterliegt. Die kleine innere Wunde, die vor Kurzem geheilt war, öffnet sich durch seine Heftigkeit und er fällt gerade, weil er so unvorsichtig lebhaft, bewegt und leidenschaftlich gewesen war. Alles muß Feuer und Leben sein, sowohl bei Valborg als Correggio.
Ich muß hier noch eine Anekdote von Helwig erzählen, der den Wilhelm vortrefflich spielte und Regisseur des Theaters ist. Er hatte den Abend vorher wegen Axel und Valborg einen Schreck gehabt. Als er ausgekleidet war und ins Bett gehen wollte, fiel es ihm ein, daß er den Theaterzettel nicht richtig geschrieben habe; sondern daß auf der Correctur Erland Erzbischof statt Kanzler stehe. Da nun dieser Fehler zum größten Skandal Veranlassung gegeben hätte, da die katholische Geistlichkeit in Harnisch gerathen, das Stück in Zukunft verboten — Helbig vielleicht bestraft worden wäre — ward es ihm heiß im Kopf und er schickte sein Mädchen sogleich in die Druckerei. Aber als sie unverrichteter Sache zurückkehrte (Alle waren bereits im Bett), so lief er selbst hin; klopfte den Setzer heraus, ging mit ihm in die Druckerei und sah nun — daß er gegen Schatten gekämpft hatte und daß wirklich auf dem Zettel Kanzler und nicht Erzbischof stand. Froh und leicht ums Herz ging er nach Hause, kleidete sich aus, legte sich ins Bett und schlummerte süß.