In einem Gedichte, die Reise nach Norwegen, habe ich poetisch beschrieben, was mir dort begegnet; in meinen gesammelten Schriften habe ich diese Gedichte getrennt; einige stehen unter den lyrischen Gedichten, andere unter den Romanzen.


Reise nach Norwegen.

In Christiania traf ich einige alte Bekannte wieder, die hier meine Freunde wurden, unter Anderen den Staatsrath Treschow, die Professoren Sverdrup und Schjelderup. Wir waren Alle vor etwa zwanzig Jahren Collegen an der Kopenhagener Universität gewesen. Treschow war mir früh dadurch merkwürdig, daß er bereits Rosing's Rector gewesen war, als dieser in Drontheim die Schule besuchte. Ich machte dem Prinzen Oskar meine Aufwartung, um ihm für die Gnade zu danken, die er mir erwiesen hatte. Der schöne junge Fürst kam mir freundlich entgegen, und ich lernte in ihm bald den vertrauten Freund der Musen kennen. Ich war zweimal bei ihm zur Tafel. Ryge war nach Christiania gekommen und Hakon Jarl sollte aufgeführt werden. Prinz Oskar lud mich ein, ihm in seine Loge zu folgen; aber ich verstand ihn nicht recht und glaubte, ich sollte mich beim Theater einfinden. Ich stand und wartete, aber der Wagen des Prinzen kam noch immer nicht. Endlich spazierten seine Cavaliere nach dem Theater und wunderten sich, mich an der Thür stehen zu sehen; sie erzählten mir, daß der Prinz mich im Hôtel mit seinem Wagen erwarte. Nun wurde ich sehr verlegen und bat einen der Cavaliere, der ohnehin zurückkehren wollte, mich zu entschuldigen und dem Prinzen zu sagen, daß ich seine Einladung mißverstanden hätte, mich aber jetzt schäme wieder durch die Stadt zurückzugehen. Der Prinz lachte und nahm meine Entschuldigung freundlich auf; ich war bei ihm in der Loge und Ryge spielte seinen Hakon, aber nicht ganz mit dem Leben, wie gewöhnlich, da es ihm an Unterstützung bei seinen Mitspielern fehlte. Bei dieser Gelegenheit merkte ich im Laufe des Gesprächs während des Schauspiels, daß der Prinz Oskar seinen Suorro Sturleson und seine isländischen Sagen trotz Einem kannte.


Ehrenvolle Aufnahme.

Ein paar Tage darauf kamen die Professoren Sverdrup, Hersleb und Hansteen zu mir ins Hôtel du Nord, um als Deputation der Universität, der Männer des Storthings und der Stadt mich zu einem Festmahle einzuladen. Ich habe beschlossen, im Verlauf dieser Biographie, mit Ausnahme der historisch merkwürdigen Gedichte, alle diejenigen zu überspringen, welche mich bei dieser und ähnlichen Gelegenheiten ehrten; deshalb lasse ich hier auch Welhaven's schönes Lied aus. Was ich aber nicht über mich gewinnen kann auszulassen, ist Sverdrup's Rede. Dieser seltene, schöne, kräftige Norweger, von griechischem Geiste gebildet, einer der ersten Staatsbürger des Landes, der in der Katastrophe von 1814 großen Einfluß auf König Christian gehabt, und ihn unter Anderm dazu vermocht hatte, als er nach Drontheim zur Krönung reiste, keinen Anspruch auf die Souverainetät zu machen; — dieser Mann ehrte mich bei dem Feste durch eine Rede, welche ich ebenso hoch stelle, wie die Ordensdecoration eines Fürsten, und sie deshalb nicht entbehren möchte. Ich besitze sie von seiner eigener Hand; meine Leser sollen sie kennen lernen, und ich drucke sie deshalb hier ab.

„In seinem Zeitalter ausgezeichnet durch große und seltene Dichtergaben, und als Lehrer und Meister seiner und aller künftigen Zeiten dazustehen, ist groß und herrlich, und weckt Aller Bewunderung. Wenn diese herrlichsten Gaben des menschlichen Geistes sich aus einem frommen und tiefen Gemüthe entwickelt haben, so strahlen sie in mildem Glanze der Liebe und gewinnen alle Herzen. Lebhafte Anerkennung von dem hohen Werthe des großen Dichters unsers Nordens, Dankbarkeit und Liebe, haben heute diese Gesellschaft norwegischer Männer und Jünglinge versammelt, welche ihre Dankbarkeit und ihre hohe Achtung vor dem Dichter Adam Oehlenschläger an den Tag legen möchten, der uns zuerst die großen, geistigen Schätze kennen lehrte, welche unsere Vorfahren uns hinterlassen haben, und in unserer eigenen Heimath unserm Blicke eine neue und große Welt der Poesie, der Wissenschaft und Kunst öffnete; der mit dem Falkenblicke des Genie's durchschaute, mit der lebhaftesten Phantasie vereinigte und in den kräftigsten, anmuthigsten und schmelzendsten Tönen sang, was unsere Vorfahren geahnt, gedacht, gehandelt und gelitten haben. Empfange, edler Dichter, den ungeheucheltsten Beweis unserer Hochachtung und Liebe, und sei willkommen, herzlich willkommen in dem alten Felsenlande unserer Väter“!

Festmahl.