Vor Kurzem kam Fouqué sieben Meilen weit von seinem Gute her, um meine Bekanntschaft zu machen. Hoffmann bat uns, diesen Abend bei ihm zuzubringen und so hatten wir Drei nun wirklich einen echten Dichterabend. Fouqué ist ein offenherziger, freundlicher Mann, gutmüthig und mittheilend, er hat ein edles Herz und eine reiche Phantasie. Seine Undine, sein Galgenmännlein, der unbekannte Kranke, Ixion u. s. w. sind vortrefflich. Er ist meiner Ansicht nach am vorzüglichsten in seinen Märchen. Zu dem Dramatischen fehlt ihm die Aufmerksamkeit für die wirkliche Natur. Er träumt schön von Tapferkeit, Liebe und Alterthum. Man könnte etwas mehr Gedankenreichthum in seinen Werken wünschen und das Adelige spielt eine zu große Rolle darin. Er ist durchaus nicht beißend, polemisch oder satirisch, läßt alles Gute gelten und auch einen Theil Mittelmäßiges. Dänisch versteht er sehr gut; und hat die meisten meiner dänischen Werke in seinen Abendzirkeln Deutsch vorgelesen. Er ist nicht sehr groß, ziemlich stark, blond und hat krauses Haar. Hoffmann, ein burlesker, phantastischer Gnome, mit vielem Verstand, stand mit der weißen Schürze wie ein Koch da und bereitete Cardinal aus Rheinwein und Champagner. Der Pokal ging unablässig umher; wir erzählten uns einander kleine Geschichten und abenteuerliche Ereignisse, die entweder uns oder Anderen widerfahren waren. Unter Anderem kann ich folgende Novelle von einem Juden mittheilen, die Hoffmann erzählte.
Fouqué. Hoffmann.
Dieser Jude fühlte sich von den Wahrheiten der christlichen Religion überzeugt und ließ sich taufen. Kaum war er getauft, als er in jeder Nacht von seiner todten Frau beunruhigt wurde. Sie erschien ihm, rang ihre Hände, starrte ihn mit hohlen Blicken an, zeigte auf ihren Scheitel, und jammerte darüber, daß sie keine Ruhe im Grabe habe, weil sie nicht auch Christin geworden sei. Er veränderte seine Wohnung, aber sie verfolgte ihn, erschien ihm in jeder Mitternacht und verlangte der heiligen Taufe theilhaftig zu werden. Um der Unglücklichen Ruhe im Grabe zu schaffen, und um den Lebenden von der gräßlichen Erscheinung zu befreien, beschloß die Obrigkeit und die Priesterschaft, das Grab zu öffnen und die Leiche zu taufen, was denn auch geschah. Von diesem Augenblicke an ließ sich das Gespenst nicht mehr sehen, sondern fand eine selige Ruhe. — Aber nun kommt die Erklärung der Fabel: Kurz darauf bekam der Jude einen Proceß mit den Erben seiner Frau, die sie beerben wollten; aber da berief er sich darauf, daß seine Frau auch getauft sei und nun das Erbe ihm gehöre.
Hitzig. Körners.
Während wir bei solch' gräßlichen Erzählungen dasitzen und die Phantasie durch Cardinal erhitzen, wende ich den Kopf zur Seite und sehe — einen kleinen schwarzen Teufel — mit einem Horn auf der Stirn, und einer rothen Zunge aus dem Munde hängend, sich über meine Schulter beugen. Es war dies eine Marionettenpuppe, die Hoffmann gekauft hatte (er hat den ganzen Schrank voll), mit der er manövrirte, um mich in einem grausigen Märchen zu erschrecken. Einmal erzählte Fouqué etwas, und nun setzte Hoffmann sich ans Klavier, accompagnirte Fouqué's Erzählung und malte Alles mit Tönen aus, je nachdem es grausig, kriegerisch, zärtlich oder rührend war und das machte er ganz vortrefflich. Am nächsten Abend waren wir bei Hitzig, hier aber gerieth Fouqué über Tisch in ein langwieriges Gespräch mit einer Dichterin, welche wissen wollte, wie er es machte, wenn er dichtet. Es kam zu keinem Ende und es war mir unangenehm, indem ich dadurch seine Gesellschaft einbüßte. Er zeigte mir beim Abschied seinen Degen, auf welchem steht: Pour moi mon âme, mon coeur pour ma dame; oder etwas Aehnliches. Ich mußte versprechen, ihn zu besuchen, aber diesmal wird wohl nichts daraus werden.
Ich war bei den alten Körners. Er, seine Frau und seine Schwägerin haben sich fast gar nicht verändert, aber die Jugend im Hause ist todt. Als ich bei ihnen eintrat, brachen beide Frauen in Thränen aus; denn der Gedanke an Theodor und Emma erwachten wieder lebhaft in ihnen. Theodor Körner's kurzes Leben war schön und rührend. Ein junger begeisterter Tyrtäus für sein Vaterland, ein ehrlicher Kämpe. Wäre Friede gekommen, und er dramatischer Dichter geworden, so hätte er sich kaum auf dieser Höhe gehalten. Sein „Leyer und Schwert“ ist vortrefflich. Als Theaterdichter zeigt er keine besondere Anlage, sondern ahmt Schiller sehr in dem zu zierlichen Dialog nach, ohne doch die nöthige Kraft, Beweglichkeit und Humor in die Charactere und die Handlung zu legen.
Tieck.