Es war mir bei diesem Mahle lieb, als ich dankbar einen Toast auf Norwegens Wohl ausbringen wollte, denselben mit einem herrlichen, norwegischen Liede aus älterer Zeit begleiten zu können, das Keiner der Anwesenden, außer mir, auswendig wußte, weshalb ich es auch vor der ganzen Gesellschaft allein sang; es war das herrliche Volkslied Nordahl Bruun's: „Wohn' ich auf dem hohen Fels u. s. w.“. Ein schöneres giebt es nicht, und schon durch dieses allein hat sich der Verfasser einen verdienten Namen unter den norwegischen Dichtern erworben. Zarine und Einar Tambeskjälver konnten ihn ihm nicht verschaffen; und seine andern Gesänge stehen weit unter jenem.
In Opslo besuchte ich den ehrwürdigen Bischof Sörensen. Seinen Fenstern gerade gegenüber hatte die Kirche gestanden, wo Sigurd, der Jerusalemsfahrer, begraben war. Wir spielten l'Hombre zusammen; ich war unglücklich gewesen und hatte verloren; es war unbedeutend, denn ich spiele nie hoch; aber der gute alte Bischof wollte wahrscheinlich, daß ich auch nicht das Geringste in seinem Hause verlieren sollte, weshalb er, als das Spiel zu Ende war, alle Marken untereinander warf.
In Opslo begegnete ich einigen so zerlumpten Armen, wie ich sie nie früher gesehen hatte. Einige taumelten umher und konnten kaum stehen. Ich glaubte sie wären krank, hörte aber zu meiner Beruhigung, daß sie nur betrunken seien.
Reise in das Innere Norwegens.
Ich beschloß eine Reise ins Land, wenn gleich diesmal nur ins Christianiastift zu machen. Mein Freund, der Buchhändler Dahl, der mir stets die größte Zuneigung gezeigt hatte (ich kannte ihn von Kindheit an), übernahm, als Reisegefährte, die nothwendigen Geschäfte.
Ich sah zuerst den herrlichen Krogklev, der zwar nicht zu den wilden, großen Gebirgsgegenden gehört, welche sich im Stift Bergen, besonders in Telemarken finden; aber er ist schön und malerisch, man kann leicht von der Hauptstadt dahin gelangen, und er wird in Norwegen, sowie der Rigi in der Schweiz, von allen Reisenden besucht. Der Krogklev hat vor den wilden Berggegenden das voraus, daß er eine hohe, kühne Natur mit ruhiger Thalschönheit vereinigt, denn durch seine Riesenspalten sieht man (bei Sonnenschein) das ganze, lachende, fruchtbare Ringerike, wo Halfdan Svarte's Haupt mitten auf dem Felde begraben liegt, und von dort kamen wir nach dem Predigerhause in Norderhoug, das durch die Sage von der tapfern Anna Kolbjörnsen verherrlicht ist.
Die Ströme und Wasserfälle, Ringerike und Modun, die zwei Skjutszwillinge, die mich fuhren, das schöne norwegische Bauermädchen in der Hütte, Sct. Olaf's alte Sage, die man überall hört, wo ein Felsstück seltsam hervorspringt, meine Fahrt in die Kongsberger Grube hinab, wo ich vor Müdigkeit fast nicht wieder hinaufgekommen wäre, mein Besuch in Drammen bei dem gastfreien Amtmann Blom, wo ich mein Bild an der Wand, einen alten Jugendfreund Wulfsberg bei Tisch, und in der Kirche Erinnerungen der Kindheit fand; — das Alles findet sich zugleich mit meinem dankbaren Lebewohl in dem Gedichte: „Die Reise nach Norwegen“ besungen.