Welch wunderbares Gefühl, Berlin wieder zu sehen! Die ehernen Pferde über dem Brandenburger Thor haben unterdessen eine Reise nach Paris und wieder zurück gemacht.

Am zweiten Tag nach unsrer Ankunft ward ein großes Manöver in Großbeeren, zwei Meilen von Berlin, abgehalten; und darauf wurde die Hülle von einem großen eisernen Kreuze, einem Grabdenkmal für die gefallenen Krieger, abgenommen.

Eine Menge Menschen war hinausgegangen, um an dem Feste Theil zu nehmen. Aber da das Wetter nicht schön war und ich eben erst eine lange Reise gemacht hatte, fühlte ich nicht Lust, gleich wieder auszufahren, blieb zu Hause, und ließ mir von Bertouch erzählen, was er gesehen hatte.


Aufenthalt in Berlin.

Ich habe die Geheimräthe Pistor und Alberti besucht, besonders ihrer Frauen wegen, der Töchter Reichardts, die stets freundlich gegen mich gewesen waren. Pistor ist ein Sonderling, der so thut, als ob er mich nicht mehr kennt, das ist aber gleichgültig. Den Buchhändler Reimer besuchte ich in dem schönen großen Hause, das er jetzt besitzt. Schleiermacher wohnt bei ihm, befindet sich aber auf einer Fußreise. Bei Bernstorff's fand ich die gewöhnliche liebenswürdige Gastfreundschaft. Ich habe Göthe's Geschwister vortrefflich von Wolf und der Madame Stich darstellen sehen. Wolf und seine Frau, die Weimars Perle waren, sind nun in Berlin. Als ich Frau Wolf fragte, warum sie nicht in Weimar geblieben sei, antwortete sie: „Ich konnte es da nicht länger aushalten, Göthe ist ein großer Mann, aber ein kleiner Mensch.“ Bei Frau von Zschokke, Pistor's Schwester, fand ich die alte Freundschaft. Ich las da eines Abends Holberg's „Die Unsichtbaren“ aus demselben alten Exemplare vor, wie vor elf Jahren.


Ich habe meinen alten Freund Kienlen hier in Berlin wiedergefunden. Er ist arm, ohne Anstellung. Göthe's Claudine von Villabella, die er schon in Paris 1809 componirt hatte, soll nun hier bald aufgeführt werden. In Zelter's Singakademie und bei seiner Liedertafel bin ich auch gewesen. Er ist ein Mann von 60 Jahren und leitet diese Akademie mit Humor und Kraft. Man beschuldigt ihn grob zu sein und er ist nicht sonderlich beliebt, gegen mich war er sehr freundlich[6].


Berlin. Theater.