Daß er in seinem babylonischen Thurmbau (in dem übrigens viel Aristophanisches ist) zu weit ging, muß mit der Heftigkeit entschuldigt werden zu der man leicht verleitet wird, wenn man lange vergebens gegen Unbilligkeit und Spott ankämpft.
Meine gesammelten Werke.
Im Mai 1828 erhielt ich vom Buchhändler Max in Breslau einen Brief, der mich auf angenehme Weise überraschte. Als deutscher Verfasser hatte ich in oft wechselnden Verhältnissen zu deutschen Buchhändlern gestanden. Cotta kam mir liberal entgegen, bezahlte gut, that aber nichts, meinen Büchern Absatz zu verschaffen. Er druckte sie, wie der alte Brockhaus sagte, auf Löschpapier, ließ sie auf dem Boden liegen, ohne recht für den Absatz zu sorgen, und sie dann in seinen eigenen Blättern herunterreißen. Das Manuscript zum Palnatoke war ihm abhanden gekommen, doch fand er es aber nach Jahren wieder. Meinen Correggio ließ er auch mehrere Jahre liegen, ehe er ihn druckte. Kein ästhetisches Werk in Deutschland hat größeres Glück gemacht. Correggio wurde auf allen Theatern 30 Jahre lang gespielt, und Cotta, der keinen Contract mit mir geschlossen, hat gewiß mehrere Auflagen davon gemacht. Uebrigens glaube ich, daß er an den meisten meiner Arbeiten verloren hat; das Altnordische schmeckte den Deutschen nicht. Zuletzt hatte weder er, noch der jüngere Brockhaus Lust, meine Gedichte zu verlegen. Als ein Beispiel hierfür mag dienen, daß mir Brockhaus die Uebersetzung meines Helge zurücksandte, ohne das Werk verlegen zu wollen. Helge hatte ich nicht ganz allein übersetzt; ein Herr Voß in der deutschen Kanzlei hatte erst das Gedicht übersetzt und mir dann erlaubt, es ganz nach meinem Sinne zu bearbeiten. Das hatte ich dann auch gethan. So ist Helge in der Sammlung gedruckt, die später bei Max erschien, und so las Brockhaus das Gedicht, wie er mir versicherte, mit großem Vergnügen. Aber er wagte nicht, es zu verlegen, aus Furcht vor Mangel an Absatz. Die Uebersetzung von Tegnér's Frithiof war in Aller Mund und erlebte eine Auflage nach der andern; — aber Helge wurde nie besprochen und stets nur von Wenigen gelesen. Weshalb? theils wohl, weil die Kraft der Originalsprache nicht darin war; das war aber auch bei den Uebersetzungen des Frithiof nicht der Fall. Die Hauptursache war, daß Frithiof mit seiner sentimental-erotischen Lyrik den Damen gefiel; dagegen hatten nur wenige deutsche Männer Interesse für das Episch-Heroische in Helge.
Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, als Schriftsteller in Deutschland ferner noch aufzutreten, als Max mir schrieb:
„Euer Wohlgeboren wollen mir vergönnen einige Zeilen an Sie richten zu dürfen. Es betrifft Ihre Werke, welche vor vielen andern es verdienen, vollständig gesammelt in einer neuen Ausgabe zu erscheinen. Erlauben es Zeit und Verhältnisse an eine Gesammtausgabe Ihrer vortrefflichen Schriften zu denken, so wage ich es mich als Verleger anzubieten, — indem ich und meine Firma dadurch geehrt werden. Die Autoren sind einmal die Sonnen der Buchhändler, diese erhalten nur Licht und Glanz durch jene, und todt ist ihr Wirken, wird es nicht durch jene belebt“.
Das war nun eine erfreuliche Nachricht, und wir wurden bald einig.
Camma Rahbek's Tod.
Noch ein paar Jahre nach dem Tode meines Vaters blieb mir das Hügelhaus in jeder Beziehung ungestört. Rahbeks hatten keine Kinder, sie lebten in denselben Zimmern, auf dieselbe Weise, wie vor dreißig Jahren, wo ich ihre Bekanntschaft machte. Eines Abends, im Jahre 1828, als ich bei ihnen am Tische saß, schien es mir selbst so höchst wunderbar, daß ich kein rechtes Vertrauen zur irdischen Beständigkeit fassen wollte, sie erschien mir wie ein Blendwerk. Und das war es, denn kurz darauf verschwand die schöne Seifenblase. Camma Rahbek's Husten nahm immer mehr zu; sie hatte einige Jahre hindurch gekränkelt, und man gewöhnt sich endlich an so Etwas, daß man sich nicht mehr darüber beunruhigt, weil man immer hofft, daß es wenigstens beim Alten bleiben werde; aber der Lampe fehlt es endlich an Oel und sie geht aus. Rahbek hat im letzten Theil seiner Erinnerungen ihren Tod so anziehend und schön beschrieben, daß ich nichts Besseres thun kann, als den Leser, der mehr von ihr wissen will, darauf zu verweisen. Mein Freund, Bischof Mynster, hat uns eine vortreffliche Charakteristik von Beiden gegeben.