Ein Brief des Kronprinzen Oskar.

Sobald das oben genannte Werk gedruckt war, sandte ich meinem königlichen Gönner, dem Kronprinzen Oskar, ein Exemplar desselben. Sr. Majestät wird gewiß nicht zürnen oder es ungnädig aufnehmen, daß ich den Brief, mit dem er mich beehrte, hier abdrucke; ich kann mir die Freude nicht versagen, die mir erwiesene Ehre zu veröffentlichen, und die Nachwelt soll den Ton kennen lernen, in dem ein erhabener Fürst zu einem Künstler sprach.

Stockholm, den 28. Februar 1830.

„Herr Professor Oehlenschläger! Mit wahrhafter Freude habe ich die mir übersandte Reise in Norwegen gelesen, welche nicht allein so schöne Bilder von der Natur und dem Volke des Nordens bringt, wie man sie vom Verfasser des Hakon Jarl erwarten konnte, sondern welche auch in mir die Erinnerung an die angenehmen Stunden wiedererweckt hat, welche ich im vergangenen Sommer in Norwegen zubrachte. Unter die vielen Veranlassungen zur Freude, welche ich daselbst gefunden, zähle ich auch die Befriedigung, einen Mann persönlich kennen gelernt zu haben, dessen allgemein geachtete Schriften mir so lange bekannt waren, und mir so viele Genüsse bereiteten. Der ungetheilte Beifall, den Ihre Arbeiten, Herr Professor, hier in Schweden gefunden haben, muß Sie überzeugen, daß wir mit Freuden den Sänger Helge's und der Götter des Nordens bei uns sehen würden; und indem ich Sie an Ihr Versprechen erinnere, uns einmal zu besuchen, wiederhole ich, was ich mündlich in Norwegen äußerte, daß Sie uns herzlich willkommen sein werden, wenn die Umstände es Ihnen gestatten, diese Reise zu unternehmen.

Ich benutze mit Freuden diese Gelegenheit, Sie, Herr Professor, meiner besondern Hochachtung und aufrichtigen Freundschaft zu versichern.

Oskar“.


Veränderungen in meinem häuslichen Leben.

In diesem Jahre starb mein Freund, der Bischof Peter Erasmus Müller, der sich durch seine vortreffliche Sagenbibliothek und andere Schriften so verdient um die nordische Literatur gemacht hat. Nun wurde der Confessionarius Dr. Jakob Peter Mynster Bischof und mußte seinen Amtsantritt mit dem traurigen Geschäfte beginnen, einen seiner ältesten Freunde aus seinem Paradiese oder dem Bischofshause zu jagen. Es war nicht anders möglich, da die Wittwe des Bischofs in den Zimmern wohnen sollte, die ich früher inne hatte. Ich zog also nach der Weststraße, wo es lange nicht so schön war. Aber ich wollte gern in der Nähe des Westthores wohnen, um leicht nach Friedrichsberg hinauskommen zu können, wo ich jeden Nachmittag meinen Thee trank. Die Weststraße bot mir überhaupt liebe Erinnerungen dar; dort hatte ich in meiner Jugend fünf Jahre gelebt, den Aladdin und mehrere andere Dichtungen geschrieben; dort hatten Oersteds gewohnt, und mir war im Kreise meiner lieben Schwester manche frohe Stunde daselbst verstrichen.